Tiersammlerin hortete 80 Katzen und rund 100 Kaninchen und Meerschweinchen

Der Tierschutzverein - hier eine Helferin - nimmt Kaninchen auf und vermittelt sie weiter.
Der Tierschutzverein - hier eine Helferin - nimmt Kaninchen auf und vermittelt sie weiter.
Foto: WAZ FotoPool
Unter krankhafter Tiersammel-Sucht leidet eine Frau aus dem Ruhrgebiet, die mit 80 Katzen und 100 Kaninchen überfordert war. Sie holte sich Hilfe beim Tierschutzverein. Leider ist dies kein Einzelfall. Immer wieder werden Tiere in unpassender Umgebung gehortet. Jetzt suchen die Tiere ein neues Zuhause.

Oberhausen.. Mal waren es 48 halbverhungerte Katzen, vermutlich aus einem Haus am Kiesweg einfach ins Freie gesetzt, um die sich die Katzenhilfe Oberhausen kümmerte. Dann musste u.a. der Tierschutzverein Oberhausen plötzlich 350 Meerschweinchen unterbringen, alle aus einer Wohnung.

Und jetzt die Dame, die es tatsächlich nur gut gemeint haben soll. Die Tieren ein besseres Zuhause geben wollte, als sie es vorher hatten. Nur, dass die Frau plötzlich mit 80 Katzen, rund 100 Kaninchen und noch mal so vielen Meerschweinchen da stand. Ein Fall von Animal-Hoarding, der krankhaften Tiersammelsucht.

Hilfe gesucht

Im Gegensatz zu den meisten Menschen, die mit viel zu vielen Tieren leben, erkannte die Frau, dass es ihren Schützlingen nicht mehr gut ging. Sie suchte Hilfe. Nach und nach versuchen nun Tierschutzorganisationen, die Tiere weiter zu vermitteln. „Von Animal-Hoarding bei Kleintieren hört man nicht so oft“, sagt Petra Barth, Vorsitzende des Tierschutzvereines. Sie vermutet eine hohe Dunkelziffer und schätzt, dass es bei Katzen eher auffällt wegen des Geruchs und Geschreis als bei Meerschweinchen oder Kaninchen.

Völlig zerbissen

Doch die Kleintiere leiden nicht minder. Die Studentin Christina Budzynski hält seit 13 Jahren Meerschweinchen und hat eine Notstation für die Tiere eingerichtet. Sie erinnert sich nur ungern an den Anblick der Schweinchen der Frau. „Es waren größtenteils Böckchen, die sich eh nicht vertragen. Sie waren völlig zerbissen“, sagt sie. Die 25-Jährige übernimmt vom Tierschutzverein Schweinchen auch aus dieser schlechten Haltung. Im Moment stehen vier kastrierte Böckchen zur Vermittlung. „Man sollte immer ein Böckchen mit Weibchen vergesellschaften niemals Böckchen zusammenhalten, besonders nie Meerschweinchen und Kaninchen“, rät sie.

Im Garten der Budzynskis ist ein Meerschweinchen-Paradies entstanden. In einem großen Gehege hält die Oberhausenerin ihre eigenen 27 Tiere. Ein ganzes Häuschen-Dorf bietet Unterschlupfmöglichkeiten. „Die Häuser kommen aus der Schweiz von Nager-Immobilien“, erzählt Christina Budzynski. Für ältere Schweinchen, so ab sechs Jahren, gibt es ein Seniorengehege. Und noch mal Unterkünfte für Tiere, die zur Vermittlung stehen oder Urlaubsgäste.

Tiere suchen ein neues Zuhause

Wenn die 25-Jährige erzählt, merkt man schnell: Viele halten ihre Schweinchen falsch. So sind es reine Beobachtungs- keine Kuscheltiere, auch wenn sie selbst Kuschelsäcke lieben. Pro Tier braucht es als absolutes Minimum einen halben Quadratmeter Platz auf einer Etage. Schweinchen brauchen Häuschen mit zwei Eingängen und immer Heu, um die Zähne abzuraspeln. Nur wenig Trockenfutter und das ohne Getreideanteil. An Grünfutter-Sorten sollte man sie langsam gewöhnen.

Als die 25-Jährige mit einem Korb voll mit Fenchel, Paprika oder Tomaten ins Gehege geht, laufen ihr die Tiere laut pfeifend entgegen. Übrigens werden alle einmal pro Woche gewogen. Wer abnimmt, könnte krank sein. Und dann heißt es, einen Tierarzt mit Meerschweinchen-Erfahrung zu finden. Christina Budzynski ist da mit Kerstin Büttner sehr zufrieden: „Sie hat richtig viel Ahnung.“

Während sich Christina Budzynski um die Meerschweinchen kümmert, konzentriert sich Martina Heim, Mitglied im Tierschutzverein, auf Kaninchen. Im Garten des Heims steht ein kleines Häuschen mit Freilaufmöglichkeit für die Tiere. Martina Heim hofft, möglichst bald kleine Langohren, die sie nach und nach von der überforderten Halterin übernimmt, vermitteln zu können. Die Tiere haben sich bei ihr erholt und sehen jetzt bestens aus.

„Auch für Kaninchen gilt: Nie alleine halten. Es vertragen sich nicht alle“, sagt Martina Heim. Und: „Schön wäre es, wenn sie in der Wohnung frei laufen könnten.“ Manche gehen sogar auf die Katzentoilette. Sie brauchen immer Heu. Auch sie sind nicht unbedingt Streicheltiere. Heim: „Wenn man ihnen aber Zeit lässt, Vertrauen zu fassen, kann es doch sein, dass sie auf den Schoß kommen.“

Neues Zuhause gesucht

Wer gerne Kaninchen oder Meerschweinchen aufnehmen möchte, kann sich bei Petra Barth, der Vorsitzenden des Tierschutzvereines melden, 0177-464 31 55. Oder bei Christina Budzynski, 0177-795 11 98.

Nur mit Schutzvertrag und gegen eine Schutzgebühr werden die Tiere abgegeben. Kaninchen: 20 Euro. Meerschweinchenweibchen: 20 Euro, ein kastrierter Bock: 35 Euro.

Die Tiere werden nicht einfach abgegeben, sondern von Martina Heim oder Christina Budzynski in ihr neues Zuhause gebracht.

 

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