Rechte tricksen Gaststätte "Haus Union" in Oberhausen aus

Die Wirte Torsten (links) und Thomas Helms vom Haus Union wehren sich gegen Rassismus-Vorwürfe.
Die Wirte Torsten (links) und Thomas Helms vom Haus Union wehren sich gegen Rassismus-Vorwürfe.
Foto: Fabian Strauch/Funke Foto Services
Die rechtspopulistische Partei „Die Freiheit“ mietete sich unter falschen Namen im Hotel und Restaurant ein. Scharfe Kritik der Antifa an den Wirten.

Oberhausen.. Der Montag war kein guter Tag für Thomas und Torsten Helms. In ihrem E-Mail-Postfach landete nämlich ein Schreiben der Antifaschistischen Aktion Oberhausen (Antifa). Die beiden Brüder führen seit mehr als 30 Jahren das Hotel und Restaurant „Haus Union“ gegenüber der Arbeitsagentur.

Aber seit knapp zwei Jahren wirft ihnen die Antifa vor, dass in ihren Räumen „in den vergangen Jahren regelmäßig immer wieder Events der extremen Rechten stattfinden“.

Und mit ihrem Schreiben wenden sie sich nicht nur an das Hotel selbst, sondern auch an etablierte Parteien und Gewerkschaften, die das „Haus Union“ auch für eigene Veranstaltungen nutzen.

Landsmannschaft unbedenklich

Dass sich jemand gegen rechtes Gedankengut einsetzt, das kann Thomas Helms verstehen. Was er nicht verstehen kann ist, dass niemand mit ihm oder seinem Bruder jemals über die Vorwürfe gesprochen hat. „Bevor jemand solche Sachen in die Welt setzt, sollte er uns einmal fragen“, sagt Thomas Helms, „das ist eine Sache der Fairness.“

Konkret geht es darum, dass Tagungen der Landsmannschaft Ostpreußen NRW und der Partei „Die Freiheit“ im „Haus Union“ über die Bühne gingen. Für das Jahr 2015 seien weitere Veranstaltungen geplant, gibt die Antifa an.

Parteivorsitzender ist dem Verfassungsschutz bekannt

Die Landsmannschaft Ostpreußen NRW mietet seit 30 Jahren Räume im „Haus Union“. Die Organisation vertritt die Belange der Deutschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus Ostpreußen vertrieben wurden. Die Antifa bezeichnet sie deswegen als „geschichtsrevisionistisch“. Unter der Beobachtung des Verfassungsschutzes NRW stehen sie nicht. Ein Sprecher des Landesinnenministeriums bezeichnet den Verein als unbedenklich.

Bei der Partei „Die Freiheit“, die vor allem in Bayern aktiv ist, sieht es anders aus. Sie tauchen unter anderem im NRW-Verfassungsschutzbericht 2013 auf. Der Vorsitzende der als rechtspopulistisch und islamfeindlich geltenden Partei trat schon auf einer „Hooligans gegen Salafisten“-Demo in Hannover auf. Im Münchener Wahlkampf tat er sich mit Hetzparolen hervor, wie die bayrische Presse berichtete.

Vorgehen der NPD kopiert

Vergangenes Jahr mietete sich die Partei zur ihrem Landesparteitag in das Oberhausener Traditionshaus ein. Allerdings sei das unter falschem Namen passiert, wie die Brüder Helms betonen.

Damit haben sie ein Vorgehen kopiert, das schon die NPD seit längerer Zeit in Oberhausen praktiziert, wie der SPD-Landtagsabgeordnete Stefan Zimkeit bestätigt. Seine Partei tagt selbst regelmäßig im „Haus Union“ und er kann sich nicht vorstellen, dass die Brüder Helms eine rechte Gesinnung unterstützen: „Wir würden in keinen Räumlichkeiten tagen, in denen Wirte Rechtsextremen einen Platz bieten.“

Lesung abgesagt

Thomas und Torsten Helms haben auch schon eine weitere Veranstaltung der Partei „Die Freiheit“ abgesagt. Sie wollten am 21. Januar eine Lesung mit dem umstrittenen Autoren Akif Pirinçci durchführen. Der türkischstämmige Autor hetzt in seinem Buch „Deutschland von Sinnen“ gegen Frauen, Homosexuelle und Zuwanderer.

Den Namen „Die Freiheit“ kannten die Brüder vorher nicht. „Wir können nicht jeden am Telefon fragen, welche Gesinnung er hat oder seinen Hintergrund überprüfen“, sagt Thomas Helms. Rund 2000 Veranstaltungen haben sie jedes Jahr in ihrem Haus. Aber Thomas Helms sagt deutlich: „Ich bin mit Sicherheit kein Rassist, sondern allen Menschen gegenüber offen.“ Selbst ist er mit einer Libanesin verheiratet.

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