Projekt durchgesetzt durch Bevormundung

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In der Muttersprache trösten. Wir beglückwünschen die drei Teilnehmer des Seminars zum Notfallbegleiter und wünschen ihnen viel Erfolg bei ihrem Ehrenamt. Wir bekunden unseren Respekt. Dies zeigt die Sensibilität der Gesellschaft zu diesem Thema, aus deren Mitte sie kommen und denen sie zur Seite stehen wollen, wenn es erforderlich ist. Umso bedauerlicher finden wir die Äußerung des ehemaligen CDU-Ratsmitglieds Hermann-Josef Schepers, die Moscheevereine würden die Notfallberater nicht wollen. Die Tätigkeit des Notfallbegleiters wird durch den Imam nach wie vor durchgeführt. Bisher wurden Oberhausener Familien mit muslimischem Glauben immer durch die Imame ihrer Gemeinden begleitet und werden es in Zukunft auch weiterhin, unabhängig davon ob derjenige, der eine Unterstützung bedarf, Mitglied in einer der Moscheegemeinde ist. Die Qualifikation des Imams unserer Moscheevereine in Frage zu stellen, halten wir für eine Anmaßung. Nach unserer Meinung sollten derartige Projekte mit den betroffenen Bürgern gemeinsam projektiert und durchgeführt werden. Ansonsten ist es, wie viele Projekte in der Vergangenheit auch gezeigt haben, ein wunderbares Projekt, das jedoch den erhofften Erfolg in keiner Weise bringen kann, weil man Teile der Gesellschaft nicht eingebunden hat. Bei den konstruktiven und vertrauensvollen Gesprächen, bei denen Herr Schepers zugegen war, ging es nicht um das Ob, sondern um das Wie man die Umsetzung gemeinsam gestalten kann. Wie Herr Schepers zu so einer Schlussfolgerung kommen konnte, ist für uns nicht nachvollziehbar. Die Vertreter der Dachverbände, an die die Moscheen in Oberhausen organisiert sind, sind Mitglieder in der Christlich-Islamischen Gesellschaft. Dieses Projekt wird auch durch diese getragen und unterstützt. Aber die Vorgehensweise vor Ort, nach dem Motto: „Wir machen das für Euch und Ihr habt zu akzeptieren“, halten wir für nicht tragbar. Anstatt derart wichtige Projekte, wie in der Vergangenheit öfter geschehen, durch Bevormundung durchsetzen zu wollen, sollten die Gesellschaftsmitglieder mitgenommen. Sie sollten bei der Gestaltung und Durchführung eingebunden werden. Nur so kann eine Akzeptanz, Anerkennung und Inanspruchnahme gewährleistet werden. Was nützt das beste Projekt, wenn es nicht angenommen wird. Recep Kocaoglu Vorsitzender Deutsch-Türkische Gesellschaft Oberhausen

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