Selbst entzaubert

Das Bürgerbündnis BOB hat sich schneller selbst entzaubert als selbst scharfe Kritiker erwartet hatten. Sie wollten so ganz anders sein als sie sich Politiker so vorstellen: Sie wollten keine Machtspielchen, sie wollten unsere Stadt inhaltlich nach vorne bringen, sie wollten allen Bürgern hohe Transparenz beweisen. Das sind hehre Ziele, die Messlatte hat sich BOB selbst unglaublich hochgelegt, doch schon nach acht Monaten bleiben vor allem persönliche Streitereien, der Kampf darum, wer was wie viel in der BOB-Fraktion und -Wählergemeinschaft zu sagen hat, und ein für die Öffentlichkeit undurchsichtiges Gebaren in der Fraktion. Eine solche Entwicklung ist nicht exklusiv der BOB vorbehalten, sondern typisch für das Werden solcher Kleinstbündnisse in vielen Kommunen: Sie finden beim Denkzettel-Wähler immer großen Zuspruch, ziehen aber auch recht streitbare Persönlichkeiten an, die nirgendwo so richtig ein Zuhause finden oder einzubinden sind. Was alle unterschätzen: Politik ist ein äußerst schwieriges Geschäft. Man muss viel wissen, man muss viel können, um widerstreitende Interessen auszugleichen und inhaltlich gute Kompromisse zu schmieden.

EURE FAVORITEN