Revierpark Vonderort punktet mit natürlichem Charme

Schachbretter sind schon da, Figuren müssen die Spieler mitbringen.
Schachbretter sind schon da, Figuren müssen die Spieler mitbringen.
Foto: Funke Foto Services
Ein Frühlingsspaziergang lohnt sich. Der Bootsverleih ist denkmalwürdig. Weite der Anlage und alter Baumbestand beeindrucken.

Oberhausen.. Wenn der Revierpark Vonderort in den Fokus des Interesses rückte, ging’s häufig um Kosten, um erfreuliche Einnahmen aus dem Solebad- und Saunabetrieb und negative Bilanzen des Freibads durch schlechte Sommer. Auch von vielen Veranstaltungen, die im Freizeithaus stattfanden, wurde berichtet. Die Frage, wie attraktiv der Park als Grünfläche ist, wurde hingegen nur selten gestellt. Seine Pflege kostet, während er den Betreibern keinen Euro einbringt. Wir testeten das Park-Feeling bei einem Frühlings-Spaziergang am Vormittag. Unser Ergebnis: Was investiert wird, lohnt sich.

Der Park ist herrlich retro und gerade deshalb etwas Besonderes. Er punktet durch sein äußerst angenehmes und ausgewogenes Verhältnis zwischen gepflegt und natürlich. Ein Rundgang ist ein lohnenswertes Naturerlebnis, für Ältere verbunden mit Erinnerungen an alte Zeiten.

Es gibt noch Relikte aus den Anfangszeiten des Parks, sei es durch Form und Farbe der Treppengeländer oder durch die Laternen im 70er-Jahre-Stil.

Wir beginnen den Rundgang am Eingang zum Solbad- und Saunabereich. Eine Kurz-Inspektion der Autokennzeichen ergibt: Es sind Besucher aus den Nachbarstädten Bottrop, Essen, Mülheim, Duisburg, Gelsenkirchen, Recklinghausen und natürlich auch aus Oberhausen da. Allerdings noch nicht viele – der Blick ins Solebad beweist, dass sich der Badebetrieb noch in Grenzen hält. Erste Frühschwimmer verlassen das Bad Richtung Parkplatz. Spaziergänger treffen wir zunächst keine.

Familien könnten hier gut Picknick machen

Auf dem gepflegten Vorplatz plätschert der Brunnen, konstruiert als geflügelte Frau. Den Namen des Künstlers verrät das daran angebrachte Schild nicht, wohl, dass es sich um ein Geschenk der Sparkassen-Bürgerstiftung aus dem Jahr 1995 handelt.

Eine Treppe führt hinauf in den Nordteil des Parks. Ein Schild mahnt, dass Hunde an der Leine zu führen sind und dass es verboten ist, im Park zu grillen. Wir laufen hoch und oben links über den ordentlich gepflasterten Weg, sehen rechts den Bolzplatz mit gelben Toren ohne Netze. Am Spielfeldrand stehen Steinklötze, die als Bänke dienen könnten. Bespielbar ist der Platz durchaus und wir stellen uns vor, dass Familien hier gut Picknick machen könnten.

Wir laufen weiter Richtung Waldspielplatz. Die vielen Papierkörbe am Wegesrand sind alle mit einer Mülltüte ausgestattet. Der Spielplatz gefällt uns. Es gibt eine Boule-Bahn und eine Tischtennis-Platte. „Hunde dürfen den Spielplatz nicht betreten. Bei Nichtbeachtung wird Anzeige erstattet“, steht auf einem Schild. Wir laufen weiter.

Wir passieren den ehemaligen Freispiel-Tennisplatz, begegnen einem älteren Pärchen und zwei Frauen mit drei Hunden und Kind im Buggy. Zurück an der Eingangstreppe steuern wir den Südpark an.

Schach unter Bäumen

Wir überqueren die Bottroper Straße und gelangen neben dem Freizeithaus über eine breite Treppe ans Ziel. Die Anlage erscheint ohne künstlich angelegte Beach-Fläche riesig. Wir passieren noch leere Wasserspiel-Becken. Es gibt zahlreiche Schaukelgeräte, Bänke für Eltern und den Hinweis an sie: „Bitte beachten Sie Ihre Kinder ständig.“

Wir genießen die Parkfläche mit schönem alten Baumbestand. Ein paar Wildgänse bevölkern die Wiese. Rechts steht die Konzertmuschel, davor etliche Tische mit Schachbrett-Oberfläche. Wir stellen uns vor, dass Leute dort sitzen und ein paar Partien ausspielen. Die Figuren müssten sie allerdings mitbringen. Wir nehmen die beiden Teiche, die nicht miteinander verbunden sind, ins Visier.

Markierungen auf der Wasseroberfläche lassen erkennen, dass Modellbauer hier ihre Bötchen fahren lassen können. Am zweiten Teich entdecken wir den Bootsverleih und sind überzeugt: Ihn sollte man unter Denkmalschutz stellen.

Flotte überwinterte am Teich

Ein Highlight, das man sicher nur noch selten irgendwo findet. Sorgsam mit Stacheldraht umrahmt hat der Verleiher die Eingangspforte zum Steg. Der ist mit Holzgeländern aufgeteilt in drei Wege: Links geht’s zu den Ruderbooten, rechts zu den Tretbooten, in der Mitte befinden sich Ein- und Ausgang. Wir stellen uns Warteschlagen vor und müssen lachen.

30 Minuten Fahrzeit im Ruderboot kosten für ein bis zwei Personen fünf Euro. Tretbootfans können dafür nur 20 Minuten lang aufs Wasser. Die Benutzung der Boote geschieht auf eigene Gefahr, Kinder unter zwölf Jahren müssen sich als Schwimmer ausweisen. Der Verleiher hat sich abgesichert.

Seine Flotte, die draußen überwinterte, sieht so aus wie die, die ich 1970 auf einem Klassenausflug fotografierte, mit der Pocket-Kamera. Unter dem Foto, das seither im Album klebt, steht: „Malte fiel ins Wasser, eher freiwillig als zufällig. Lieh ihm meinen Bademantel“.

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