Oberhausen

Oberhausen: Cindy Koch geht nichtsahnend feiern – wenige Stunden später liegt sie tot in ihrem Bett

Die Oberhausenerin Cindy Koch wird 1997 ermordet in ihrer Wohnung aufgefunden. Obwohl die Polizei Blut und damit DNA-Spuren vom mutmaßlichen Täter findet, ist der Fall bis heute ungelöst.

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  • DER WESTEN beleuchtet ungelöste Kriminalfälle im Ruhrgebiet
  • Die Mörder sind bis heute nicht gefunden worden
  • Cindy Koch (20) aus Oberhausen wurde nach einer Partynacht tot in ihrem Bett aufgefunden

Oberhausen. Eine laue Sommernacht, tagsüber klettern die Temperaturen auf rund 30 Grad. Cindy Koch, 20 Jahre alt, will diesen 9. August im Jahr 1997 genießen, feiern, Spaß haben. Eine Partynacht in Oberhausen endet für sie jedoch mit dem Tod. Bis heute konnte ihr Mörder nicht gefunden werden. Der Fall wirft Rätsel auf. Viele von ihnen sind auch 20 Jahre später noch nicht gelöst.

Der Abend beginnt mit einer gemütlichen Grillrunde im familiären Kreis. Später will Cindy mit einer Freundin in Clubs im Centro und dann in der Turbinenhalle feiern gehen. Tanzen, quatschen, ausgelassen sein ist das Motto der jungen Mutter. Sie selbst ist einen Tag vor ihrem 19. Geburtstag Mutter eines Sohnes geworden.

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Viele Morde im Ruhrgebiet sind bis heute nicht aufgeklärt. Die Täter konnten nie ermittelt werden. Die Serie ungelöste Kriminalfälle im Ruhrgebiet auf DER WESTEN beleuchtet die Vorkommnisse. Denn auch nach 20 Jahren gilt: Mord verjährt nicht. Jeder Hinweis kann der Polizei noch heute weiterhelfen.

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„Sie lachte noch. Das ist das letzte was ich von Cindy gesehen habe“

Ihre eigene Mutter erinnert sich in der RTL2-Doku „Ungeklärte Morde – dem Täter auf der Spur“ einige Jahre danach: „Sie lachte auch noch. Das ist das letzte, was ich von Cindy gesehen habe.“ Mit dem Sohn und Cindy sitzt sie im Garten zusammen, genießt die Zeit. Cindy, die nette, hübsche Blondine, räumt anschließend den Tisch ab.

Ihre Mutter beschreibt sie als lebenslustig. Sie hatte einen großen Bekanntenkreis, fand sich überall zurecht. Da ahnt sie noch nicht, dass sie ihre Tochter am nächsten Morgen erstochen im eigenen Bett auffinden wird.

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Warum bricht Cindy nochmal zur Turbinenhalle auf?

Gemeinsam mit ihrer Freundin bricht sie mit ihrem schwarzen Renault (Kennzeichen OB – EL 832) zu der Disco im Centro auf. Dort verbleiben sie einige Stunden, bevor sie weiterziehen in die Turbinenhalle. Die Szene-Disco war ohnehin das erklärte Ziel an dem Abend. Über 2500 Feierende tanzen, trinken und flirten in der Location.

Anschließend geht es zu einer McDonald’s Filiale in unmittelbarer Nähe. Danach fährt Cindy ihre Freundin mit dem schwarzen Renault nach Hause. Gegen 3.40 Uhr kommt sie zuhause an. Ihre Mutter, die im selben Haus wohnt, hört Schritte im Wohnhaus. In nur zehn Minuten hat sich die 20-Jährige umgezogen. Lederhose, weißes ärmelloses T-Shirt und Bikerboots – ihr neues Outfit für den restlichen Abend. Erneut führt der Weg in die Turbinenhalle. Doch warum bricht Cindy nochmal auf? Und für wen zieht sie sich um?

In der Turbinenhalle, so vermutet die Polizei, trifft sie wahrscheinlich ihren späteren Mörder.

