Stadt Oberhausen sichert sich Billigzinsen für Jahre

Im Rathaus hat man
Im Rathaus hat man
Foto: NRZ
Kämmerei muss für 30 Jahre Kreditlaufzeit nur 1,6 Prozent zahlen. Kurzfristig werfen Banken Oberhausen sogar Geld kostenlos hinterher.

Oberhausen.. Die historisch einmalig niedrige Niedrigzinsphase erbost alle Sparer, lässt aber die Herzen der Kämmerer von Städten mit vielen Darlehen höher schlagen.

Die mit 1,86 Milliarden Euro völlig überschuldete Stadt Oberhausen versucht mit allen Mitteln, sich die extreme Mini-Zinsphase über mehrere Jahrzehnte hinweg zunutze zu machen. „Die derzeitige Zinslage war vor kurzem noch unvorstellbar. Wir möchten möglichst viel Geld zu den aktuell niedrigen Zinsen für die Zukunft sichern – so viel, wie es eben geht“, sagt Stadtkämmerer Apostolos Tsalastras.

Keine Zinsen für Tagesgeschäfte

Nur: Das Land erlaubt den Kommunen nur bis zu einem bestimmten Prozentsatz aller Darlehen eine sehr langfristige Bindung. „Diese Quote haben wir komplett ausgeschöpft.“ Das Engagement der Finanzabteilung im Rathaus, alte auslaufende, teure Kredite durch Billigzinsdarlehen auszutauschen, zahlt sich aus: Trotz steigender Verschuldung sinkt der Zinsaufwand – von 63 Millionen Euro 2008 auf 39 Millionen Euro 2014 und 36 Millionen Euro 2015. Innerhalb von acht Jahren sparte Oberhausen so 43 Prozent an Zinskosten ein, absolut 27 Millionen Euro.

Am meisten Geld sparen würde die Stadt, wenn sie alle Gelder nur noch mit täglich veränderbarem Zinssatz einkaufen würde. „Für solche Tagesgeschäfte müssen wir derzeit keine Zinsen mehr zahlen. Der Zinssatz zieht dann aber mit längerer Zinsbindung an. Für 30 Jahre fester Laufzeit müssen wir derzeit aber auch nur 1,6 Prozent zahlen.“

Genügend billiges Geld

Selbst für so hoch verschuldete Kommunen wie Oberhausen besteht derzeit keine Schwierigkeit, an genügend billiges Geld zu kommen. „Geld ist genug auf dem Markt, für das sichere Investitionen gesucht werden“, sagt Tsalastras. Man versuche jetzt nicht über Tagesgeschäfte den höchstmöglichen Gewinn für die Stadt mit Nullzinszahlung zu erreichen, sondern sich langfristig abzusichern. „Sonst würden wir nachfolgenden Generationen ein hohes Zinsänderungsrisiko überlassen.“ Sein Vorgänger Bernhard Elsemann hat mal errechnet: „Steigen die Zinsen nur um ein Prozent, kostet das zwölf Millionen. Damit könnte man 250 Leute ein Jahr lang beschäftigen!“

Die Stadt setzt bisher bei der Zinsabsicherung auf Kredite und Schuldscheindarlehen – und verzichtet bisher darauf, selbst Anleihen für Investoren herauszugeben, wie es die Stadt Bochum zuletzt getan hat. Deren Zehn-Jahres-Anleihe mit einem Volumen von 115 Millionen Euro bringt Anlegern eine Verzinsung von einem Prozent. „Die Herausgabe von eigenen Anleihen ist für uns nur eine Option, die wir bisher noch nicht zu ziehen brauchen“, sagt Tsalastras.

 

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