"Salafisten sind die besseren Sozialarbeiter"

Lamya Kaddor, Lehrerin und Islamwissenschaftlerin, hier im Islamunterricht an ihrer Schule in Dinslaken.
Lamya Kaddor, Lehrerin und Islamwissenschaftlerin, hier im Islamunterricht an ihrer Schule in Dinslaken.
Foto: WAZ FotoPool
Die Lehrerin und Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor sorgte für einen spannenden Gesprächsabend mit 50 Zuhörern in der Oberhausener Volkshochschule.

Oberhausen. Nicht mit jedem Satz machte sich Lamya Kaddor am Donnerstagabend in der Volkshochschule im Bert-Brecht-Haus Freunde. Die anerkannte Islamwissenschaftlerin las vor 50 interessierten Zuhörern Teile aus ihrem neuen Buch „Zum Töten bereit“, in dem sie sich mit dem Salafismus beschäftigt, und diskutierte mit den Anwesenden.

Kaddor lebt in Duisburg und ist Lehrerin für Islamunterricht in Dinslaken. Fünf ihrer Schüler kehrten Dinslaken den Rücken, um nach Syrien in den Dschihad zu ziehen, ins Heimatland von Kaddors Eltern. Vier von ihnen sind zurückgekehrt. Schon nach zehn Tagen. Ernüchtert. Heute führten sie ein relativ normales Leben, eine paramilitärische Ausbildung hätten sie in Syrien nicht erhalten. Wie aber wird man ein Salafist, was ist dagegen zu tun und welche Aufgabe haben die Gesellschaft und die muslimische Gemeinschaft dabei? All diese Fragen standen im Raum. Kaddor versuchte, Antworten zu geben. Es gelang ihr, sachlich und nüchtern zu bleiben, ein wenig Süffisanz einzubauen und Vorurteile mit Gegenfragen zu entkräften.

Aussagen stießen auf viel Kritik

Auf Kritik stieß ihre Aussage, dass es laut Umfragen in Deutschland eine Islamfeindlichkeit gäbe. Daran, so eine Zuhörerin, sei der Islam selbst nicht unschuldig, Äußerlichkeiten wie das Tragen von Kopftüchern, Burkas oder Ganzkörper-Schwimmanzügen trügen dazu bei.

Das sollte die Entscheidung jedes Einzelnen sein, meinte Kaddor. Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit Religionsfreiheit – all diese Grundrechte dürften nie eingeschränkt werden. Wo also wolle man mit Vorschriften beginnen, wo aufhören? Ein anderer Zuhörer schilderte sein Unbehagen, als er in einer Bahn neben einer voll verschleierten Frau stand.

Dafür kassierte er verständnislose Zwischenrufe, aber eigentlich war die Beschreibung nur eins: ehrlich. Für Erstaunen, ja sogar Erschrecken, sorgte Lamya Kaddor mit ihrer These, dass „Salafisten die besseren Sozialarbeiter“ wären. Sie rekrutieren ihren Nachwuchs bei den Schwachen der Gesellschaft, bei Verzweifelten, die auf der Suche nach Anerkennung seien und handelten damit nicht anders als Neonazis. Zustimmendes Nicken beim Publikum. Ob Flüchtlinge, die aus Syrien kommen, besonders gefährdet seien, wollte eine Frau wissen. „Ich glaube, die Gefahr ist gering, aber nicht ausgeschlossen“, lautete Lamya Kaddors Antwort.

 
 

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