Traditionsgeschäft in Oberhausen schließt

Für Stephanie Munschek-Kutsch (l.) und ihre Angestellte Rita Holbeck ist die Aufgabe des Geschäfts.eine traurige Angelegenheit.
Für Stephanie Munschek-Kutsch (l.) und ihre Angestellte Rita Holbeck ist die Aufgabe des Geschäfts.eine traurige Angelegenheit.
Foto: Funke Foto Services
Seit 50 Jahren gibt es Schreibwaren Munschek an der Lothringer Straße. Kundenrückgang und Billig-Konkurrenz. Am 1. Juni begann der Ausverkauf.

Oberhausen.. Wer das Schreibwaren- und Geschenkartikelgeschäft von Stephanie Munschek-Kutsch an der Lothringer Straße in Styrum betritt, wird nicht nur freundlich empfangen, sondern auch fachlich gut beraten – und das seit mehr als fünf Jahrzehnten.

Doch weder der Geschäftsinhaberin noch ihrer Angestellten Rita Holbeck ist zum Feiern zumute, im Gegenteil. „Wir werden schließen. Und zwar endgültig,“ sagt Munschek-Kutsch. Am Montag, 1. Juni, begann der Ausverkauf.

Ihr ganzes Leben hat sie hier verbracht, von klein auf den Eltern geholfen, die das Geschäft 1965 übernahmen. Die Entscheidung, es aufzugeben, die Tradition nicht fortzusetzen, nicht fortsetzen zu können, schmerzt sie. „Ich bin hier aufgewachsen, ich habe 1988 nach dem Abitur mit meiner Lehre hier begonnen, ich wohne gleich um die Ecke.“ Weil sie mit dem Stadtteil und seiner Geschichte so eng verbunden ist, hat sie die Glanzzeiten und den allmählichen Abstieg der Lothringer Straße hautnah miterlebt.

Verlust an Attraktivität

„Früher gab es hier in direkter Umgebung 70 Geschäfte, Dienstleister, Selbstständige, Firmen, die alle Mitglieder in der Styrumer Werbegemeinschaft waren und jedes Jahr im Sonderheft zum Styrumer Volksfest genannt wurden. Die Lothringer Straße war teilweise besser aufgestellt als die Marktstraße.“ Alles längst vorbei. Die Sparkasse schloss ihre Zweigstelle, die Post ebenfalls, Edeka gab den Lebensmittelladen auf, die Deutsche Bank zog aus, ein Bäcker machte dicht. Eine Entwicklung, die für Geschäfte, die durchhielten, nicht folgenlos blieb: „Die Straße hat in den letzten Jahren deutlich an Attraktivität verloren.“ Dies und die Konkurrenz der Discounter, Großgeschäfte und Internetanbieter zwingen sie nun zur Aufgabe. Die treue Stammkundschaft ist mit dem Geschäft älter geworden, neue Stammkunden wuchsen nicht nach. Eine fatale Entwicklung für den Handel generell. „Die Menschen kaufen woanders. Manche lassen sich bei uns beraten, aber gehen dann ins Internet und kaufen da. Oder sie sagen, bei euch kann man nicht vor der Tür parken, und fahren zu Einkaufszentren.“ Ihr Vater Herbert bedauert die Geschäftsaufgabe. „Er findet es sehr schade. Aber er sieht auch, dass es nicht mehr geht“, sagt Stephanie Munschek-Kutsch.

Wie es mit den Geschäftsräumen weitergeht, ob sich vielleicht doch eine andere Nutzung ergibt, weiß sie nicht. Auch ihre berufliche Zukunft ist unsicher. Dasselbe gilt für Rita Holbeck, die seit 25 Jahren angestellt ist. „Das war so schön hier“, sagt sie. Man merkt, dass es beiden schwer fällt, die Tränen zu unterdrücken.

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