Tastendonner kraftvoll umgesetzt

Dirigent Péter Halász hat mit seinem Orchester alles gegeben.
Dirigent Péter Halász hat mit seinem Orchester alles gegeben.

Oberhausen.. Graue Haare für den Veranstalter: Wenige Tage vor dem geplanten Auftritt im Rahmen der Oberhausener Sinfoniekonzerte musste der italienische Pianist Fabio Bidini wegen einer Verletzung der linken Hand absagen. Kurzfristig einen Ersatz zu finden, jemanden, der Rachmaninows 3. Klavierkonzert gerade konzertreif „drauf“ und noch einen weißen Fleck im Terminkalender hat, ist natürlich alles andere als ein Kinderspiel. Die erste Reihe der Tastenelite fällt eh aus, und bei der zweiten Garnitur, da wachsen die, die mit den technischen Gemeinheiten des Stücks fertig werden, nicht gerade an Bäumen.

Die Nordwestdeutsche Philharmonie und der Dirigent des Abends, Péter Halász, präsentierten im 3. Sinfoniekonzert mit Shani Lahav einen jungen Mann, Ende zwanzig, der sich zurzeit an der Berliner Musikhochschule Hanns Eisler parallel zum Dirigenten und Pianisten ausbilden lässt. Dass sich bei so kurzfristiger Übernahme des Soloparts geringfügige Unstimmigkeiten im Zusammenwirken mit dem Orchester nicht ganz vermeiden lassen, versteht sich von selbst. Aber die hielten sich in engen Grenzen. Spektakulär dagegen, mit welcher pianistischen Souveränität die vielen kleinen Nickeligkeiten der Partitur gemeistert wurden. Oktavkaskaden und ähnlicher Tastendonner, alles war mit irrwitziger Geschwindigkeit kraftvoll umgesetzt, ohne dass darüber die lyrischen Kontraste vernachlässigt worden wären: Die seelischen Tiefen dieses sinfonischsten aller Rachmaninow-Konzerte waren nachhaltig ausgelotet. Der Applaus fiel durchaus stürmisch aus, aber zu einer Zugabe ließ sich der Solist nicht hinreißen.

Nach diesem überaus beliebten Werk stand eine der polulärsten Kompositionen der klassischen Musik auf dem Programm: Beethovens 5. Sinfonie war in einer vom ersten bis zum letzten Takt spannungsgeladenen Wiedergabe zu hören, auf dieser Ebene geradezu mustergültig. Es war ein Triumph des Liveerlebnisses: Keine noch so highendige HiFi-Anlage kann mit vergleichbarer Intensität einen Eindruck von Beethovens immer wieder überwältigenden Materialentscheidungen vermitteln. Um so unverständlicher, dass der Schlussbeifall eher mau ausfiel. Die Nordwestdeutsche Philharmonie und Péter Halász jedenfalls hatten alles gegeben, auf spielerisch hohem Niveau und mit sehr viel Herzblut.

 
 

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