Schüler in Oberhausen gucken schnell mal bei Wikipedia nach

An der Online-Enzyklopädie Wikipedia kommen auch die Schulen nicht vorbei. Die Inhalte dort kritisch zu prüfen, das sollen Schüler lernen.
An der Online-Enzyklopädie Wikipedia kommen auch die Schulen nicht vorbei. Die Inhalte dort kritisch zu prüfen, das sollen Schüler lernen.
Foto: dpa
Seit 15 Jahren gibt es das Online-Nachschlagewerk Wikipedia. Wie Oberhausener Schulen mit dem digitalen Wissenswerkzeug umgehen, wollten wir erfahren.

Oberhausen. Früher kam das nachschlagbare Wissen sehr schwerlastig daher, in Form von 24 dicken Brockhaus-Bänden. Wie häufig Schüler die Wälzer für Schul- oder Hausarbeiten aus dem Regal holten, ist nicht nachprüfbar. Das ist bei der Online-Enzyklopädie „Wikipedia“ schon anders, sie belegt immerhin den siebten Platz der am häufigsten (nicht nur von Schülern) besuchten Webseiten. 15 Jahre gibt es die Wissensdatenbank im Internet nun schon, die Redaktion wollte wissen, ob und wie sie das Arbeiten in den Oberhausener Schulen beeinflusst hat. Denn: Noch nie war abschreiben, sprich kopieren, so einfach wie mit dem Tablet, Smartphone oder Computer.

Plagiante sind Thema

„Plagiate sind natürlich ein Thema“, sagt Dr. Udo Beckmann, Lehrer für Chemie und Physik am Elsa-Brändström-Gymnasium. So sollen die Schüler in der Klasse neun pro Quartal eigenständig eine Modularbeit zu einem Thema erstellen, „da gibt es vorher die klare Ansage, externe Infoquellen kenntlich zu machen und den Namen zu nennen“, erklärt Beckmann. Aber es fänden sich immer wieder in Schülerarbeiten Passagen oder Stellen, die unverändert aus Wikipedia oder anderen Quellen übernommen worden sind. Unzitiert.

Bei Verdacht griffen Kollegen zum Beispiel auf Online-Plattformen oder Software zurück, die Plagiate entlarven können: Indem sie Texte daraufhin abscannen und mit anderem digitalen Material vergleichen. Ein Verstoß gegen die Quellen-Regel zieht ein Herabsetzen der Note nach sich. „Wer mehr als die Hälfte abgeschrieben hat, bekommt die schlechtestmögliche Note“, sagt Udo Beckmann.

Die Inhalte zu hinterfragen und prüfen

Grundsätzlich sei Wikipedia ein „Super-Werkzeug“, um schnell Informationen zu finden, aber auch, um kritisches Lesen zu trainieren, findet der Gymnasiallehrer.

Nicht alles zu glauben, was da steht, die Inhalte zu hinterfragen und zu prüfen, das will auch Thomas Franz, Lehrer für Informatik und Mathematik an der Friedrich-Ebert-Realschule, seinen Schülern beibringen. Wikipedia ist eben nicht die primäre Quelle, sondern eine freie Enzyklopädie, an der jeder mitwirken kann. „Wikipedia ist ein erster Ansatz, aber nicht das Ende der Recherche“, sagt Thomas Franz. „Dieser Lernprozess fängt in den unteren Jahrgängen an und mit zunehmender Reife können die Schüler die Einträge auch kritischer beurteilen.“ Aber so eine Arbeit sei ja auch ein hartes Brot: weitere Quellen suchen, vergleichen, Querverweisen nachgehen, die Glaubwürdigkeit von Autoren prüfen. Dabei findet Thomas Franz die Idee hinter Wikipedia – frei zugängliches Wissen für jedermann und jederzeit – toll, „ich nutze das auch“, und Udo Beckmann lobt die Aktualität von Wikipedia, mit der kein Brockhaus mithalten könne.

Geringster Aufwand

„Wer kauft sich heute noch ein 24-bändiges Nachschlagewerk“, fragt Doris Sawallich, Leiterin der Gesamtschule Weierheide und Lehrerin für Musik und Deutsch, auf die Bedeutung von Wikipedia angesprochen. Bei Referaten sei die Online-Wissens-Sammlung „als der Weg mit dem geringsten Aufwand“ für Schüler natürlich interessant. „Wir weisen darauf hin, dass sie auf wissenschaftlich abgesicherte Informationen angewiesen sind“, erklärt Sawallich. Empfohlen seien die Quellenhinweise, die über Wikipedia zugänglich sind.

„Wikipedia ist keine Quelle für Facharbeiten und nicht zitierfähig“, betont dagegen Uwe Bleckmann, Leiter des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums. Das gute alte Buch und Zeitungsartikel müssen die Oberstufenschüler nutzen.

 
 

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