Trendwende nicht in Sicht

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Für viele Azubis gibt’s weiterhin höchstens befristete Übernahmen

Oberhausen.. Befristet oder unbefristet, das ist vor allem bei den jüngeren Arbeitnehmern oft die Frage. Laut Darstellung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeichnet sich in in Deutschland ein Trend zu längeren Laufzeiten von Arbeitsverträgen ab.

Die Linke Bundestagsfraktion hatte die Zahlen bei der Bundesregierung angefragt. Demnach befanden sich 2010 rund 788.000 Arbeitnehmer im Alter von 15- bis 24-Jährigen in einem befristeten Beschäftigungsverhältnis – dies entsprach einem Anteil von 57 Prozent an allen Neueinstellungen. 2011 sank dieser Anteil jedoch auf 41 Prozent. Henrike Greven, Geschäftsführerin des Verdi Bezirks Mülheim-Oberhausen, kann allerdings noch keine große Besserung auf dem Arbeitsmarkt, gerade für die Jüngeren, erkennen. „Ich sehe überhaupt keine Entspannung bei diesem Thema. Auszubildende werden häufig nur befristet übernommen, sobald sie ihren Abschluss haben.“

Hier will Henrike Greven einen besonderen Schwerpunkt setzen. „Wie wichtig uns das Thema der unbefristeten Übernahme von Azubis ist, sieht man an der aktuellen Tarifauseinandersetzung.“ Eine wichtige Baustelle sei auch bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung von Jugendlichen zu sehen. „Hier sehe ich einen weiteren Abbau“, so Greven. Diese Beobachtung deckt sich mit den Zahlen des IAB, wonach sich ihre Gesamtzahl bundesweit in den letzten zehn Jahren um 500.000 Stellen verringert hat.

„Ein Riesenproblem“

Ähnlich kritisch äußert sich auch Dieter Hillebrand, Vorsitzender der DGB-Region Mülheim, Essen und Oberhausen. „Ich bin da sehr vorsichtig von einer Trendwende zu sprechen.“ Eine Erhebung der DGB-Jugend habe erst kürzlich ergeben, dass ein Fünftel der Jugendlichen befristet beschäftigt sind. „Wenn man diesen Leuten die Perspektive nicht bietet, muss man sich auch über einen Fachkräftemangel nicht wundern.“ Gerade die massiv zurückgegangene Zahl an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zwischen 15- und 24 Jahren sei kein gutes Signal. „Das ist ein Riesenproblem“, findet Hillebrand vor allem beim Blick auf die Sozialsysteme. „Heute redet man, etwa bei der gesetzlichen Krankenversicherung, nur von riesigen Überschüssen. Das kann sich aber innerhalb kürzester Zeit, sollte die wirtschaftliche Entwicklung einen Dämpfer bekommen, umkehren.“

Ausweitung von Leiharbeit

Eine weiterer Punkt, der Dieter Hillebrand ärgert, ist die Ausdehnung der Leiharbeit. „Und die wird nicht nur bei Auftragsspitzen eingesetzt, sondern ist Normalität in den Betrieben. Die Jungen werden leider nicht unbefristet übernommen.“

Zudem kritisiert er die oft einseitige Darstellung von Wirtschaftsdaten. „Wir Gewerkschafter streiten uns bei der Interpretation solcher Zahlen oft mit der Politik. Von deren Seite wird dann etwa herausgestellt, dass wir soviel Beschäftigung wie noch nie haben. Uns sind aber andere Sachen wichtig – etwa, ob auch jeder von seiner Arbeit leben kann.“

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