Taxibranche in Oberhausen klagt über Mindestlohn

Sezgin Onur hat ein Taxiunternehmen auf der Fahnhorststraße in Osterfeld.
Sezgin Onur hat ein Taxiunternehmen auf der Fahnhorststraße in Osterfeld.
Foto: Ulla Emig/ FUNKE Foto Services
Die Einführung des Mindestlohns bereitet auch der Taxi-Branche in Oberhausen große Probleme. Das sagt Sezgin Onur, der ein Taxi-Unternehmen in Osterfeld betreibt.

Oberhausen.. Die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns zum 1. Januar bereitet dem Taxi-Gewerbe große Schwierigkeiten. Das jedenfalls sagt Sezgen Onur (33), der mit seinem Bruder ein größeres Taxiunternehmen in Osterfeld betreibt. Die geplante Erhöhung der Taxi-Tarife ab März kommt aus seiner Sicht, aber auch aus der des CDU-Ratsherrn Saadettin Tüzün, zwei Monate zu spät.

„Wir haben in unserem Unternehmen bislang einen Stundenlohn von fünf bis sechs Euro brutto gezahlt“, sagt Onur. Allein die Anhebung von sechs auf 8,50 Euro, den gesetzlichen Mindestlohn eben, bedeute einen Anstieg um über 40 Prozent. Selbst die beabsichtigte Anhebung der Tarife gleiche das nur zum Teil aus.

Tariferhöhung kommt zu spät

Der Rat soll am 9. Februar eine Erhöhung des Grundtarifs von 2,60 Euro auf drei Euro beschließen – ein Plus von gut 15 Prozent. Außerdem soll der Kilometerpreis werktags von 1,60 Euro auf zwei Euro steigen, also um 25 Prozent, nachts und an Feiertagen von 1,70 Euro auf 2,10 Euro (plus 23,5 Prozent). „Die Anhebung kommt viel zu spät“, kritisiert CDU-Ratsherr Tüzün. In der Nachbarstadt Essen ist sie seit 10. Januar in Kraft. In Oberhausen müsse das für die Branche sehr einträgliche Karnevalsgeschäft dagegen noch zu den alten Tarifen durchgeführt werden.

„Der Kostenanstieg durch den Mindestlohn ist es ja nicht allein“, gibt Taxiunternehmer Onur zu bedenken. Die anteiligen Sozialabgaben würden ja auch höher. Die größeren Taxibetreiber hätten ihren Betrieb umstrukturieren müssen. „Wenn wir früher einen zusätzlichen Wagen Samstagabend ab 20 Uhr laufen ließen, wird er künftig erst ab 22 Uhr eingesetzt.“ Früher hätte noch ein Einsteiger pro Stunde genügt, um wenigstens die Kosten hereinzufahren. Das rechne sich nicht mehr. Die Folge: Vereinzelt habe man sich von Fahrern trennen müssen. Im Übrigen seien die Rahmenbedingungen für die Branche schon seit Jahren nicht gut. Man könne es daran erkennen, dass immer mehr Un­ternehmen auf die Autos mit dem Stern verzichteten. Speziell für Oberhausen gelte: „Hier ist doch abends nichts mehr los.“ Seit Jahren sei die Gastronomie auf dem Rückzug. Erst kürzlich habe auch noch die Großdisco Adiamo im Centro dicht gemacht. Das spüre die Branche sofort. „So richtig wird man die Auswirkungen des Mindestlohns erst im Mai absehen können“, sagt Sezgen Onur. Der Geschäftsverlauf in seiner Branche sei nicht vorhersehbar. Auf jeden Fall nehme der Konkurrenzkampf zu. Womöglich gingen weitere Jobs verloren.

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