Oberhausen

Gerüchte um Zunahme von Tuberkulose-Erkrankungen in Oberhausen – das ist dran

Auf Twitter stellt ein Mann nicht nur die Behauptung auf, dass es in Oberhausen mehr Tuberkulose-Fälle gibt. Er äußert sich auch dazu, dass es einen Zusammenhang zu der vermehrten Flüchtlingsmigration in der Stadt gibt. Doch wie sieht die tatsächliche Faktenlage aus?
Auf Twitter stellt ein Mann nicht nur die Behauptung auf, dass es in Oberhausen mehr Tuberkulose-Fälle gibt. Er äußert sich auch dazu, dass es einen Zusammenhang zu der vermehrten Flüchtlingsmigration in der Stadt gibt. Doch wie sieht die tatsächliche Faktenlage aus?
Foto: Agency Images DPA

Oberhausen. Es klingt besorgniserregend: In Sozialen Medien kursiert das Gerücht, dass in Oberhausen immer mehr Menschen an Tuberkulose erkranken. Grund für die Ausbreitung der gefährlichen bakteriellen Infektionskrankheit: Flüchtlinge - so jedenfalls die Behauptung, die immer wieder verbreitet wird.

Was ist dran an dem Gerücht?

Das Gesundheitsamt der Stadt Oberhausen erklärt die aktuelle Situation.

Grundsätzlich gilt: Jeder zweite Mensch trägt den Erreger in sich. In Industrieländern mit guter Gesundheitsversorgung bricht die Krankheit allerdings nur selten aus und wird schnell behandelt, so das Gesundheitsamt.

Hohe Infektionsgefahr in Schwellen- und Entwicklungsländern

In Schwellenländern hingegen sei die Infektionsgefahr deutlich höher, erklärt das Gesundheitsamt zur internationalen Situation.

In weniger gut entwickelten Ländern, in welchen die Infektionskrankheit häufiger vorkomme, gehe man außerdem anders mit der Erkrankung um. Die Symptome seien Patienten häufig unbekannt.

Schlechte gesundheitliche Aufklärung in Entwicklungsländern

Oft würden die Symptome der Tuberkulose gerade in Entwicklungsländern zu spät erkannt und die Krankheit dann nicht schnell genug behandelt.

Manche Migranten würden die Symptome auch in Deutschland häufig nicht schnell genug als solche erkennen und zunächst nur für eine starke Grippe halten.

„Langanhaltender Husten mit Auswurf über Wochen ist ein klassisches Symptom für Tuberkulose und sollte schnellstens behandelt werden“, so der Leiter des Gesundheitsamts Dieter Weber.

2015: Zunächst Anstieg von Tuberkulose-Neuerkrankungen

Zu Tuberkulose-Erkrankungen in Deutschland gibt es klar nachvollziehbare Zahlen. Denn die hochansteckende Krankheit ist meldepflichtig.

Tatsächlich gab es in der jüngeren Vergangenheit einen Anstieg an Tuberkulose-Neuerkrankungen in Oberhausen, wie die Stadt gegenüber DER WESTEN mitteilt.

Das erste Mal stieg die Zahl 2015 deutlich an. In Oberhausen gab es nach Angaben des Robert-Koch-Instituts 17 Fälle von Neuerkrankungen, ebenso 2016. „Davor hatte die Zahl der Neuerkrankungen jahrelang stagniert. Die Zunahme war also deutlich zu erkennen“, so Stadtsprecher Frank Helling.

Der Grund: Alle in Oberhausen ankommenden Asylsuchenden mussten sich einer gesetzlich vorgeschriebenen Untersuchung unterziehen. Dabei wurde bei manchen Tuberkulose festgestellt.

Viele der Flüchtlinge wurden in diesem Zeitraum nach den Untersuchungen weiter in andere Städte verteilt: Insgesamt ist die Zahl der Tuberkulosefälle also nicht dauerhaft in Oberhausen angestiegen.

Starker Rückgang der Fälle seit 2017

Im Jahr 2016 blieben die Zahlen der Fälle in der Stadt beinahe unverändert und 2017 wurden lediglich 15 neue Fälle beim Gesundheitsamt registriert.

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Aktuell Infizierte leben schon lange in Oberhausen

Für das Jahr 2018 vermeldet die Stadt Oberhausen einen weiteren Rückgang. Bis zur 33. Kalenderwoche zählt das Gesundheitsamt noch 13 Tuberkulose-Erkrankungen.

„Bei den diesjährigen Patienten haben die meisten einen Migrationshintergrund, leben teilweise jedoch schon lange in Oberhausen, sodass wir hier nicht von einer Zunahme der Neuerkrankungen durch Flüchtlinge alleine ausgehen“, so Stadtsprecher Frank Helling abschließend gegenüber DER WESTEN.

 
 

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