Prozess um totes Baby in Oberhausen – Mutter muss in Haft

Anwohner legten Kerzen vor das Haus, in dessen Hinterhof das Kind gefunden worden war.
Anwohner legten Kerzen vor das Haus, in dessen Hinterhof das Kind gefunden worden war.
Foto: Ulla Emig/WAZ FotoPool
Eine Oberhausenerin, die ihr Kind aus dem Fenster geworfen hatte, wurde zu einer Haftstrafe verurteilt. Die Gutachter sehen keine psychische Störung.

Oberhausen.. Die junge Oberhausenerin, die im November ihr neu geborenes Baby aus dem Fenster geworfen hat, muss ins Gefängnis. Das Landgericht Duisburg verurteilte die 26-Jährige am Dienstag zu einer Haftstrafe von sieben Jahren.

Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass die Oberhausenerin ihr Kind aus dem Fenster warf, um ihre Schwangerschaft auch nach der Geburt weiter geheim zu halten. „Für sie war klar, dass das Kind weg musste“, so Richter Mario Plein. Sie habe zwar die vage Hoffnung gehabt, Kartons würden den Sturz des Kindes abfedern. „Sie hat sich aber nicht vergewissert.“

Von einem minderschweren Fall sei ebenfalls nicht auszugehen, so der Richter. Das ginge aus dem Gutachten hervor, das zwei Sachverständige, ein forensischer Psychiater und eine Psychologin, am Dienstag vorstellten. Demnach hat die Angeklagte keine tiefgreifende psychische Störung. Es sei bei ihr zwar eine „neurotische Persönlichkeitsentwicklung mit passiv-aggressiven Zügen“ zu beobachten, so die Psychologin. Diese habe jedoch keinen Krankheitswert.

Schwierige Gespräche in der Haft

Die Angeklagte hatte wie berichtet im November ihr Kind im Badezimmer der elterlichen Wohnung zur Welt gebracht. Ursprünglich hatte sie geplant, in ihrer eigenen Wohnung zu entbinden und das Neugeborene anschließend in eine Babyklappe zu legen. Doch die Wehen setzten ein, als sie mit ihrer vierjährigen Tochter das Wochenende bei ihren Eltern verbrachte. Das sei sicherlich eine psychische Ausnahmesituation gewesen. Eine seelische Störung läge trotzdem nicht vor, so die Psychologin

Die Gutachterin hatte die Angeklagte im April untersucht. Das Gespräch im Dinslakener Gefängnis habe sich allerdings „recht schwierig gestaltet“, berichtete die Expertin. Die Angeklagte habe gelogen und Informationen bewusst zurückgehalten. Laut Gutachterin eine „unbewusste Abwehrstrategie“, um zu verhindern, dass jemand ihre Persönlichkeit erkennt. Sie habe stets versucht, Schwächen und Defizite zu verbergen.

Der psychiatrische Gutachter pflichtete seiner Kollegin bei: „Die Persönlichkeit der Angeklagten weist Auffälligkeiten auf“, erklärte er. Er habe jedoch keine psychisch-pathologische Störungen festgestellt, die eine verminderte Schuldfähigkeit der 26-Jährigen begründen würden. Sie weise beispielsweise keine abhängige Persönlichkeit auf, sondern sei durchaus in der Lage, Entscheidungen zu treffen.

Verteidiger scheitert mit Beweisantrag

Sie habe ihre Männerbekannschaften aktiv gesucht und habe sich auch zwei Mal aktiv für eine Abtreibung entschieden. Mehr noch: Auch die Abtreibungen habe sie verheimlicht und dafür ein komplexes Lügenkonstrukt aufgebaut. „Das ist eine Leistung“, so der Sachverständige. Er sprach von einer „hoch manipulativen Begabung.“

Der Verteidiger sah das anders: Er bemängelte das Gutachten und legte dem Gericht eine schriftliche Stellungnahme zweier Psychologinnen vor. Daraus ginge hervor, dass die Angeklagte durchaus eine psychische Störung habe, die sich strafmildernd auswirken sollte, so der Anwalt der Angeklagten. Er beantragte ein weiteres Gutachten.

Doch das Gericht wies den Beweisantrag ab und verurteilte die Oberhausenerin nach einer mehr als siebenstündigen Sitzung wegen Totschlags.

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