Rollstuhlfahrer in Oberhausen im Schlaf ausgeraubt

Detlef Weirich, CDU-Mitglied und im Beirat für Menschen mit Behinderungen, schlief, als Einbrecher ihn ausraubten.
Detlef Weirich, CDU-Mitglied und im Beirat für Menschen mit Behinderungen, schlief, als Einbrecher ihn ausraubten.
Foto: Fabian Strauch/Funke Foto Service
  • Einbrecher rissen in Wohnung von CDU-Mitglied auch Safe aus der Verankerung
  • 60-Jähriger ist total geschockt und schläft seitdem nur noch im Rollstuhl
  • Caritas soll das offene Gartengrundstück jetzt für alle Mieter einzäunen

Oberhausen. Knapp 50 Einbrüche verzeichnet der Wohnungseinbruchsradar der Polizei allein für diesen Juli. Sieben Einbrüche (davon zwei Versuche) waren es zwischen dem 19. und 25. August. Einer davon geschah bei Detlef Weirich in der Kewerstraße. Als die Täter in der Nacht zum 25. August durch seine Wohnung schlichen, schlief der stellvertretende Bezirksbürgermeister von Alt-Oberhausen (CDU). Am Morgen wurde ihm klar: „Ich habe viel Glück gehabt.

Weirich, mit 18 Jahren an Multipler Sklerose (chronische Entzündung des zentralen Nervensystems) erkrankt, ist seit 1980 auf den Rollstuhl angewiesen. Die Hitzewelle daheim machte dem 60-Jährigen zu schaffen. „Am Mittwochabend sah ich mir ein Fußballspiel im Fernsehen an. Weil es so heiß war, hatte ich meine Terrassentür einen Moment weit geöffnet.“ Dann sei er unvermittelt in seinem Rollstuhl eingeschlafen.

Am frühen Morgen folgte das böse Erwachen: Handy und Armbanduhr waren vom Couchtisch verschwunden. Weirich ahnte Übles, überprüfte die Wohnung. Seinen kleinen Safe mit vielen wichtigen Papieren hatten die Einbrecher aus der Verankerung gerissen und mitgenommen. „Darin befand sich mein Familienstammbuch“, erzählt Weirich schockiert. Auch das Geld aus dem Portemonnaie fehlte. „Rund 120 Euro.“ Selbst eine Dose mit Kleingeld hätten die Täter mitgehen lassen.

Hausratversicherung zahlt in diesem Fall wohl nicht

Obgleich Weirich eine Hausratversicherung hat, wird er auf dem Schaden wohl sitzen bleiben. „Wegen der offenen Terrassentür.“ Entsetzt ist der Kommunalpolitiker über die Skrupellosigkeit der Täter. „Die müssen beim Herausreißen des Safes doch Krach gemacht haben. Gut, dass ich nicht wach geworden bin – wer weiß, was die mit mir gemacht hätten.“ Sein Albtraum, sagt Weirich, wäre es, so verletzt zu werden, dass er komplett bewegungsunfähig würde. „Ich bin schon jetzt vom Bauch abwärts taub und kann nur noch meinen rechten Arm nutzen.“

Da müsse er fast von Glück reden, dass er zusätzlich zur Multiplen Sklerose auch noch an „Fatigue“ (Erschöpfungssyndrom) leide. Fatigue trete als Folgeerkrankung bei schweren chronischen Krankheiten auf. Weirich erklärt: „Insbesondere nach Anstrengungen schlafe ich von jetzt auf gleich ein, Gegenwehr zwecklos.“ Eine solche Schlafattacke habe ihn auch an jenem Abend ereilt.

Unsicherheit hat sich nach dem Einbruch als Untermieter in seinen vier Wänden breit gemacht. Dabei hat er sich bislang trotz seiner schweren Erkrankung stets für andere eingesetzt, den Blick immer auf das Leben gerichtet. Das war damals so, als er wegen der Multiplen Sklerose mit 18 Jahren seine Ausbildung zum Speditionskaufmann abbrechen musste. Und auch, als er sich von der RWO-A-Jugend verabschieden musste. Er ließ sich zum Erzieher umschulen, arbeitete bis 1989 beim Jugendamt.

