So früh wie möglich unterstützen

Balance halten will geübt sein:  Frau Wilk behält Leons Fortschritte gut im Auge
Balance halten will geübt sein: Frau Wilk behält Leons Fortschritte gut im Auge
Foto: Fabian Strauch / FUNKE FotoServi
Das Frühförderzentrum an der Wilhelmstraße feiert fünfjähriges Bestehen. Es bietet Hilfe für Kinder mit Entwicklungsstörungen oder Behinderungen

Oberhausen.. Selbst wenn Eltern selbst schon den Verdacht hatten, dass sich ihr Sprössling deutlich langsamer oder anders entwickelt als gleichaltrige Kinder: Wenn der Kinderarzt eine Behinderung oder Entwicklungsstörung diagnostiziert, sind Eltern häufig erstmal extrem verunsichert und besorgt. Der ärztliche Rat, bald eine Frühförderstelle aufzusuchen, ist da der erste Schritt, um dem Kind die Unterstützung angedeihen zu lassen, die es braucht: Eine dieser Anlaufstellen gibt es seit jetzt fünf Jahren an der Wilhelmstraße in Sterkrade, gleich gegenüber dem St. Clemens-Hospital.

Erstgespräch mit den Eltern

„Rund 100 Familien melden sich im Verlauf eines Jahres bei uns, weil sie sich entsprechende Sorgen um die Entwicklung ihres Kindes machen, um die körperliche Entwicklung, die Sprachentwicklung oder die im sozial-emotionalen Bereich“, erzählt Heike Siebert, Leiterin des interdisziplinären Teams aus vier Heilpädagogen und sechs Therapeuten.

In einem Erstgespräch, zu dem die Eltern bewusst ohne ihren Nachwuchs in die Einrichtung eingeladen werden, können sie sich alle Sorgen, Ängste und Befürchtungen von der Seele reden: „Aber es geht in dem Gespräch nicht darum, den Blick nur auf die Defizite zu richten, sondern auch herauszustellen, was das Kind vielleicht besonders gut kann“, sagt Siebert. Auch die Vorgeschichte, der Verlauf der Schwangerschaft, die Geburt und die familiäre Situation sind Thema.

Kosten werden übernommen

Längst nicht in allen Fällen schließt sich an ein solches Gespräch eine konkrete Förderplanung an, aber etwa 60 Kinder werden im Frühförderzentrum am St. Clemens-Hospital im Jahreslauf betreut. Den Eltern entstehen dafür keine Kosten: Die Förderangebote werden von Krankenkassen und dem Sozialhilfeträger übernommen. Im Frühförderzentrum gibt’s nach dem Elterngespräch erstmal eine Diagnostikphase, in der Heilpädagogen und Therapeuten den Entwicklungsstand des Kindes genau unter die Lupe nehmen und die Ergebnisse anschließend mit einem Kinderarzt besprechen, bevor ein konkreter Förder- und Behandlungsplan erstellt wird. Der richtet sich ganz individuell nach den kleinen Patienten: Mal gibt’s Einzelförderung, mal Förderung in Kleinstgruppen, mal mit Einbeziehung der Eltern, mal besser ohne. Auch Hausbesuche oder Besuche in der Kita können zum Plan gehören.

„Intensive Elternarbeit gehört unbedingt dazu“, sagt Heike Siebert: „Man kann sicher sein, dass alle Eltern das Beste für ihr Kind wollen. Aber manchmal brauchen sie dafür ein bisschen Unterstützung. Dann bieten wir uns als Wegbegleiter und Berater an.“

Ein bis zwei, seltener bis zu drei Jahre, werden die Kinder durch das Frühförderzentrum betreut – immer heilpädagogisch, zusätzlich, je nach Bedarf, auch motopädisch, ergotherapeutisch, logopädisch, psychologisch oder physiotherapeutisch. „Je früher die Familien zu uns kommen, desto besser“, so Siebert. Denn eine frühe individuelle Förderung kann manche drohende Behinderung noch abwenden, zumindest aber deren Begleiterscheinungen so gut es geht abmildern.

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