Ruhrpottkomödie begeistert Publikum in Oberhausen

Theater im Gdanska: Die Komödie mit Leuten aus dem Pott könnte zum Klassiker werden.
Theater im Gdanska: Die Komödie mit Leuten aus dem Pott könnte zum Klassiker werden.
Foto: Herbert Höltgen
  • Wer zum Lachen in den Keller geht, ist hier falsch. Zuschauer sind begeistert
  • Preisknüller für 99 Euro mit Frühstück und Mittagessen aus dem Henkelmann
  • Projekt Urlaub im Zechenhaus droht durch unerklärliche Vorfälle zu scheitern

Oberhausen.. Wir vermieten unser Tante ihr klein Häusken: Erbin Heidis Idee wird von Nachbarin Susi und Freundin Gilla unterstützt und gegen den Widerstand ihrer Schwester Walli in die Tat umgesetzt. Wie das funktioniert, erleben die Zuschauer der neuen Ruhrgebietskomödie „Tante Hedwig ihr klein Häusken“ in einer köstlichen Darbietung. Der Schwank aus der Feder von Rita Bode, die selbst mitspielt, feierte Premiere auf der Bühne des ausverkauften Gdanska-Saals.

Das Publikum war vollends begeistert von diesem seit „Mensch Omma“ besten Kneipen-Theaterstreich von und mit „echte Leute ausm Pott“. Das Stück hat das Zeug, zum Kult zu avancieren.

Komm doch ins Ruhrgebiet: Die Botschaft ist Programm. Für Tante Hedwigs „Kaschemme aus den 30er Jahren am Rhein-Herne-Kanal mit Emscherblick“ (Walli) gibt’s mehr Interessenten als Heidi, Gilla und Susi zu hoffen wagten – nicht nur aus Holland, sondern auch aus Friesland. Von dort angereist sind nämlich die ersten Mieter, Ehepaar von Straaten mit Schwägerin, die für die Tochter eingesprungen ist, voller Elan und Tatendrang und unmissverständlich auf der Suche nach einem Urlaubsersatz für ihren zu Hause gebliebenen Ehemann Jan.

Tante Hedwigs Kaschemme

Als „Preisknüller für 99 Euro pro Tag mit Frühstück und Mittagessen aus dem Henkelmann“ hat das Trio die Emscherperle gebucht. Mehr Urlaub mit Ruhrpott-Romantik geht nicht. Das Häusken mit Gärtchen und Plumpsklo ist stilecht eingerichtet mit gehäkelter Spitzen-Deko auf der Plastik-Tischdecke und Wandbild mit röhrendem Hirsch.

Die Gäste erleben dort, was für die Vermieter kein Geheimnis ist: Oberhausen ist kein Klösterchen, der Sekt schmeckt auch aus Tante Hedwigs Sammeltassen und auf den Klopfer-Nachschub, den Susi stets vorbeibringt, ist ohnehin Verlass. Die Friesen leben sich schnell ein, auch oder wegen der Nachbarschaft zum Centro, und alles wäre gut, wenn da nicht Johanna vom Gewerbeaufsichtsamt vorbeigekommen wäre. Die Dame, die Strang heißt, aber besser Streng hieße, möchte dazu beitragen, Oberhausens klamme Kasse zu füllen.

Und dann sind da noch einige unerklärliche und unangenehme Vorfälle im Häusken, die das Projekt Urlaub im Zechenhaus zum Scheitern zu bringen drohen.

Die enorme Spielfreude der Akteure, die die verschiedenen Episoden mit sehr witzigen Tanz- und Gesangseinlagen garnieren, lässt den berühmten Funken aufs Publikum überspringen. Jeder im Zuschauerraum erkennt in einem der Charaktere sich selbst, oder er kennt jemanden, der so ist wie Heidi, Walli, Gilla oder Susi. „Man kann sich damit identifizieren“, sagt ein Zuschauer. „Wer zum Lachen in den Keller geht, ist hier allerdings falsch.“

Es scheint, als habe Rita Bode den Beteiligten die Rollen auf den Leib geschrieben. Sicher ist aber auch, dass Ausstrahlung, Bühnenpräsens und Spiel-Erfahrung der Akteure zum Erfolg beitragen. Die Souffleuse jedenfalls war arbeitslos. Geschmunzelt und gelacht hingegen hat sie dauernd.

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