Sensibler surfen

So sehen angehende „Medienscouts“ aus. Alles, was die Jungs und Mädchen und ihre Lehrer hier lernen, geben sie später in Workshops und auch Elternabenden an ihren Schulen weiter.
So sehen angehende „Medienscouts“ aus. Alles, was die Jungs und Mädchen und ihre Lehrer hier lernen, geben sie später in Workshops und auch Elternabenden an ihren Schulen weiter.
Foto: WAZ FotoPool
Schüler und Lehrer werden gemeinsam zu „Medienscouts“ ausgebildet. NRW-Projekt schult nicht nur Sachverstand zu Handy, Internet & Co.

Oberhausen. Marco Fileccia hat einmal ein Experiment mit seinen Schülern gemacht. Mit einem Gerät sollten die Jugendlichen messen, wie viel Mal am Tag sie ihr Mobiltelefon in die Hand nehmen. Bei jedem Handykontakt ein Klick. Der Spitzenwert lag bei 272, „alle viereinhalb Minuten, die Schlafenszeit nicht mitgerechnet“. Fileccia, der am Elsa-Brändström-Gymnasium Biologie, Sozialwissenschaften und Informatik unterrichtet, beschäftigt sich seit Jahren schon mit dem Medienverhalten seiner Zöglinge. Vor vier Jahren hat er deshalb das Projekt „Schüler-VZ-Scouts“ eingeführt. Die Landesanstalt für Medien war von dem Konzept begeistert, entwickelte daraus das Projekt „Medienscouts“, das zurzeit auch in Oberhausen läuft. Angeleitet unter anderem von Marco Fileccia.

Auf Augenhöhe

„Jugendliche werden in der digitalen Welt groß, kennen sich darin besser aus als Erwachsene“, sagt Fileccia, „aber es gibt einiges, das sie lernen müssen.“ Hier setzt das Projekt an, das von der Landesanstalt für Medien in Kooperation mit dem Grimme-Institut durchgeführt wird. Es geht um Cyber-Mobbing, um Urheberrecht, um Datenschutz und Persönlichkeitsrechte. Die Idee dahinter: Nicht der Lehrer allein vermittelt Wissen von oben herab, sondern ein Schüler dem anderen. „Das ist peer-to-peer-education“, sagt Fileccia. Er lobt das Konzept, schließlich sprächen die Schüler „die gleiche Sprache“.

Medienkompetenz als Schlüsselqualifikation der Zukunft

Auch Kulturdezernent Apos­tolos Tsalastras war gestern ins Bert-Brecht-Haus gekommen, um die Schüler und Lehrer beim Medientraining zu besuchen. Er halte Medienkompetenz für die Schlüsselqualifikation der Zukunft, sagt er. „Es ist wichtig, dass Kinder sich auskennen.“ Er sei froh, dass sich so viele in diesem Themenbereich engagierten. Vier Schüler und zwei Lehrer haben sich pro Schule gemeldet, allein in Oberhausen sind sieben Schulen mit dabei, insgesamt sind es zehn Städte und Kreise in NRW, die sich beteiligen.

Personell das Projekt unterstützen

Finanziell könne die Stadt das Projekt nicht unterstützen, aber personell und mit Räumlichkeiten und Technik. So ist Ulrich Otto, Leiter des Bürgerfunkstudios, als Projektleiter im Einsatz. Überdies zeigen die Schulen großen Einsatz, da sie die Lehrer für die Workshops freistellen.

Auch wenn es in erster Linie um Facebook, Apps und Computerspiele geht – Fileccia, Otto und Tsalastras heben besonders hervor, was sich „nebenbei“ ergibt, während die Jugendlichen zu „Medienscouts“ werden: „Die Schüler entwickeln sich“, sagt Fileccia. „Ihre Noten verbessern sich, ihr Selbstvertrauen wird stärker.“ Ein Plus auf dem Weg zum sensiblen Surfer.

 
 

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