Verbände starten Info-Kampagne über psychische Krankheiten

Foto: Tom Thöne / WAZ FotoPool

Psychische Erkrankungen nehmen seit Jahren stark zu, rangieren mit Rückenschmerzen an der Spitze der Krankheiten. Nur hält der gegenseitige Beistand der Betroffenen in Selbsthilfegruppen auch in Oberhausen mit dieser Entwicklung nicht Schritt. Deshalb haben es sich die Selbsthilfe-Kontaktstelle des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes und die psychosoziale Kontakt- und Beratungsstelle Imago in diesem Jahr auf die Fahnen geschrieben, daran etwas zu ändern. In einer zwölfteiligen Veranstaltungsreihe wollen sie zunächst die Vielfalt psychischer Erkrankungen aufzeigen. Dazu haben sie namhafte Referenten gewonnen.

„In Oberhausen gibt es über 120 Selbsthilfegruppen“, sagt Peter Jötten von der Selbsthilfe-Kontaktstelle. Im Bereich psychischer Erkrankungen seien es aber nur wenige. „Eine Selbsthilfegruppe lebt davon, dass jemand sie zusammenhält, dass Verlässlichkeit und Verbindlichkeit bestehen“, fährt er fort. „Das ist für psychisch Kranke oft ein Problem“, ergänzt Sabine Stratmann von Intego. „Krankheitsbedingt neigen die Betroffenen gerade dazu, sich völlig zurückzuziehen.“ So aber könne der Bestand einer Gruppe nicht gesichert werden.

Schon 2011 hatte die Selbsthilfe-Kontaktstelle mit einer Kampagne über psychische Erkrankungen informiert. Dabei tat sich ein großer Bedarf an Selbsthilfe auf. Nur dort begegnen Betroffene außerhalb der Therapie Menschen, die mitfühlen können, was sie durchmachen. „Allerdings erwies es sich als schwer, Interessierte in bestehende Gruppen zu integrieren“, sagt Peter Jötten. Deshalb will man jetzt die Neugründung von Gruppen forcieren.

Bei der einzigen Selbsthilfegruppe für Burn-Out-Betroffene aber gelang es, eine Therapeutin zu gewinnen, die die Gruppe bei Bedarf als Patin stabilisiert. Und nach diesem Paten-Modell soll jetzt auch bei der beabsichtigten Neugründung anderer Selbsthilfegruppen für psychisch Kranke verfahren werden.

„Das können wir als Selbsthilfe-Kontaktstelle aber nicht leisten“, betont Mitarbeiterin Svenja Ricken. Deshalb habe man sich Intego als Kooperationspartner ins Boot geholt. Denn Intego gibt jedes Jahr rund 1000 psychisch Erkrankten Unterstützung - von der Therapiesuche bis hin zur beruflichen Wiedereingliederung. Ih­re pädagogischen Mitarbeiter stehen den neuen Gruppen bei Bedarf als Paten bereit.

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