Verbände in Oberhausen koordinieren Hilfe für EU-Bürger

Sie richten ihren Blick auf Zuwanderer aus anderen europäischen Ländern (v.l.):  Guido Ernek, Ulrich Klein, Linda Skorna, Jörg Fischer, Uwe Beier, Frank Janßen, Martin Lenz und Renate Neumann.
Sie richten ihren Blick auf Zuwanderer aus anderen europäischen Ländern (v.l.): Guido Ernek, Ulrich Klein, Linda Skorna, Jörg Fischer, Uwe Beier, Frank Janßen, Martin Lenz und Renate Neumann.
Foto: Funke Foto Services
Kurbel, Caritas, DRK und Zaq wollen Zuwanderer vor allem aus Osteuropa beraten. Koordinatoren sollen Zugang zu Kultur-, Sport- und Bildungsangeboten vermitteln.

Oberhausen.. Das ist schon kurios: Da gibt es in dieser Stadt unzählige Angebote, um Zuwanderer, Arbeitssuchende, Familien und Kinder zu unterstützen – doch diese Hilfe kommt längst nicht bei jedem an.

Vier Sozialverbände haben sich nun zusammengetan, weil sie dagegen etwas unternehmen wollen. Kurbel, Caritas, Deutsches Rotes Kreuz und das Zentrum für Ausbildung und berufliche Qualifikation (Zaq) der Awo wollen Zuwanderer aus anderen, zumeist osteuropäischen Ländern, besser beraten. Sie wollen sie begleiten und dabei ausschließlich auf bestehende Regelangebote und ein Netzwerk aus Kooperationspartnern zurückgreifen. Vier Koordinatorinnen sollen sich ausschließlich darum kümmern, Kinder besser in die frühkindliche Bildung zu vermitteln, Jugendliche etwa an Sportvereine, Kunst und Kultur sowie Erwachsene an Beratungsstellen, Ämter oder Organisationen heranzuführen.

1200 Zuwanderer aus EU-Ländern

In den vergangenen sechs Jahren sind immer mehr Menschen aus dem europäischen Ausland nach Oberhausen gezogen. 2010 waren es noch 241, 2014 schon 1200. Eine der größten Gruppen, rund 40 Prozent, machen Menschen aus südosteuropa, aus Rumänien und Bulgarien, aus.

Auch wenn oft ein Beschäftigungsverhältnis vorliege, fänden diese Binnenzuwanderer oft nur schwer Zugang zur Gesellschaft, heißt es von den Oberhausener Experten: Schlechtes Deutsch, eine geringe schulische Bildung können Gründe sein. Uwe Beyer (Zaq) ergänzt: „Ein Großteil dieser Gruppe ist mit unserem System nicht vertraut oder auch misstrauisch gegenüber staatlichen Institutionen.“

Hürden abzubauen und Brücken aufzubauen, das ist Ziel der neuen Initiative der Sozialverbände. Mit Fördergeldern in Höhe von 860 000 Euro aus dem Europäischen Hilfsfonds für am stärksten benachteiligte Personen und den Bundesministerien für Arbeit und Familie wollen sie drei Jahre lang gezielt auf EU-Binnenzuwanderer zugehen. „Viele dieser Menschen kennen wir aus Einrichtungen oder der Migrationsberatung“, sagt Guido Ernek von der Caritas. Bisher fehlte Zeit und Geld, sie zu betreuen.

Zwei Zielgruppen

Deutschlandweit werden 88 Projekte dieser Art gefördert. In Oberhausen gibt es zwei Zielgruppen. Einerseits will die Kurbel stadtweit Kinder im Kita-Alter und deren Eltern für frühkindliche Bildung, Vereine oder Familienbildungsstätten begeistern. „Besonders bei Kindern unter sieben Jahren ist der Förder- und Unterstützungsbedarf hoch“, weiß Koordinatorin Linda Skorna. Zumindest jedes zweite neuzugewanderte Kind soll in ein Regelangebot vermittelt werden, so das Ziel.

In Stadtteilen mit hohem Migrantenanteil wie etwa der Innenstadt oder Osterfeld wollen Caritas und Zaq andererseits Erwachsene ansprechen – und in wenigstens 70 Prozent der Fälle Erfolge vorweisen. Das Rote Kreuz übernimmt dabei einen besonders kniffeligen Part: „Wir sind auf der Straße unterwegs“, sagt Jörg Fischer. Es sollen die Menschen erreicht werden, die bisher nicht in Kontakt mit Sozialverbände gekommen sind. Dafür hat das DRK eine Mitarbeiterin angestellt, deren Wurzeln in Rumänien liegen.

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