Prunksitzung der Alstadener Bären - Glücksbärchen in Partylaune

Dirk Hein
Die Tanzgarde der Bären bei der Prunksitzung der Alstadener Bären im ausverkauften Ebertbad. Foto: Kerstin Bögeholz / WAZ FotoPool
Die Tanzgarde der Bären bei der Prunksitzung der Alstadener Bären im ausverkauften Ebertbad. Foto: Kerstin Bögeholz / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool

Oberhausen. Bären gelten in freier Wildbahn als durchaus scheue Tierart: Statt sich dem Getöse zu nähern, vertraut Meister Petz lieber der Gemütlichkeit. In der kalten Jahreszeit haut er sich auf die faule Haut und überlasst alles andere dem Winterschlaf. Irgendwie sind die Alstadener Bären etwas aus der Art geschlagen.

Denn die Gemeinschaft feierte wieder ihre Prunksitzung: Und tierische Stimmung gab es dabei bis tief in die Nacht. Hätte sich ein echtes Raubtier in der Nähe des Ebertbades verlaufen -- Professor Grzimek hätte es wohl mit einer Schubkarre Koteletts aus der nächsten Höhle locken müssen.

Denn was für sensible Tierohren womöglich verstörend wirkt, war für alle Partybären ein Lockmittel. Die Sitzung zeigte sich erneut ausverkauft. Die karnevalistischen Regularien hatten die Bären in gewohnter Manier so dressiert, dass diese knapp zu Sitzungsbeginn über die Bühne gingen. Keine üppigen Ordensvergaben, wenig administratorisches Klein-Klein – die Bären mögen es pur. Und greifen bei der Musik dementsprechend rigoros durch.

Daher schlossen auch mit Rafael Miles und Nico Gember zwei Sänger aus dem Popschlager-Lager die Sitzung ab. Bebende Bässe, hohes Mitsing-Potenzial und reichlich Zicke-Zacke-Zitate. Traditionalisten brauchten hier ein dickes Fell. Der Rest feierte in der Vertikalen.

Noch mit Jungtierstatus

Klingt nach gewohntem Gang im Alstadener Narrenrevier: Und doch sind bei der dritten Auflage der Bärensitzung Dinge gereift. Auch wenn die Karnevalsgemeinschaft den Jungtierstatus gegenüber anderen Gesellschaften sicher nicht ablegen kann - und wahrscheinlich gar nicht möchte. „Wir feiern hier echten Ruhrgebiets-Karneval“, sagt Hermann Buschmann, Präsident des Elferrates. Und dieser soll authentisch über die Bühne gehen. „Wir spielen Lieder, die die Leute auch verstehen.“

Den Abläufen an sich, hat das nicht geschadet: Auf einen späten Redner wurde diesmal verzichtet. So etwas verbessert die Sitzungsdramaturgie. Stattdessen kam Kai Magnus Sting relativ früh, musste sich zwar gegen die Geräuschkulisse behaupten, bleibt jedoch ein Humorist, der als närrischer Gastarbeiter – Sting ist eher dem Kabarett als der Bütt zuzuordnen -- mit intelligenten Pointen zünden kann.

Zudem wurde mit der Ruhrgarde aus Mülheim eine in dieser Session populäre Showtanzgarde verpflichtet, die vor allem mit ihren Kostümen ein Blickfang ist.

Kostüme als Blickfang

Dabei haben die Alstadener selbst eine neue Garde aufgebaut, die bei der Sitzung ihre Feuerprobe bestand. Sowohl Garde- als auch Showtanz wurden mit lang anhaltendem Applaus bedacht. Sie verkleideten sich gar als Glücksbärchen. Da war selbst Präsident Buschmann platt: „Darauf können wir stolz sein!“

Auch wenn die Alstadener ihren „etwas anderen Karneval“ betonen. Die Begrüßung klang fast wie eine versöhnliche Hommage an die Werte der Narretei: „Wir feiern hier zum dritten Mal eine Traditionsveranstaltung – und alles, was zwei Mal im Oberhausener Karneval stattfindet, ist schließlich Tradition.“