Stadt richtet Notunterkunft ein

Die Prognosen für 2015 sind schon Mitte Februar Makulatur: Von 470 Flüchtlingszuweisungen nach Oberhausen war man noch vor kurzem ausgegangen, inzwischen wird geschätzt, dass bis zum Jahresende möglicherweise rund 700 Zuflucht suchende Menschen untergebracht werden müssen. Und die kritische Lage auf dem Kosovo könnte noch weitere Herausforderungen bringen. „Die überörtlichen Entwicklungen haben Oberhausen erreicht. Unsere Kapazitäten sind erschöpft“, sagt Sozialdezernentin Elke Münich: „Wir bereiten uns auf die Einrichtung einer Notunterkunft vor.“ Mit Hochdruck wird derzeit daran gearbeitet, die ehemalige Tackenberg-Grundschule als Gemeinschaftsunterkunft auf Zeit herzurichten. Schon Ende nächster Woche soll sie teilweise bezugsfähig sein.

Um dauerhaften Wohnraum zuschaffen, braucht es mehr Vorlauf

Rund 1000 Flüchtlinge leben derzeit in der Stadt, 700 von ihnen in Gemeinschaftsunterkünften, 300 in privatem Wohnraum. Allein 53 Zuweisungen gab es in der vergangenen Woche, bis nächsten Montag werden noch 16 hinzukommen. „Um dauerhaften Wohnraum für die Menschen, die sich zu uns flüchten, schaffen zu können, brauchen wir mehr Vorlauf als es in der Kürze der Zeit möglich ist. Wir brauchen aber bis zum Sommer schon mindestens 200 weitere Plätze in Gemeinschaftsunterkünften, bis Jahresende bestimmt 400“, sagt Münich. Deshalb komme man nicht umhin, eine Notunterkunft einzurichten. Zusätzlich wurden bereits Monteurswohnungen an zwei Standorten angemietet. Parallel dazu wird auch eine Unterbringung in Hotels geprüft und auch die Anmietung von privatem Wohnraum soll noch verstärkt werden.

Insgesamt habe die Stadt 32 Standorte zur Unterbringung von Flüchtlingen geprüft – im Hinblick auf die Voraussetzungen, auf das Umfeld und die soziale Struktur des Stadtteils. „Alle Kriterien zu erfüllen, die wünschenswert wären, ist in unserem Stadtgebiet sehr schwierig“, erklärt Jürgen Schmidt, als Dezernent auch für die städtischen Immobilien zuständig. Sechs Standorte seien bislang übrig geblieben. Nennen wollen die Verantwortlichen sie allerdings erst, wenn auch die letzten Prüfungen abgeschlossen seien – zu oft habe es in letzter Minute doch noch Hindernisse gegeben, die eine Nutzung unmöglich machten.

Abriss von Haus A an der Weierstraße verzögert sich

„Aber wenn sich alle diese Standorte realisieren lassen, könnten wir damit bis Jahresende 400 weitere Plätze schaffen“, stellt Münich in Aussicht. Dann wolle man die Tackenbergschule wieder leerziehen und – wie geplant – das Gelände für Wohnbebauung veräußern. Aber derzeit sei sie die beste Möglichkeit – und sofort verfügbar. Solange es keinen Ausweichstandort gibt, kann auch das heruntergekommene Haus A an der Weierstraße nicht abgerissen werden. Erschwerend kommt hinzu, dass der zweite Bauabschnitt an der Bahnstraße witterungsbedingt noch nicht fertiggestellt werden konnte. Erst Anfang März wird er mit 60 Plätzen für Entspannung sorgen.

Oberbürgermeister Klaus Wehling wird sich heute mit Geschäftsführern von im Stadtgebiet tätigen Wohnungsbaugesellschaften zusammensetzen, um mit ihnen weitere Möglichkeiten auszuloten, Flüchtlinge dauerhaft angemessen unterbringen zu können.

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