Stargeiger inszeniert sich vorwiegend selbst

David Garrett in der Kö-Pi-Arena.
David Garrett in der Kö-Pi-Arena.
Foto: WAZ FotoPool
Er gibt sich als einer, den man sich als Schwiegersohn wünscht, nett, modern aber nicht übertrieben, ein bisschen rebellisch, freundlich, höflich, Familienmensch. Und er geigt unglaublich rasant und schnell, stehend, sitzend, laufend, schwebend: David Garrett beglückte in der Köpi-Arena knapp 9000 Zuhörer mit seinem neuen Programm „Rock Hymnen“.

Oberhausen. Den wirklich beeindruckenden Klangteppich für den Star lieferten seine exzellente Electric Band und das hochkarätige Orchester Neue Philharmonie Frankfurt. Das Publikum, geschätztes Alter zwischen acht und 90, erlebte eine technisch unglaublich aufwendige Selbst-Inszenierung, die Garrett als „Gesamtkunstwerk“ verstanden und erlebt wissen will. So jedenfalls steht’s im Show-Programm, und dass er sich an Wagner orientiert habe, als er das Konzept entwarf.

„Den Alltag vergessen und sich der Illusion ganz hingeben“ sollen die Zuhörer, auch die Zeit vergessen, denn: Die Stars der Hymnen, die Garrett geigentauglich arrangiert serviert, können ebenso Beethoven oder Vivaldi heißen wie Beatles, Kurt Cobain oder Queen.

Garret liebt einfach alles, Klassik, Rock, Pop, Punk, Jazz, ja sogar irische Volksmusik und Techno und scheut sich auch nicht, Stile zu vermischen. Doch eigentlich will er uns nur beweisen, dass wir keine Angst vor klassischer Musik haben müssen. „Ihr trefft auch alte Bekannte aus den Symphonies“.

Ader für Kitsch und Retro

„Alles, auch Klassik ist cool, wenn ich für euch spiele“, ist als Botschaft ja in Ordnung. Doch leider ist in der Show die Person Garrett mindestens ebenso wichtig wie die Musik, weshalb er es einfach nicht lassen kann, völlig überflüssige Dönnekes aus seinem Leben zu erzählen. Außerdem hat er eine ausgeprägte Ader für Retro und Kitsch oder – was noch schlimmer ist – er unterstellt den Zuhörern, dass sie sowas mögen: Während „Yesterday“ erklingt, öffnet sich auf der Leinwand das Familienalbum und zeigt Fotos von Garrett als Baby, Kleinkind, Kind mit säuberlich aufgeklebten Jahreszahlen. Die Krönung: Garrett erfüllt sich den Jungentraum, einmal Bond zu sein. Wie er sich in der Rolle macht, wird vorgeführt, während der Soundtrack zum Film gespielt wird.

Obwohl er es liebt, vor großem Publikum zu agieren, beweist Garrett auch, dass es etwas Besonderes ist, nur eine Person musikalisch zu beglücken. Zuschauerin Julia darf, mit dem geigenden Star auf der Couch sitzend, einen Song lang Garretts Angebetete mimen. Süß.

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