Verein ohne Heim

Am Dienstag 10.08.2010 möchte Michael Pauly aus der nicht mehr genutzten katholischen Kapelle an der Beerenstraße in Buschhausen ein Musikzentrum machen in Oberhausen Foto: Gerd Wallhorn / WAZ FotoPool v.l.: Michael Pauly , Heidi Icking , Hans Wenning , Geraldine (11) , Axel Drissen , Anna Lena (12) , Hans Werner Wenning , Hartmut Kehr
Am Dienstag 10.08.2010 möchte Michael Pauly aus der nicht mehr genutzten katholischen Kapelle an der Beerenstraße in Buschhausen ein Musikzentrum machen in Oberhausen Foto: Gerd Wallhorn / WAZ FotoPool v.l.: Michael Pauly , Heidi Icking , Hans Wenning , Geraldine (11) , Axel Drissen , Anna Lena (12) , Hans Werner Wenning , Hartmut Kehr
Foto: WAZ FotoPool

„Musik wird oft nicht schön gefunden, weil sie stets mit Geräusch verbunden“, schrieb Wilhelm Busch 1872 in seinem Gedicht „Der Maulwurf“. Schön vor allem dann nicht, wenn sie des Nachts aus einem Ghettoblaster tönt, und das auch noch am Pfingstwochenende.

Ein solcher Fall soll den Ausschlag dafür gegeben haben, dass der „Verein zur Förderung der freien Musikszene“ von Michael Pauly und Hartmut Kehr die St. Konrad-Kapelle in Biefang verlassen musste. „Wir hatten eine Nutzungsvereinbarung für ein Jahr“, erklärt Pauly. Diese sei am 31. Juli ausgelaufen und nicht verlängert worden – somit war der Verein heimatlos.

Nachtruhe
gestört

Der Hintergrund: „Wir haben in der Kapelle ein Jugendrockbandprojekt durchgeführt. An Pfingsten saßen wohl Jugendliche draußen und haben etwas zu laut Musik gehört“, erinnert sich der Vereinsvorsitzende. Er selbst habe davon erst erfahren, als er in gleicher Nacht Anrufe von Nachbarn erhielt. Diese, vermutet Michael Pauly, seien durch negative Stimmungsmache auch dafür verantwortlich, dass die für die Kapelle zuständige St. Clemens-Gemeinde die Nutzungsvereinbarung nicht verlängerte.

Für Michael Pauly und Hartmut Kehr ein Unding. „Es gibt immer mehr Räume, die leer stehen und nicht genutzt werden“, ereifert sich Pauly, „viele Träger haben Räume über, geben diese aber nicht zur Nutzung frei.“ Das Beispiel der St. Konrad-Kapelle sei für ihn bezeichnend: Diese liegt sei vier Jahren brach, lediglich ein Gottesdienst in der Woche wird dort abgehalten. Die Kapelle wäre für Kehrs und Paulys Verein eine ideale Heimat gewesen, nicht bloß weil dort bis in die späten Abendstunden musiziert werden kann, ohne die Anwohner zu stören.

Denn die Idee hinter dem Verein ist es, eine freie Musikszene in Oberhausen zu fördern, und die gebe es in der unmittelbaren Nachbarschaft der Kapelle reichlich, wie Hartmut Kehr entdeckte: „Die Beerenstraße hat sich als außerordentlich musikalisch erwiesen. In einem Radius von 500 Metern schlummert riesiges Potential.“ Eine Schande sei es, so Kehr, der Eigeninitiative nun einen Knüppel zwischen die Beine zu werfen.

Große
Beliebtheit

Pauly ergänzt: „Bis auf besagte Nachbarn, die sich belästigt fühlten, hat sich der Verein in der Kapelle bester Beliebtheit erfreut, viele Nachbarn haben ihre Instrumente ausgepackt und sind einfach mal vorbeigekommen.“

Jetzt wollen Michael Pauly und Hartmut Kehr eine Nutzungsanfrage an die Gemeinde stellen, die alte Kapelle soll zum Kulturzentrum umfunktioniert werden. Erste Gespräche wurden bereits in diesem Zusammenhang geführt, verliefen allerdings im Sande. Aus diesem Grund planen die Vorsitzenden außerdem eine Unterschriftenaktion, mit der sie die Gemeinde überzeugen wollen, dem Verein die Kapelle zu überlassen.

„Wir wollen uns in den Stadtteil sowie das Leben in der Stadt einbringen“, verrät Michael Pauly. „So soll die Tradition des Kapellenfestes wieder aufleben.“ Das ist ein Stadtteilfest mit Beteiligung aller Anwohner. Gänzlich ausschließen mit dem Verein doch noch umzuziehen, will er allerdings nicht, falls ein Immobilienbesitzer ein attraktives Angebot unterbreiten sollte. Mit dem Restaurant „Vis à vis“ wurde immerhin schon ein Vereinslokal abseits der Kapelle gefunden.

 
 

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