Pro Bahn fordert Neustart für die Straßenbahn in Oberhausen

Die Straßenbahn Linie 112 fährt von Mülheim nach Sterkrade, leider meist mit veralteten Bahnen.
Die Straßenbahn Linie 112 fährt von Mülheim nach Sterkrade, leider meist mit veralteten Bahnen.
Foto: Kerstin Bögeholz
  • Der Fahrgastverband Pro Bahn Ruhr hält einen verstärkten Einsatz für die Straßenbahn für nötig
  • Die Oberhausener Stoag lässt noch mit alten Fahrzeugen fahren, woanders werden sie aussortiert
  • Wenn heute nicht investiert wird, dann besteht die Gefahr, dass alle Bahnen vor dem Aus stehen

Oberhausen.. „Oberhausen und die Straßenbahn – das ist ein schwieriges Verhältnis“, stellt Johannes Gith, WAZ-Leser und Pro-Bahn-Vorstandsmitglied fest. Er hält eine breite Diskussion darüber für „dringend erforderlich“ – und hat uns diese persönliche Analyse zugeschickt:

„Mit der Eröffnung des Centro war auch die Renaissance der Straßenbahn verbunden. 28 Jahre nach der Gesamtstilllegung gab es wieder eine Schienenverbindung zwischen der Landwehr und Sterkrade. Mit Euphorie und Ausbauplanungen wurde dies gefeiert. Wenn man die letzten 20 Jahre Revue passieren lässt, stellt sich jedoch Ernüchterung ein. Von den Ausbauplänen ist bis auf eine mickrige Verlängerung zum Neumarkt in Sterkrade nichts übrig geblieben.

Lückenschluss der Linie 105 scheiterte an Bürgerprotesten

Konkrete Planungen für eine Straßenbahn nach Schmachtendorf und nach Frintrop (Lückenschluss 105) sind an Bürgerprotesten gescheitert. Die einzige Tramlinie 112 führt auf der Trasse neben den vielen parallel fahrenden Bussen ein Schattendasein, ihr Anteil am Gesamtfahrgastaufkommen ist als gering zu bezeichnen.

Wie konnte es dazu kommen? Zunächst einmal ist ein schwerer Geburtsfehler vor zwanzig Jahren gemacht worden. Anstatt der Straßenbahn als zuverlässiges und komfortables Massenverkehrsmittel die Hauptlast des Verkehrs auf der Trasse zu übertragen, wurden viele parallele Buslinien eingerichtet – eine Konkurrenz für die Bahn. Dahinter steckte die Philosophie, jeder solle möglichst ohne Umsteigen die Innenstadt erreichen.

Stoag repariert alte Bahnen und schafft keine neuen an

Dass dies nicht mehr zeitgemäß ist, zeigen in vielen Großstädten moderne Umsteigepunkte Bus/Bahn, die es in Oberhausen mit dem Hauptbahnhof und dem Sterkrader Bahnhof auch gibt. Hinzu kommt, dass die Stoag die Bedeutung der Straßenbahn durch eine falsche Kürzungspolitik 2013 mit einer Halbierung des Angebots noch weiter minimiert hat.

Die Stoag ist zudem der einzige Straßenbahnbetrieb im Ruhrgebiet, der sich noch nicht für die Beschaffung von Neufahrzeugen entscheiden konnte. Man setzt lieber auf Instandsetzung alter Bahnen.

Was ist zu tun, um die Straßenbahn zukunftsfähig zu machen und nicht zum zweiten Mal nach 1968 in eine Gesamtstilllegung zu schlittern? Die Straßenbahn muss auf der wichtigen Nord-Süd-Achse die Hauptlast des Verkehrs tragen (mindestens Zehner-Takt) und die Busse eine Zubringerfunktion zugewiesen bekommen. Parallelverkehre wie heute mit den Buslinien SB 90 und 960 sind einzustellen.

Andere Nahverkehrsunternehmen sortieren 20 Jahre alte Bahnen aus

Die städteverbindende Funktion der 112 ist zu stärken, indem wieder alle Kurse zwischen Mülheim und Oberhausen verkehren und nicht wie seit 2013 an der Landwehr jede zweite Bahn aus Mülheim ohne Anschluss endet.

Nach der Sanierung der Thyssenbrücke in Mülheim wird die MVG auf der 112 ihre modernsten Bahnen einsetzen. Die Stoag muss sich spätestens dann zur Anschaffung von Neufahrzeugen durchringen. Der jetzige in Oberhausen zwanzig Jahre alte Fahrzeugtyp wird bei anderen Betrieben schon heute aussortiert. Um ein wirtschaftliches Netz zu erhalten, sind dringend Ausbaupläne zu verwirklichen, die auch Einsparpotenziale im Busverkehr eröffnen. Dazu gehört der ,Lückenschluss 105’ zwischen Essen und Oberhausen.“

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