Trickdiebinnen klauen Trinkgelder-Sparbüchsen in Oberhausen

Barbara Hoynacki
In Sterkrade stahlen Trickdiebe die Sparbüchsen der Angestellten eines Kosmetikinstitutes und eines Reisebüros. (v.l.) Miriam Schneider, Jasminka Braun (Kosmetik Grandezza) sowie Sabine Bruss-Kühnapfel und Kerstin Landgraf (Reisebüro) kauften nun neue. Ihr Ärger ist aber noch immer groß.
In Sterkrade stahlen Trickdiebe die Sparbüchsen der Angestellten eines Kosmetikinstitutes und eines Reisebüros. (v.l.) Miriam Schneider, Jasminka Braun (Kosmetik Grandezza) sowie Sabine Bruss-Kühnapfel und Kerstin Landgraf (Reisebüro) kauften nun neue. Ihr Ärger ist aber noch immer groß.
Foto: Tom Thöne/WAZFotoPool
Zwei Frauen ziehen derzeit durch Sterkrade, um Trinkgelder-Dosen mitgehen zu lassen. Einzeln gesehen ist das kein großer Betrag, doch was täglich insgesamt zusammen kommt, ist nicht zu verachten. Das große Problem ist, dass viele Ladenbesitzer den Diebstahl nicht anzeigen.

Oberhausen. Trickdiebstahl in Sterkrade: Gezielt scheinen zwei südländisch aussehende Frauen derzeit den Oberhausener Norden abzuklappern, um in Läden und Büros das Trinkgeld der Angestellten zu stehlen. Betroffene Geschäftsleute meldeten sich jetzt bei der WAZ, um andere Ladeninhaber zu warnen.

Mitte Juni hatte es das Kosmetikinstitut Grandezza an der Brandenburger Straße erwischt. Kosmetikerin Anastazija Kuncic erzählt: „Eine Woche vor dem Diebstahl war eine junge Frau bei uns, die nur gebrochen Deutsch sprach.“ Sie habe einen Termin für die Folgewoche abgemacht. „Doch zu dem vereinbarten Zeitpunkt erschien nicht sie, sondern zwei andere Frauen, die angeblich eine Creme kaufen wollten“, so die 24-Jährige.

Knapp 70 bis 80 Euro erbeutet

Natürlich verließen die Frauen das Geschäft, ohne etwas gekauft zu haben. Und es dauerte nicht lange, bis Anastazija Kuncic feststellte: „Die beiden Spardosen für das Trinkgeld der Angestellten, die auf der Theke an der Kasse gestanden hatten, waren weg.“ Knapp 70 bis 80 Euro hatten die Trickdiebinnen damit erbeutet.

Nur eine Woche später war das Stadt-Land-Graf-Reisebüro (Großer Markt) ganz in der Nähe des Kosmetikinstitutes an der Reihe. Auch diesmal wurden zwei südländisch aussehende Frauen aktiv. „Die eine war Mitte 20 und auffällig mit Goldschmuck behangen“, erzählt Kerstin Landgraf, Inhaberin des Reisebüros. Die andere sei Mitte 30 gewesen, habe ein Kopftuch getragen und sei wohl schwanger gewesen.

„Die Frauen sprachen schlecht Deutsch“, sagt Reiseverkehrskauffrau Sabine Bruss-Kühnapfel. Sie hätten angegeben, einen Flug nach Serbien buchen zu wollen. „Doch in der genannten Stadt gab es gar keinen Flughafen“, so Bruss-Kühn-apfel weiter. „Die Ältere meinte dann, sie würden mit einem Verwandten, der besser Deutsch sprechen könne, wiederkommen.“

Die Polizei wurde nicht gerufen

Wenige Minuten später bemerkten Landgraf und Bruss-Kühnapfel: „Unser Sparschwein mit den rund 50 Euro darin ist weg.“ Was Bruss-Kühnapfel besonders ärgert: „Wir hatten mit diesem Geld in der Weihnachtszeit eigentlich gemeinsam Essen gehen wollen, das aus Zeitgründen aber auf dieses Jahr verschoben.“

Anzeige haben übrigens weder die Mitarbeiterinnen des Kosmetikinstitutes noch des Reisebüros erstattet. „Ich war viel zu geschockt“, räumt Anastazija Kuncic von Grandezza ein. Und Kerstin Landgraf meint: „Diese Trickdiebe sind doch so schnell weg, wie sie gekommen sind – die hätte die Polizei eh nicht gefasst.“ Sie hätten jetzt nur von den Diebstählen berichtet, um andere Geschäftsleute zu warnen.

Anzeige in jedem Fall ratsam

Polizeisprecher Johannes Paus ist die Masche neu: „Trickdiebe, die sich auf das Trinkgeld der Angestellten spezialisiert haben, hatten wir meines Wissens in Oberhausen noch nicht.“ Bürodiebstähle, bei denen ein Dieb einen Angestellten ablenkt und ein zweiter schnell ein anderes Büro durchwühlt, die habe es aber schon häufiger gegeben.

Was Paus allerdings nicht nachvollziehen kann: „Dass die Geschäftsleute diese Diebstähle nicht angezeigt haben.“ Denn: „Was wir nicht wissen, können wir auch nicht bekämpfen.“ Ein solches Verhalten schöne zwar die Kriminalstatistik, helfe aber nicht, ähnliche Vorfälle zu verhindern. Paus betont: „Jede Anzeige ist auch deshalb wichtig, weil sie uns bei Serien wie dieser hilft, ein Bild vom Vorgehen der Täter zu erhalten.

Und weiter: „Können Sie sich vorstellen, wie gut man von 10 mal 20 Euro täglich lebt, die man mal eben mitgehen lässt – und denen niemand hinterher schreit?“ Ganz so leicht sollten es die Oberhausener diesen Banden wirklich nicht machen.