Spezialisten montieren neues Dach auf Metronom-Theater in Oberhausen

Die Vogelperspektive: Langsam kämpft sich die neue PVC-Membran an Seilwinden zum höchsten Punkt des Metronom-Theaters.
Die Vogelperspektive: Langsam kämpft sich die neue PVC-Membran an Seilwinden zum höchsten Punkt des Metronom-Theaters.
Foto: Stage Entertainment/Walden und Götzel
Schwindelfreie Fachmonteure steigen dem Metronom-Theater aufs Dach. Das erste Teilstück der 12,5 Tonnen schweren Membran hängt.

Oberhausen. Der frühe Vogel ist schon wach. Einige Möwen vom benachbarten Marina-Hafen beobachten am Mittwochmorgen ein seltsames Schauspiel vor dem Metronom-Theater.

Dass sich fleißige Arbeiter mit Bauhelmen und Handschuhen bewaffnet weit vor acht Uhr formieren, ist auch hier nichts, worüber man sich verwundert die Augen reibt. Diese zwölf Arbeiter aber steigen dem größten Gebäude in der Gegend kurzerhand aufs Dach. Die Montage der neuen silbernen PVC-Membran erfordert kletter-erprobte Fachkräfte. Schwindelfrei in 32 Metern Höhe, versteht sich. Mit den Möwen auf Augenhöhe: Monteure grüßt mir die Flieger!

Das Personal der Firma „Ceno Tech“ aus Greven wirkt vor dem mit Wolken bedeckten Himmel wie eine Mischung aus Bergsteigern und Astronauten. Gesichert an Seilwinden tasten sie sich behutsam zum Gipfel, dem höchsten Punkt des einem Drachenkopf nachempfundenen Daches. Bei den Schritten sinken sie leicht im weichen Untergrund ein. Kein Wunder. Unter der alten Membran befinden sich noch Schaumstoffmatten.

Membran verpackt wie ein Faltvogel

Die Arbeit in luftiger Höhe ist für die Monteure Routine. Doch das Anlegen der silbernen Membran, immerhin 6120 Quadratmeter und damit so groß wie ein Fußball-Feld, stellt selbst erfahrene Verpackungskünstler vor eine Herausforderung.

„Der Überzug muss an einem komplexen 3D-Gebilde sitzen, das keine gleich großen Parallelen besitzt“, erklärt der Architekt Detlef Rösch. Wer sich selbst schon einmal beim Verpacken einer Weinflasche in Geschenkpapier versucht hat, wird die Probleme erkennen. Hier ist es alles um ein Vielfaches größer. Und sollte länger halten. Bei Sturm und Wind. Und Regen sowieso.

Das Polyestergewebe wird wie ein Faltvogel entpackt: 13 Meter ist die Rolle bei der Anlieferung gerade einmal breit; sie wird dann nach und nach entrollt, bis die Folie stolze 100 Meter in der Breite misst. Auf engstem Raum ist das ein Kunststück. „Wir benutzen ja kein Papier“, sagt Architekt Rösch. „Ein Seitenteil der Membran wiegt viereinhalb Tonnen.“ Alle Teile addiert sind sogar 12,5 Tonnen schwer.

An mehreren Stahlseilen schleicht die Rolle die Seitenwände hinauf. Einige Stunden dauert dieser beschwerliche Aufstieg. Für die Facharbeiter ist das Konzentrationsarbeit, bei der ständig nachjustiert wird. Die Befestigung am Gipfel ist noch lockerer als bei der finalen Abnahme, damit die Neumembran noch leicht bewegt und die Altmembran hinterher entfernt werden kann. Das grüne Dach ist noch nicht verschwunden. Es wird erst entfernt, wenn die neue Haut sitzt.

Der erste Teil der Montage ist geglückt. Doch das Klettern geht weiter: In der kommenden Woche ist dann die Gegenseite dran.

 
 

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