Polizisten werden auch in Oberhausen immer öfter angegriffen

Die Polizei wird immer gerufen, wenn es im übertragenden Sinn brennt, Bürger danken den Polizisten, die die Feuerwehr auch tatsächlich immer unterstützt, etwa Straßen sperrt,  ihren Einsatz immer seltener.
Die Polizei wird immer gerufen, wenn es im übertragenden Sinn brennt, Bürger danken den Polizisten, die die Feuerwehr auch tatsächlich immer unterstützt, etwa Straßen sperrt, ihren Einsatz immer seltener.
Foto: Feuerwehr
Auch in Oberhausen wird von der Gewerkschaft der Polizei eine wachsende Respektlosigkeit gegenüber der Polizei und damit gegenüber dem Staat beklagt.

Oberhausen.. Eine zunehmende Respektlosigkeit gegenüber der Polizei ist auch in Oberhausen zu beobachten, bestätigt Polizeisprecher Tom Litges einen landesweiten Trend. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hatte Zahlen vorgelegt, nach denen im Jahr 2015 in NRW 13.875 Polizisten beleidigt, bedroht oder körperlich angegriffen wurden.

Als beispielhaft für Oberhausen nennt Tom Litges einen Vorfall am letzten Sonntag in einer Shisha-Bar an der Elsässer Straße. „Drei Kollegen sahen sich 37 Testosteron-gesteuerten Männern mit südländischem Erscheinungsbild gegenüber, die aus bislang ungeklärter Ursache mit Knüppeln aufeinander einschlugen“, sagt Litges. Die Polizisten seien von den Männern verbal angemacht, geschubst und in Gerangel verwickelt worden. „Sie mussten den Einsatz von Pfefferspray androhen, um sich zu schützen.“ Erst als zehn weitere Einsatzwagen, mindestens 20 Kollegen, als Verstärkung eingetroffen waren, hätten die Polizisten Personalien aufnehmen und mutmaßliche Täter, die sich schon abgesetzt hatten, wieder einfangen können.

Feuerwehr kennt Gewalt auch

„Der Vorgang war geprägt von einer massiven Respektlosigkeit gegenüber der Polizei und damit gegenüber dem Staat“, sagt Litges. Polizisten müssten sich oft wehren. Aber das sei zu einem Riesenproblem geworden, wenn sie dabei mit Handys gefilmt würden. Besonders wenn diese Aufnahmen nur einen kleinen Ausschnitt des Geschehens lieferten.

Nicht nur die Ordnungshüter, selbst die Feuerwehr macht Erfahrungen mit aggressiven Menschen. Oberbrandrat Jürgen Jendrian spricht von Beleidigungen und Handgreiflichkeiten. Wobei 90 Prozent der Einsätze friedlich verliefen, sich die Leute später sogar oft bedankten. Aber bei einer bestimmten Klientel, wenn etwa Opfer von Schlägereien versorgt werden müssten, könne es Probleme geben. „Wenn die Leute unbedingt wieder aus dem Rettungswagen raus zum Gegner wollen“, sagt er. Oft spiele auch Alkohol eine Rolle. „Auf jeden Fall bieten wir unseren Leuten ein Deeskalationstraining an“, erklärt Jendrian.

Welche Ursache hat diese Respektlosigkeit vor Polizei oder Feuerwehr? In der Zeitung „Die Welt“ erklärte Janina Lara Dressler (Uni Bonn): „Und schließlich wird Feuerwehr als Feindbild missverstanden, als Teil des Staatswesens. Es gibt Menschen, auf die eine Uniform an sich aggressionsfördernd wirkt.“ Dressler hatte sich für ihre Doktorarbeit intensiv mit den Angriffen auf Rettungskräfte befasst.

Kommentar

Die Gesellschaft hat sich verändert. Immer mehr Menschen, die hier leben, respektieren den Staat, seine Vertreter und die Gesetze nicht mehr. Das äußerst sich auch in Respektlosigkeit gegenüber Polizisten. Die Ordnungshüter müssen häufig erst in großer Zahl auflaufen, um ihre Arbeit erledigen zu können. Polizeisprecher Tom Litges hält das für sehr bedenklich. Es ist auch beunruhigend, weil es an rechtsfrei Räume erinnert. Daran, dass das Recht des Stärkeren gelebt wird. Schutz für die Schwachen gibt es dann nicht mehr. Damit es nicht so weit kommt, muss die Polizei gestärkt werden. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert für alle Polizisten kleine Kameras, Bodycams, die Täter filmen. Überdacht werden muss auch, wie Handyvideos von Polizisten, die sich wehren, zu bewerten sind. Wenn sie angegriffen werden, müssen sie sich wehren dürfen.

 
 

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