Über den Dächern von Oberhausen-Osterfeld

Panoramablick von der Halde Osterfeld nach Süden, eingegrenzt von Paul-Reusch-Förderturm und Gasometer.
Panoramablick von der Halde Osterfeld nach Süden, eingegrenzt von Paul-Reusch-Förderturm und Gasometer.
Foto: WAZ FotoPool
Hoch über der Vestischen Straße ratterten einst Kohlewaggons. Heute hat sich die Natur die Halde der ehemaligen Zeche Osterfeld zurückerobert.

Oberhausen.. Über den Dächern von Osterfeld steht plötzlich, wer von der Fahnhorststraße aus den Anstieg auf die Halde der ehemaligen Zeche Osterfeld nimmt. Für Gästeführerin Silvia Golz ist das einer der schönsten Aussichtspunkte in der Stadt.

Links säumen Brombeersträucher den geteerten Weg, rechts stehen Jungbäume. Sie geben den Blick frei auf den Gasometer und den RWW-Wasserturm dahinter, auch auf den unter Denkmalschutz stehenden Paul-Reusch-Förderturm der ehemaligen Zeche.

Der Geh- und Radweg hier oben verläuft auf einer ehemaligen Gleistrasse. Noch sechs Kilometer sind es von hier bis ins Zentrum von Bottrop, nur 1,6 Kilometer bis zum Centro. Früher ratterten hier Kohlewaggons über die Vestische Straße hinweg. Mittlerweile ist aus der Eisenbahn- eine Fußgängerbrücke geworden. Silvia Golz zeigt auf die große Kuppel, den „Dom“, die frühere Kohle-Mischanlage aus den 80er Jahren. Dahinter ist der Turm der St.-Pankratius-Kirche zu sehen, weiter rechts der Olga-Park, benannt nach der Landesgartenschau von 1999. Wenige Jahre zuvor wurde die Zeche geschlossen.

Plateau mit Eigenheimen

Auf der Anhöhe vor der Brücke steht ein überdachtes Sitz-Rondell – für diejenigen, die nach dem Aufstieg verschnaufen möchten. Dahinter stehen Birken. Sie sind wegen ihres schnellen Wachstums stets die ersten Bäume, die sich ansiedeln, wenn sich die Natur ein Indus­triegebiet zurückerobert.

Von hier oben aus präsentiert sich das darunter liegende Zechengelände als Plateau, auf dem die ersten Eigenheime entstanden sind, außerdem eine Seniorenresidenz und ein Tagespflegezentrum.

„Jenseits der Fußgängerbrücke geht es weiter in Richtung Volksgolfplatz“, erklärt die Gästeführerin. Wer dem Panorama, das sich nach Süden hin bietet, den Rücken zuwendet, der blickt nach Norden über die Dächer der Häuser an der Vestischen Straße und ihrer Umgebung und sieht den Turm der evangelischen Kirche Osterfeld.

Die Zechenbahn

Die Autos unten durchbrechen die Stille auf der Halde. „Vor allem an Wochenenden kann man sich hier sehr gut autofrei fortbewegen“, sagt Silvia Golz. Viele Menschen würden das aber auch werktags als Alternative zu Bus oder Auto tun.

Beim Abstieg zurück zur Fahnhorststraße ist zu erkennen, dass die Zechenbahn einmal diese Straße überquert haben muss. „Stimmt“, sagt Silvia Golz. „Aber die dazu nötige Brücke an dieser Stelle wurde schon vor langer Zeit abgerissen.“

Seit 1853 hatte man in Osterfeld nach Steinkohle gesucht. Die Kohleförderung dauerte hier dann von 1879 bis 1992. Gefördert wurde das „schwarze Gold“ aus bis zu 1020 Metern Tiefe. Die maximale Jahresmenge lag im Jahre 1981 bei 2,8 Millionen Tonnen.

 
 

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