Seit 2004 ist Weirich für die CDU aktiv. Aktuell als Mitglied im Beirat für Menschen mit Behinderungen und als stellvertretender Bezirksbürgermeister von Alt-Oberhausen. 1987 hatte er den Ortsverein Oberhausen der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) mitbegründet. Soeben wurde er übrigens zum stellvertretenden Vorsitzenden der DMSG NRW gewählt. „Ich habe immer gekämpft, vieles erreicht“, sagt Weirich nicht ohne Stolz.

Doch dieses Gefühl der Stärke, das habe ihn in seiner Wohnung nun verlassen. „Ich öffne die Fenster nur noch auf Kipp und lasse abends zusätzlich die Rollläden herunter.“ Seit dem Einbruch verbringt er auch seine Nächte im Rollstuhl. „In meinem Bett fühle ich mich zurzeit zu hilflos.“

Doch dann hebt Weirich den Blick. Er ist sich sicher: „Das geht vorbei.“ Er ist entschlossen, auch dieses Kapitel in einen gewonnenen Kampf zu verwandeln. Er hat bei der Polizei Anzeige erstattet. Und: „Ich werde mit der Caritas darüber sprechen, dass unser Garten eingezäunt wird, damit es Einbrecher nicht mehr so leicht haben.“ Das Leben, das wird klar, bleibt auch diesmal sein Verbündeter.

Einbruchsquote bleibt hoch

Die nach wie vor hohe Einbruchsquote bleibt in Oberhausen ein Problem. Das macht Polizeisprecher Andreas Wilming-Weber deutlich. Was ihn und seine Kollegen allerdings freut: „Die Zahl der Einbruchsversuche kletterte in diesem Juli auf rund 50 Prozent.“ Ein Jahr zuvor lag sie noch bei 38 Prozent. Damit scheiterte knapp die Hälfte aller Einbrüche. Meist, weil Wohnung oder Haus technisch zu gut gesichert waren. Aber auch, weil Nachbarn aufmerksam wurden. „Bis Juli gelangen uns allein durch Zeugenhinweise 50 Festnahmen.“ Auch wenn sich diese Zahl auf alle Kriminalitätsbereiche bezieht, besagt sie doch: „Unsere Aufklärungsarbeit wirkt.“

Das sieht auch Dirk Schmidt vom Kommissariat Kriminalprävention/Opferschutz so. Er ist für die technische Beratung zuständig, weiß, wann sich Pilzkopfscharniere im Fensterrahmen, nachträglich angebrachte Fensterriegel oder Panzerriegel vor der Wohnungstür lohnen. „Wichtig ist aber auch, dass man Einbrechern durch sein Verhalten das Leben schwer macht“, führt Schmidt aus. Auch wer nur kurz die Wohnung verlässt, sollte offene Fenster stets zu machen und die Wohnungstür zweimal abschließen. „Wir hatten schon den Fall, dass jemand im Garten gearbeitet hat und Einbrecher das Haus durch die offene Terrassentür leer räumten.“

40 Prozent der Einbrüche werden von deutschen Tätern begangen, 60 Prozent von nicht deutschen, erläutert Andreas Wilming-Weber. Gegen eine zunehmende Bandenkriminalität schickt die Polizei verstärkt Zivilstreifen auf die Straße. Einer davon ist es am 24. August gelungen, drei Serben, die sich von Oberhausen zu einem Einbruchsfeldzug auf den Weg nach Geldern gemacht hatten, zu verfolgen und mit den Kollegen aus Kleve auf frischer Tat zu ertappen. „Alle drei Täter befinden sich in Untersuchungshaft“, sagt Wilming-Weber.

Kostenlose Beratung vor Ort und Hilfe für Opfer

Tipps zur Einbruchssicherung für Wohnung und Haus gibt es bei der Kriminalprävention, Havensteinstraße 27, Tel.: 826-4511, Kriminalprävention.Oberhausen@polizei.nrw.de. Dort können Interessierte auch einen Termin für eine kostenlose Beratung vor Ort vereinbaren.

Hilfe für Einbruchsopfer gibt es bei Birgit Büren, der Opferschutzbeauftragten der Polizei in Oberhausen. Einzige Voraussetzung: Es liegt eine Anzeige vor. Falls nötig, vermittelt sie auch an die Opferschutzorganisation Weisser Ring oder eine Traumaambulanz weiter. Kontakt: Tel. 0208/826-4515.

 
 

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