Schütze von Oberhausen wollte angeblich erschossen werden

Andrea Micke, Philipp Wahl
Die Spurensicherung am Tatort im Oberhausener Rotlichtviertel. Am Donnerstagnachmittag schilderte die Polizei Einzelheiten des Tathergangs. Foto: Stephan Eickershoff / WAZ FotoPool
Die Spurensicherung am Tatort im Oberhausener Rotlichtviertel. Am Donnerstagnachmittag schilderte die Polizei Einzelheiten des Tathergangs. Foto: Stephan Eickershoff / WAZ FotoPool
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Oberhausen. Suchte der Mann, der Donnerstagnacht Polizisten unter Beschuss genommen und mit Messern verletzt hat, den Tod? Er soll sich gewünscht haben, erschossen zu werden. Den ersten Schuss feuerte der 30-Jährige nach einem Streit um einen Joint ab.

Nach der Schießerei zwischen einem 30-jährigen Oberhausener und sechs Polizisten in der Nacht auf Donnerstag hat Kriminalhauptkommissars Markus Bergmann am Nachmittag auf einer Pressekonferenz Einzelheiten des Tathergangs berichtet.

Wie der Leiter der Essener Mordkommission erklärte, soll der Täter gegen 1 Uhr in einer Trinkhalle an der Flaßhofstraße Wodka bestellt haben. Als er sich einen Joint anzünden wollte, sei es zum Streit mit dem Verkäufer gekommen. Schon zu diesem Zeitpunkt soll der offenbar psychisch angeschlagene Mann Schüsse abgefeuert haben. Kurze Zeit später forderte er einen Taxifahrer auf, ihn nach Emmerich an der deutsch-niederländischen Grenze (Kreis Kleve) zu bringen. Als sich der Fahrer weigerte, feuerte der Randalierer erneut einen Schuss ab.

Täter ins künstliche Koma versetzt

Wie zuvor der Kiosk-Verkäufer blieb auch der Taxi-Fahrer unverletzt. Dieser war mit dem Schlüssel aus dem Wagen geflüchtet und hatte die Polizei alarmiert. In der Zwischenzeit soll der 30-Jährige beim Versuch, im Rotlichtviertel Autos anzuhalten, weiter gefeuert und geschrien haben. Der Mann, der wegen unerlaubten Waffenbesitzes vorbestraft ist, war mit einer Gaspistole, einem Gasrevolver, einem Fleischermesser und einem Einhandmesser bewaffnet.

Als drei Streifenwagen mit sechs Polizeibeamten gegen 1.15 Uhr am Ort am Sperrbezirk eintrafen, entdeckten sie den Schützen sofort. Doch der reagierte nicht auf die Lautsprecher-Aufforderung, sich hin- und die Waffe auf den Boden zu legen. Er schoss weiter. Die Polizisten schossen zurück. Obwohl der Mann in Beine und Brust getroffen wurde, gelang es ihm bei seiner Festnahme, drei Beamte mit einem Messer zu verletzen. Einen mit einem Stich in den Bauch sogar schwer. Den Täter haben die Ärzte in ein künstliches Koma versetzt. Wie der schwer verletzte Polizist schwebt aber auch der Randalierer zurzeit nicht in Lebensgefahr.

Markus Bergmann berichtete, der Mann sei „in den letzten Monaten psychisch stark auffällig“ gewesen: „Er hat die Wohnung nicht mehr verlassen, sein Äußeres völlig verändert.“ Ein Zeuge sagte aus, der Täter habe ihm gegenüber zuletzt den Wunsch geäußert, erschossen zu werden. Auch von seiner Aussagen wird abhängen, wie das Geschehen rechtlich einzuordnen und ob der Mann überhaupt schuldfähig ist.

Gewerkschaft der Polizei: „gezielter Mordversuch“

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hat die Schüsse auf die Polizeibeamten als „gezielten Mordversuch“ verurteilt. „Oberhausen ist bereits der zweite Fall innerhalb weniger Wochen, in der Kriminelle in NRW versucht haben, Polizisten zu ermorden“, erinnerte Sprecher Stephan Hegger an den Hinterhalt von Gelsenkirchen, bei dem am 9. August zwei Polizisten schwer verletzt worden waren.

„Auch in der Vergangenheit hat es Angriffe auf Polizisten gegeben. Aber die Brutalität und Kaltschnäuzigkeit der Gewalttaten, die selbst vor einem Menschenleben nicht halt macht, ist neu“, sagte der nordrhein-westfälische GdP-Vorsitzende Frank Richter. Die GdP erwarte, dass der Oberhausener Gewalttäter mit aller Härte des Gesetzes bestraft wird: „Ein versuchter Mord muss als versuchter Mord geahndet werden“.

1734 verletzte Polizisten 2010

Zudem fordert die GdP eine breite gesellschaftliche Debatte zur Ächtung von Gewalt. Alleine in NRW sind 2010 insgesamt 1734 Polizistinnen und Polizisten während ihres Dienstes durch Angriffe verletzt worden, 13 von ihnen schwer. Das seien doppelt so viele Verletzte wie noch vor zehn Jahren.