Spielerisch die Sprache fördern

Lernen fürs Leben: In dem Stück „Irma hat so große Füße“ geht es um Ausgrenzung – und Selbstbewusstsein.
Lernen fürs Leben: In dem Stück „Irma hat so große Füße“ geht es um Ausgrenzung – und Selbstbewusstsein.
Foto: WAZ FotoPool
22 Kinder aus zehn verschiedenen Herkunftsländern nehmen an „Zonta“-Sprachcamp teil. Theateraufführung in der Concordia-Schule zum Abschluss der zweiwöchigen Ferienarbeit.

Oberhausen.. Der Applaus ist groß, als die insgesamt 22 Kinder aus zehn verschiedenen Herkunftsländern die letzten Worte ihres Theaterstücks sprechen. Stolze Eltern und Angehörige blicken in die geschminkten Gesichter der Kids, die sich auf der Bühne der Concordia-Schule in Alstaden zum Abschluss ordentlich für ihre Arbeit feiern lassen. In den ersten beiden Ferienwochen haben sie unter der Leitung von Schulsozialarbeitern im „Zonta-Sprachcamp“ geprobt, gespielt und gelesen. Am Ende haben sie das Bilderbuch „Irma hat so große Füße“ in ein zwölfminütiges Theaterstück umgewandelt.

Die Bilderbuch-Vorlage von Ingrid und Dieter Schubert beschäftigt sich vor allem mit der Problematik des Andersseins: Humorvoll und einfühlsam wird kindgerecht auf Diskriminierung und Ausgrenzung eingegangen. Doch es zeigt auch Verständnis für kulturelle Differenzen und menschliche Makel auf.

Selbstbewusstsein für den Alltag

Allerdings wurde nicht nur Textarbeit geleistet: In den zwei Wochen wurde auch intensiv die Aussprache gefördert. Lautes, deutliches und vor allem fehlerfreies Sprechen war für die Kinder, die meisten davon Zweitklässler, gefragt. Eine Vorbereitung nicht nur für die große Bühne, sondern auch für ein selbstbewusstes Auftreten im Alltag.

Eine herausfordernde Arbeit, wie Andrea Haan-Witte, Schulsozialarbeiterin bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo), erzählt: „Fast jedes Kind hier hat Sprachförderungsbedarf.“ Sie versuche, gerade durch freie und kreative Arbeit am Theaterstück Spaß an Sprache zu vermitteln. „Viele haben so eine intensive Betreuung noch nie erlebt. In Familien mit vielen Geschwisterkindern oder im Schulalltag kommt das oft zu kurz.“

Kinder müssen schon früh selbstständig sein

Ihr Kollege Florian Schnapka, ebenfalls Schulsozialarbeiter, verweist auf die Lage der Concordia-Schule: „Sie ist hier mitten in einem Einzugsgebiet für Kinder mit Migrationshintergrund.“ Diese müssten schon früh selbstständig sein: „Das geht schon morgens los. Sie müssen sich selbst den Wecker stellen, kommen meist ohne Frühstück und haben keinen geregelten Tagesablauf.“

Ein Mädchen habe Andrea Haan-Witte und Florian Schnapka erzählt, dass sie froh sei, in den Ferien mal etwas machen zu dürfen. Haan-Witte: „Andere haben einen großen Zettel ins Zimmer gehängt, der jeden Tag an das Sprachcamp erinnert. Es waren dann sogar alle da und pünktlich – das ist nicht selbstverständlich.“

Verträge laufen noch bis zum 31. Dezember

Während Haan-Wittes Stelle an der Concordia-Schule seit 2008 über die Stadt finanziert wird, muss Schnapka gemeinsam mit 23 anderen Schulsozialarbeiten aller Oberhausener Träger am Ende des Jahres um seinen Job fürchten. Hintergrund ist die auslaufende Förderung aus dem Bildungs- und Teilhabepaket. Noch bis zum 31. Dezember laufen die Verträge. Alle können nicht verlängert werden, wie Awo-Geschäftsführer Jochen Kamps sagt: „Hätten wir keine Spender, könnten wir nach Ablauf des Vertrages keinen übernehmen. Die Unterstützung von Sponsoren ermöglicht es uns, wenigstens einige Stellen für diese wichtige Arbeit zu halten.“

 
 

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