Tauben zeigen sich hartnäckig

Kletteraktion zur Tauben-Umsiedlung: Nadine Sommer vom Oberhausener Tierschutzverein steigt auf eine Leiter, um eine Taubenfalle zu installieren.
Kletteraktion zur Tauben-Umsiedlung: Nadine Sommer vom Oberhausener Tierschutzverein steigt auf eine Leiter, um eine Taubenfalle zu installieren.
Foto: Tom Thöne / WAZ FotoPool
Einfach einfangen lassen wollen sich die zutraulichen Vögel am Bahnhof nicht.Tierschützer bleiben aber dran. Tauben sollen als Lockvögel weitere anziehen.

Oberhausen. Ganz schön schlau: Mit langstieligen Keschern versuchen Tierschützer die Tauben im Bahnhof einzufangen, doch die fliegen einfach hoch bis unter die Decke und äugen misstrauisch auf die Fänger. Keine Chance für Michaela Flötgen, Petra Barth und ihre ehrenamtlichen Helfer, auch mit kerniger Lieblingsspeise lassen sich die Tiere nicht aus der Höhe locken. Jetzt müssen Leitern und Gerüst ran.

Die Pendler in der Halle des Hauptbahnhofs sind meist viel zu beschäftigt, um dem Treiben der Tierfreunde zuzuschauen. Eine Oberhausenerin findet’s aber gut, wenn nun die Tauben aus dem Bahnhof in ein eigenes Taubenhaus ausquartiert werden: „Wenn sie hier in den Ecken versuchen zu nisten, können sie sich an den Stacheln verletzen.“ Ein Geschäftsmann findet hingegen: „Das bringt nix. Die kommen doch eh wieder.“

Taubenfrage polarisiert

Possierliche Vögel oder Ratten der Lüfte – die Taubenfrage polarisiert. Nicht viele haben dem Taubenhaus-Projekt der grünen Ratsfrau Michaela Flötgen eine Chance geben wollen. Manche Politiker belächelten die „Taubenfrau“. „Gibt’s nichts wichtigeres?“, erntete sie Kopfschütteln für eine in den Städten zunehmende Problematik.

Vier Jahre hat sie um das Taubenhaus auf dem Parkhausdach an der Linsing­enstraße kämpfen müssen. „Ich bin hartnäckig und in die Politik gegangen, um etwas Konkretes umzusetzen“, sagt Flötgen. Etwa 30 Tauben haben dort bereits ein Zuhause, Platz für 200 wäre aber vorhanden. „Wir brauchen ,Locktauben’, damit noch mehr Tauben kommen“, erläutert die Grüne.

Schafft man es, die Vögel über einen längeren Zeitraum am Ort zu halten, bleiben sie nicht nur dort, sondern ziehen weitere Tauben an – und damit von unliebsamen Plätzen weg. Und man kann dort auch ihre Population kontrollieren, Eier gegen Gipseier austauschen.

Massive Widerstände

An diesem Dienstagmittag ist die Ausbeute zunächst noch nicht groß: Sechs Eier haben die Tierschützer ergattert, Tauben gingen vorerst nicht ins Netz. „Es ist doch klar, dass wir jetzt dran bleiben und solche Aktionen regelmäßig durchführen müssen“, lässt sich Flötgen nicht entmutigen. Mit der Leitung im Hauptbahnhof sei dies bereits abgestimmt.

Die Grüne weiß aber auch, dass sie nun unter besonderer Beobachtung jener Politiker steht, denen ein Taubenhaus nicht passte. In Sterkrade soll es massive Widerstände gegeben haben, obwohl Flötgen dort sogar eine tatkräftige Sponsorin kennt, die ein Taubenhaus finanziell umsetzen könnte. Doch bisher hieß es offiziell: „Es gibt für so ein Haus keinen Platz.“

„Ideal wäre dafür das EVO-Gelände am Sterkrader-Bahnhof“, überlegt Flötgen. Das aber ist Zukunftsmusik, erst noch muss sich das Projekt in Alt-Oberhausen bewähren.

 
 

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