Polizisten aus Oberhausen wollten mit fingiertem Überfall wohl ihre Versicherung betrügen

Die Stimmung in der Belegschaft der Oberhausener Polizei, hier im Bild das Polizeipräsidium, sei „sehr gedrückt“, berichtet Polizeisprecher Henkemeyer. Alle Mitarbeiter seien betroffen von dem Ermittlungsergebnis. Foto: Gerd Wallhorn / WAZ FotoPool
Die Stimmung in der Belegschaft der Oberhausener Polizei, hier im Bild das Polizeipräsidium, sei „sehr gedrückt“, berichtet Polizeisprecher Henkemeyer. Alle Mitarbeiter seien betroffen von dem Ermittlungsergebnis. Foto: Gerd Wallhorn / WAZ FotoPool
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Oberhausen. Nur tröpfchenweise gelangen weitere Details zu dem Überfall an die Öffentlichkeit, den zwei Oberhausener Polizisten vorgetäuscht haben sollen. Mittlerweile wird gegen die beiden Beamten auch wegen versuchten Versicherungsbetruges ermittelt.

Die Vorwürfe, die Polizei und Staatsanwaltschaft gegen zwei ihrer Kollegen aus dem Oberhausener Polizeipräsidium erheben, haben nicht nur in Oberhausen sondern auch weit über die Stadt hinaus für viel Aufruhr gesorgt. Dienstagmittag gingen die Ermittler das erste Mal an die Öffentlichkeit, um darüber zu informieren, dass der Überfall auf zwei 33 und 39 Jahre alte Polizisten fingiert gewesen sein soll. Weitere Details? Kein Kommentar, hieß es von Detlef Nowotsch, Sprecher der Duisburger Staatsanwaltschaft auch auf weitere Nachfragen. Man stehe schließlich erst am Anfang der Ermittlungen und dies sei ein laufendes Verfahren, erklärte der Jurist die dürftigen Informationen gegenüber den Medien.

Versicherer hat das „etwas leichtsinnige“ Produkt nicht mehr im Angebot

Seit Dienstagmittag kursieren jetzt viele Gerüchte und Mutmaßungen in der Öffentlichkeit. Waren die erfahrenen Polizisten, die seit mehr als zehn Jahren Streife fahren, überhaupt verletzt und wenn ja wie schwer? Schließlich wurde einer von ihnen mehrere Tage auf der Intensivstation eines Krankenhauses behandelt. Haben sich die beiden Beamten ihre Verletzungen möglicherweise selbst zugefügt? Und wieso haben sie solch einen Überfall vortäuschen wollen? Vielleicht Geldgier? Zumindest was die Motivlage angeht scheinen sich die Ermittler, die die beiden Kommissare weiter vernehmen, jetzt einigermaßen sicher zu sein. So sicher zumindest, dass sie der Öffentlichkeit ein weiteres Mosaiksteinchen präsentieren. Auch dies möglicherweise eine Taktik, eine weitere Vermutung, um Druck aufzubauen. Gegen die beiden Beschuldigten werde jetzt auch wegen versuchten Versicherungsbetruges ermittelt. Sie wollten sich wohl einen finanziellen Vorteil verschaffen, hieß es am Mittwoch.

Nach Auskunft von Nowotsch hatten die beiden Beamten eine Versicherung abgeschlossen, die gegen das Risiko einer zeitlich begrenzten Dienstunfähigkeit versichert. Hätte sich nicht herausgestellt, dass der Überfall, wie ihn die beiden Polizisten geschildert hatten, so offenbar nie statt gefunden hat, hätten die beiden „einmalig eine größere Summe von der Versicherung ausgezahlt bekommen“, so der Sprecher der Duisburger Staatsanwaltschaft. Nach Wissen des Oberhausener Polizeisprechers Ralf Henkemeyer handelte es sich offenbar um eine private Versicherungsleistung. Inzwischen sei das Angebot von dem Versicherungsunternehmen vom Markt genommen worden. Als „etwas leichtsinnig“ bezeichnet es Staatsanwalt Nowotsch, das Risiko vorrübergehende Dienstunfähigkeit zu versichern.

Gedrückte Stimmung im Präsidium Oberhausen

Mehr als zwei Monate dauern die Ermittlungen der Sonderkommission inzwischen an. In dieser Zeit hätten sich immer mehr Zweifel an der Schwere der Verletzungen der beiden Beamten ergeben, sagte Detlef Nowotsch gegenüber DerWesten. Einer der beiden Polizisten hatte zunächst sogar auf der Intensivstation gelegen. „Uns ist auch immer noch nicht ganz klar, wie das zu erklären ist“, ergänzte Ralf Henkemeyer am Mittwoch. Wie er vermutet hatten die Ärzte erst vollkommen ausschließen müssen, dass ernste Verletzungen vorliegen. „Bis ein Arzt die Diagnose stellen kann, „da ist nichts“, dauert es eine Weile“. Einblick in die Krankenakten hätten zunächst einmal nur die Patienten selbst.

Die Stimmung in der Oberhausener Belegschaft sei „sehr gedrückt“, berichtet der Polizeisprecher. Alle Mitarbeiter seien betroffen von dem Ermittlungsergebnis - besonders die, die selbst schon einmal Gewalt im Dienst erleben mussten. „Ihr Mitgefühl ist schamlos ausgenutzt worden“, so Henkemeyer. Das einzige, was dem Polizeiteam nun ein gutes Gefühl gebe, sei, dass sie die „schäbige Tat“ selbst mitaufgeklärt hätten.

Sofort nach der Anschuldigung, eine Straftat vorgetäuscht zu haben, hat die Oberhausener Polizeipräsidentin Kerstin Wittmeier die beiden Beamten vom Dienst suspendiert. Nur einer der Beamten habe sich bisher zum Geschehen geäußert haben, erklärt die Staatsanwaltschaft.

 
 

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