Ihr Mörder fährt sie nach Hause

Sie nimmt den Täter in ihrem schwarzen Kleinwagen mit. Besonders verwunderlich: Er fährt das Auto. Die Polizei kann später die mutmaßliche Route nachverfolgen. Gegen 7 Uhr morgens kommen sie an ihrem Wohnort an.

„Als ich das Auto gehört habe, bin ich ans Fenster gegangen“, schildert die Mutter später in der RTL2-Doku. Sie versteckt sich hinter der Gardine, möchte nicht, dass Cindy sich beobachtet fühlt. Cindy steigt auf der Beifahrerseite aus, was die Mutter ungewöhnlich findet. Sonst fährt die junge Mutter meist selbst. Ein möglicher Grund: Cindy hatte Alkohol getrunken. 0,8 Promille soll sie im Blut gehabt haben – „sie trank sonst nie Alkohol“, stellt ihre Mutter klar.

Sie kann nur erkennen, wie ihre Tochter gelöst und entspannt aus dem Auto steigt. „Nicht so, als ob ein Fremder bei ihr wäre“, erklärt sie. Den Fahrer kann sie nicht erkennen, ein Vordach versperrt ihr die Sicht.

Gemeinsam betreten ihr Mörder und Cindy das Haus. Die Mutter will das Paar durch den Türspion beobachten, doch dieser ist verdeckt. Sie hört, wie Cindy mit ihren schweren Schuhen durch das Treppenhaus stampft. Auch die Schritte einer zweiten Person sind erkennbar. Sie ist sich sicher: „Das muss ihr Mörder gewesen sein.“ Sie hört die Wohnungstür noch ins Schloss fallen.

Mutter verwundert: Warum holt Cindy ihr Kind nicht ab?

Am folgenden Tag wundert sich die Mutter: Warum holt Cindy ihren einjährigen Sohn nicht ab? Sie wird unruhig. Cindy ist sonst zuverlässig, kümmert sich um ihr Kind.

Gegen 20 Uhr entschließt sie sich, die zwei Etagen im Wohnhaus hochzugehen und zu klingen. Doch keine Reaktion. Sie schließt die Tür auf und macht die grausige Entdeckung: Ihre Tochter ist tot. Ausgezogen liegt sie auf ihrem Bett. Zahlreiche Schnitt- und Stichverletzungen überziehen ihren Körper. In ihrem Hals steckt noch ein Messer. Die Obduktion ergibt später: Cindy ist zuvor bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und gedrosselt worden.

Markus Bergmann, einer der leitenden Ermittler: „Allein die Tatsache, dass wir Blut vom Täter haben finden können, sagt uns, dass der Täter verletzt gewesen sein muss.“ Daher fragt schon damals die Polizei die Bevölkerung: Hatte jemand eine Person mit Verletzungen wahrgenommen, die er nicht erklären konnte?

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„Er hat unsere Lebensperspektive kaputt gemacht“

1300 Personen sind durch die Polizei befragt worden, 580 DNA-Analysen wurden erstellt. Der Mörder ist nicht darunter - seine DNA ist den Ermittlern durch die Blutspuren am Tatort bekannt. Doch bis heute gibt es keinen entscheidenden Hinweis auf den Täter. Die damaligen Ermittler sind schon längst im Ruhestand.

„Zu Beginn der Ermittlungen waren wir sehr zuversichtlich, dass wir die Tat klären können. Wir waren davon ausgegangen, dass es sich in irgendeiner Weise um einen Bekannten des Opfers handeln musste“, so Ermittler Berg.

„Der Mörder meiner Tochter hat mir alles genommen. Nicht nur meine Tochter, nicht nur meinem Sohn die Schwester, nicht nur meinem Enkelkind die Mutter. Er hat die ganze Lebensperspektive von uns kaputt gemacht“, trauert die Mutter noch einige Jahre nach der Tat. Auch Cindys Sohn, er ist heute 23 Jahre alt, hat niemals mit der Tat abgeschlossen.

 
 

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