Sozialarbeit bei Oberhausener Sexarbeiterinnen

Im Rotlichtmilieu an der Flaßhofstraße arbeiten rund 100 meist osteuropäische Prostituierte.
Im Rotlichtmilieu an der Flaßhofstraße arbeiten rund 100 meist osteuropäische Prostituierte.
Foto: WAZ FotoPool
Petra Jochheim vom Verein Solwodi kümmert sich um die Prostituierten. Sie hilft ihnen auch in Krisensituationen. Die Stadt finanziert die halbe Stelle.

Oberhausen.. Rund 100 Prostituierte arbeiten im Rotlichtviertel an der Flaßhofstraße. Der Verein Solwodi (Solidarität mit Frauen in Not) kümmert sich seit 2009 um sie, hilft ihnen in Krisen, bietet vielfältige Unterstützung an. Wegen fehlender Fördermittel war das in diesem Jahr nur sehr eingeschränkt möglich. Das hat sich geändert, ab sofort kümmert sich Petra Jochheim als Streetworkerin um die Belange der Frauen und sucht sie regelmäßig auf.

Vertrauen schaffen

Die halbe Stelle wird für dieses und das kommende Jahr von der Stadt finanziert. „Bis 2011 wurde die aufsuchende Arbeit im Bordellmilieu von der Aktion Mensch gefördert, danach gab der Verein Zonta jährlich Geld“, sagt Gleichstellungsbeauftragte Britta Costecki. Doch um einen regelmäßigen Kontakt zu halten, um Beratungen, Begleitungen zu Behörden oder zum Gesundheitsamt zu leisten, reichte das nicht aus. Das Land NRW lehnte eine Förderung ab. Nun sprang die Stadt ein, mit einmütiger Unterstützung der Lokalpolitik.

Petra Jochheim kennt sich in dem Bereich aus. Sie ist Rechtsanwältin und hat schon viele Frauen vor Gericht vertreten. Zwei-, dreimal die Woche wird sie in die Flaßhofstraße gehen, mit den Frauen reden, ihnen ihre Visitenkarte geben, Probleme besprechen. Solwodi ist dort zwar bekannt, aber zum einen wechseln die Frauen dort sehr häufig, zum anderen muss erst ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis geschaffen werden, um Offenheit und Gesprächsbereitschaft zu erreichen.

„Sicherlich werde ich den Frauen dort auch bei rechtlichen Fragen Auskunft und Hilfe geben können. Aber in erster Linie geht es um soziale Begleitung. Die Sozialarbeit steht im Vordergrund.“

Deren Bedeutung hebt auch Solwodi-Referentin Helga Tauch hervor, denn die Bandbreite der Probleme sei groß: Viele Prostituierte haben keine Krankenversicherung, andere sind schwanger oder wollen raus aus dem Job, wieder andere suchen eine Wohnung oder sind in einer Lebenskrise.

Herbert Lenhart vom zuständigen Kommissariat der Oberhausener Polizei unterstützt das Streetworker-Angebot ausdrücklich. „Institutionen wie Solwodi sind absolut erforderlich“, sagt er. „Wir bei der Polizei können keine Sozialarbeit leisten.“ Um so wichtiger sei die Arbeit von Petra Jochheim.

 
 

EURE FAVORITEN