Schlüsseldienst kassierte 1000 Euro

Wer sich aus Haus oder Wohnung ausschließt, gerät in eine schwierige Lage. Solche Notlagen auszunutzen, darauf hatten sich mehrere Schlüsseldienste in Oberhausen spezialisiert, für die jetzt ein 28-Jähriger aus Alt-Oberhausen als Subunternehmer auf der Anklagebank des Oberhausener Amtsgerichts saß. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautete auf gewerbsmäßigen Betrug. Denn beim Öffnen der Türen und beim Austausch der Schlösser oder Schließzylinder wurde kräftig abkassiert.

Fast 30 Fälle in den Jahren 2009 und 2010 trug die Staatsanwaltschaft zusammen. Der Angeklagte, zuvor als Packer tätig, hatte sich bei den Schlüsseldiensten anlernen lassen und war dann für sie bundesweit unterwegs. Er bezog stets für ein paar Tage irgendwo ein Fremdenzimmer und wartete auf Einsätze in der Umgebung.

Fiktive Firmennamen

Nach den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft hatte ein Düsseldorfer Unternehmen bundesweit in Telefonbüchern Anzeigen geschaltet. Sie lauteten entweder auf fiktive Firmennamen, die meist den Anfangsbuchstaben „a“ hatten und damit ganz oben im Telefonbuch standen, oder auf so ähnliche Namen wie den des örtlichen Anbieters, allerdings alphabetisch vor diesem. Das Abfangen der „Notrufe“ von arglosen Bürgern klappte. Anrufe aus der Region, in der sich der Angeklagte aufhielt, wurden ihm als Aufträge erteilt.

Anfang Dezember 2009 etwa war er, so sind die Ermittler überzeugt, in Schleswig-Holstein eingesetzt, tauschte in Burg auf Fehmarn ein Wohnungstürschloss aus. Inklusive Kosten für Anfahrt, Mehrarbeit und Material belief sich die Rechnung dafür auf stolze 697,50 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer.

Ein paar Straßen weiter hatte jemand die Haustür zugezogen, jedoch von innen den Schlüssel stecken lassen. Der hilfsbereite Oberhausener kassierte dort 511 Euro netto.

Bis in Höhe von 1000 Euro beliefen sich seine Rechnungen. Ein von der Staatsanwaltschaft beauftragter Sachverständiger kam zu dem Ergebnis, dass die Rechnungen im Schnitt um das Doppelte überhöht waren. Dennoch verzichteten die Richter, der Staatsanwalt und der Verteidiger darauf, Fall für Fall abzuhandeln. Betrug etwa hätte den Nachweis durch jeden einzelnen Geschädigten erfordert, über die Höhe der realen Kosten in die Irre geführt worden zu sein. Das wies der Angeklagte entschieden von sich. Wucher schien dem Gericht zutreffender zu sein, die gewerbsmäßige Ausnutzung einer Notlage, um überteuert eine Leistung zu erbringen. Da der Aufwand, ihn nachzuweisen, ebenfalls hoch gewesen wäre, gelangte man zu folgender Übereinkunft: Der Angeklagte erklärte sich einverstanden, jedem Geschädigten 50 Euro zu erstatten, zusammen rund 1500 Euro. Dafür wurde der Prozess eingestellt.

 
 

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