Turbo-Kritik an Energiewende

In einer Wirtschaftswelt, die von zunehmendem Kostendruck und weltweit harter Konkurrenz gekennzeichnet ist, sind vernünftig bezahlte Arbeitsplätze, die Übernahme von Auszubildenden sowie jährliche Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe eines Unternehmens mehr als erfreulich, erst recht wenn es auf wirtschaftlich gesunden Füßen steht und die Auftragslage recht ordentlich ist. MAN Diesel & Turbo ist mit seinem Werk in Sterkrade so ein Unternehmen, wie Landesarbeitsminister Guntram Schneider (SPD) gestern bei einer Besichtigung vor Ort erfuhr, an der auch SPD-Bundestagskandidat Dirk Vöpel teilnahm.

Stetig steigende Kosten

Werkleiter Jürgen Vinkenflügel, Vorstand Hans-O. Jeske sowie die Betriebsräte Helmut Brodrick und Gerhard Kreutzer nutzten die Chance allerdings auch, den Minister mit den Problemen eines weltweit agierenden Entwicklers und Produzenten von Hochtechnologie zu konfrontieren. „Uns brennen die Kosten auf den Nägeln“, meinte Jeske. Mittlerweile machten mehr als 50 Prozent des Umsatzes zugekaufte Komponenten aus.

Für sehr verbesserungswürdig – „und das ist noch positiv ausgedrückt“ – hält Jeske die von der Politik zu verantwortende Energiewende. Die Investitionsbereitschaft hiesiger Energieproduzenten, also den Kunden von MAN Diesel & Turbo, leide darunter, denn wer in eine unsichere Zukunft blicke, halte sich eben mit Investitionen zurück. Dabei gebe es reichlich Investitionsbedarf, denn es sei doch ein Unding, dass der Wirkungsgrad herkömmlicher Kraftwerke in China mittlerweile besser sei als in Deutschland. „Die Unsicherheit für unsere Kunden in Deutschland muss endlich aufhören.“ Hier müsse die Politik mehr Hilfestellung geben, betonte der Betriebsratsvorsitzende Brodrick.

Beim Minister stießen Unternehmensleitung und Arbeitnehmervertreter auf offene Ohren. „Für die nächsten fünf bis sechs Jahrzehnte bleiben wir auf Energiegewinnung aus fossilen Stoffen angewiesen“, ist Schneider überzeugt. An der gesellschaftlichen Akzeptanz dieser Tatsache müsse allerdings noch gearbeitet werden. Die Landesregierung arbeite ihrerseits daran, dass Genehmigungsverfahren für Großprojekte beschleunigt werden. „Allerdings leben wir auch in einem Rechtsstaat und da ist es gestattet, dass Menschen gegen Großprojekte klagen dürfen“, machte er klar.

 
 

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