Streit um Handy-Verbot an Oberhausener Kliniken

Viele Oberhausener ärgern sich über das Handy-Verbot in einigen Krankenhäusern ihrer Stadt. Foto: Gerd Wallhorn
Viele Oberhausener ärgern sich über das Handy-Verbot in einigen Krankenhäusern ihrer Stadt. Foto: Gerd Wallhorn
Foto: WAZ
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft hat den Kliniken ein Handy-Verbot freigestellt. Während einige Kliniken in Oberhausen auf das Verbot verzichten, machen andere davon Gebrauch. Viele Patienten ärgern sich darüber und fühlen sich abgezockt.

Oberhausen.. Telefonieren mit dem Handy ist in den meisten Oberhausener Krankenhäusern immer noch nicht erlaubt. Die Klinikleitungen behaupten, Mobiltelefone störten ihre Diagnose- und Therapiegeräte; Patienten sprechen dagegen von Abzockerei der Hospitäler.

Denn die Nutzung der Festnetztelefone am Krankenbett ist relativ teuer, wie jüngst ein WAZ-Bericht aufzeigte.

Dieser Artikel ließ die Empörung von Oberhausenern über das Geschäftsgebaren ihrer Kliniken hochkochen: Sie verwiesen auf Studien, die die Strahlung mobiler Telefone für medizinische Geräte als ungefährlich einstufen.

Doch ein einheitliches Ja oder Nein zum Handy gibt es der Krankenhaus-Szene dieser Stadt nicht: In manchen Kliniken darf man sein Mobiltelefon nahezu überall nutzen, in anderen ist es nicht einmal in der Cafeteria erlaubt.

Überall verboten

Das St.-Clemens-Hospital in Sterkrade verbietet den Gebrauch von Mobiltelefonen überall im Krankenhaus. Prokurist Heinz Rosenkranz verweist auf ein Schreiben der Deutschen Krankenhausgesellschaft, das auf den Einfluss der Handystrahlung auf medizinische Geräte hinweist - die Wahl zum Verbot aber freistellt. „Wir riskieren lieber nichts. Der Strahlenwert der Handys könnte die empfindlichen Geräte stören.“

Nicht einmal den Besuchern sei es gestattet, in der Cafeteria das Handy zu benutzen. „Auch dort trifft man auf Patienten, die medizinische Geräte bei sich haben, etwa weil sie ein Langzeit-EKG machen“, sagt Rosenkranz.

Gabriele Beyer, Sprecherin des Johanniter Krankenhauses in Sterkrade, sieht in dem Gebrauch eines Handys noch ein weiteres Problem: „Unsere Patienten könnten sich durch den Klingelton des Handys gestört fühlen“, sagt Beyer.

Im Garten gestattet

Auch Patienten der Katholischen Kliniken (KKO), zu denen das St.-Josef- und das St.-Marienhospital gehören, dürfen im Gebäude selbst nicht mit dem Handy telefonieren - dafür müssten sie in den Garten gehen.

Doch es gibt in Oberhausen auch Krankenhäuser, in denen es erlaubt ist, mobil zu telefonieren. Sowohl die private Helios-St.-Elisabeth-Klinik als auch das Evangelische Krankenhaus (EKO) betrachten die Handynutzung gelassen. „Alle Verbotsschilder wurden abgenommen“, sagt Lesley Hirt, Sprecherin des EKO. „Wir halten dieses Verbot für längst überholt.“ Ausnahmen gelten allerdings für Kathedermessplätze, im Operationsbereich und auf der Intensivstation.

Kein klares Verbot aussprechen

Vereinheitlichen könnte dieses Wirrwarr die Krankenhausgesellschaft, doch ein klares Verbot wolle man nicht aussprechen, sagt Sprecher Holger Mages: „Wir sind zwar für das Verbot des Mobiltelefons, es gibt aber einige strittige Bereiche, in denen wir es den Krankenhäusern selbst überlassen, ob sie das Handy erlauben.“ Im Operationssaal sei das Telefonieren strikt untersagt. „Dort stehen hochsensible Geräte, Handys könnten Messwerte verzerren.“

Eine andere Sprache sprechen die Ergebnisse des US-Forschers Jeffrey Tri: Er hat 2007 an der Mayo Clinic in Minnesota über 300 Tests an 192 Medizingeräten durchgeführt. Sein Fazit: Die Strahlung eines Handys bedeutet keine Gefahr für medizinische Geräte - auch nicht für Beobachtungsmonitore oder Infusionspumpen auf Intensivstationen. Ähnliche Ergebnisse lieferte auch eine Studie des Instituts für Medizintechnik der Uni Gießen vor elf Jahren.

 
 

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