Unterricht in „dolce vita“

Chefin Rosetta Leone mit ihrem Schwiegersohn Michele Lomuto in der Küche des Restaurants „Salvatore“. Die Oberhausener sind am 13. April in einem Filmbeitrag des WDR zu sehen (20.15 Uhr). Foto Ulla Emig wazfotopool
Chefin Rosetta Leone mit ihrem Schwiegersohn Michele Lomuto in der Küche des Restaurants „Salvatore“. Die Oberhausener sind am 13. April in einem Filmbeitrag des WDR zu sehen (20.15 Uhr). Foto Ulla Emig wazfotopool
Foto: Ulla Emig wazfotopool

Oberhausen. Ketchup auf dem Pizzateig oder Nudelsoßen aus der Tüte – Rosetta Leone schüttelt sich innerlich schon bei dem Gedanken. „Es ist eine Schande: Viele junge Menschen haben verlernt, wie man etwas mit einfachen Mitteln frisch zubereitet.“ Das gilt leider auch für die Jugend Süd-Italiens, wo die Inhaberin des Restaurants „Salvatore“ herkommt. Gut nur für unsere Stadt: Seit 1971 bringt Leone den Oberhausenern den guten Geschmack der italienischen Küche bei.

Das war damals keine leichte „Arbeit“, denn als ihr Onkel Salvatore De Rosis 1968 seine Pizzeria an der Helmholtzstraße eröffnete, schrieb der Eigentümer des Hauses noch vor, dass auf die Speisekarte „gute deutsche Küche“ gehöre. In der Regel Schnitzel. Pizza – was ist das denn? Fragten die Oberhausener, die noch nie zuvor in Rimini, an der Riviera oder anderen Orten Italiens waren, denn das „Salvatore“ war eines von damals gerade einmal zwei italienischen Restaurants in der Stadt.

Pizza – das unbekannte Wesen

Ihr Onkel kam 1961 ins Ruhrgebiet und arbeitete zunächst als Bergmann auf der Zeche Zollverein, obwohl er immer Gastronom sein wollte. Das ließ die deutsche Verwaltung aber zunächst nicht zu. 1964 wagte Salvatore den Umweg über eine Eisdiele in Gladbeck, vier Jahre später gelang der Traum vom eigenen Restaurant eben mit den „kleinen“ Einschränkungen.

1971 kam Rosetta Leone aus Spezzano Albanese in die Ruhrstadt. „Ich fand es von Anfang an toll hier, alles war so sauber“, sagt sie mit einem Lächeln: „in meiner Stadt war alles schmutzig. Heute ist es umgekehrt.“

Pizza – das unbekannte Wesen: Der heute hoch geschätzte belegte Fladen lag damals wie Blei im Regal, „lieber ein Schnitzel“, hieß es. Mit kleinen leckeren Häppchen fütterte die junge Rosetta die Oberhausener an, brachte sie auf den Geschmack. „Den Knoblauch musste ich immer hinter verschlossenen Türen schneiden, damit ihn die Gäste nicht riechen“, erinnert sich die Inhaberin, die auch heute noch liebend gern am Herd steht, „und heimlich dazu tun“.

Christoph Schlingensief war heimlich im "Salvatore"

Das Künstlerpublikum vom Theater schätzte offenbar die „dolce vita“ und war einer der ersten Kunden bei Salvatore: „Sie saßen dicht gedrängt hinten im kleinen Raum und aßen Pizzen auf den Knien“, erzählt Leone, „das fanden sie gemütlich“. Dieter Krebs schaute gern vorbei und „Christoph (Schlingensief) war auch häufig bei uns – heimlich, weil er keine Pizza essen sollte“, verrät sie heute.

Der belegte Teig geht heute wie geschnitten Brot mit Rucola und Parmesan, frischen Tomaten und Mozzarella – und ausgerechnet Knoblauch kann plötzlich für den deutschen Gaumen nicht genug drauf sein. Der süditalienischen Jugend soll es wiederum nach Pommes Frites und Kroketten auf dem Fladen gelüsten – doch jedem das seine.

"Wir sind ein Treffpunkt."

Wer hingegen einen kulinarischen Ausflug in noch wenig bekannte Gefilde unternehmen will, lässt die Speisekarte bei Salvatore links liegen und sich lieber im Gespräch mit Rosetta Leone von den ungeschriebenen Geheimnissen der Küche überzeugen. Spezialitäten wie Burrata (ein spezieller Mozzarella-Käse), selbst eingelegte und in der Sonne Oberhausens gereifte Tomaten sowie süße, kross gebratene Peperoni gibt es nur auf Anfrage. Die Stammkunden wissen jedoch davon genauso wie sie jede besondere Gaumenfreude gleich erspähen, klagt Leone im halben Scherz, zum Beispiel Salami aus Basilicata mit einem Hauch Fenchel.

Vor dem Wettbewerb mit Schnell-Pizzerien hat Leone keine Angst: „Wir sind ein Treffpunkt. Die Kunden kommen von weit weg zu uns“, sagt sie: „wir waren vielleicht nicht die erste Pizzeria, aber wir sind immer noch hier“.

WDR-Bericht über "Salvatore"

Für das Fortbestehen des Restaurants ist übrigens gesorgt, selbst wenn die zwei Töchter und der Sohn in andere Berufe gingen: Schwiegersohn Michele Lomuto hat seit einiger Zeit die Küche übernommen: „Das Geheimnis von guter Qualität ist einfach“, sagt der gelernte Koch: „Ich achte auf die Qualität der Zutaten und bereite nur solche zu, die ich auch selbst essen würde.“ Wie die Pizza ins Ruhrgebiet kam? Der WDR wird am heutigen Freitag, 13. April, in einem Film (20.15 Uhr) darüber berichten und zu Gast im „Salvatore“ sein.

 
 

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