Polizei vermutet psychische Erkrankung bei Messerstecher

Beamte der Spurensicherung der Polizei Essen, die den Fall aus Neutralitäts-Gründen übernommen hat, untersuchten den Tatort.
Beamte der Spurensicherung der Polizei Essen, die den Fall aus Neutralitäts-Gründen übernommen hat, untersuchten den Tatort.
Foto: Marcel Kusch
Die Ursache für die Messerattacke im Warteraum einer Oberhausener Polizeiwache ist noch unklar. Die Polizei vermutet eine psychische Erkrankung.

Oberhausen. Es ist immer noch ungeklärt, warum der 21 Jahre alte Oberhausener und der 39-Jährige im Warteraum der Polizeiwache in Streit gerieten. Aber es soll nur ein kurzer Wortwechsel gewesen sein, in dessen Folge der Ältere mit einem Messer auf den Jüngeren und schließlich auf die Polizeibeamten losging. Eine mögliche Erklärungen für die Messerattacken könnte eine psychische Erkrankung sein, sagte ein Sprecher der Essener Polizei. In der Wohnung des allein lebenden Mannes habe man Hinweise darauf gefunden. Der 39-Jährige hatte, das ist ebenfalls sicher, eine doppelte Staatsbürgerschaft - eine davon deutsch.

Die Menschen bewegt der tragische Vorfall, bei dem einer der Polizisten - vermutlich in Notwehr - den 39-Jährigen erschossen hat. Viele unterstützen den Polizeibeamten. „Der Polizist hat alles richtig gemacht“, schreibt Katja Kamps auf der Facebookseite der Polizei Oberhausen. Nicole Senger erklärt dort: „Hoffe nur, dass er nicht letztendlich zum ‘Buhmann’ wird. Er wird alles richtig gemacht haben.“

"Einem Menschen das Leben gerettet"

„Ein Lob an den Beamten und gute Besserung an alle beteiligten Opfer des Täters“, schreibt Simon Sassi. Thorsten Bräuer findet, der Polizist sei ein Held und habe einem Menschen das Leben gerettet. „Gut gemacht“, lobt Bräuer noch. Marion Brinkmann tut der Polizist leid. „Hoffentlich verarbeitet er alles gut. Ich wünsche ihm alles Gute.“

Berna Güntürk dagegen fragt: „Warum schoss die Polizei mehrfach auf den Täter?“ Sie will wissen, ob Polizeibeamten nicht vernünftig vermittelt würde, wie sie sich zu verhalten hätten.

Ti Mo erklärt dazu: „... dass ein Schuss nicht gleich einen Treffer bedeutet. Ein Treffer wiederum bedeutet noch keine Reaktion des Angreifers.“ Meist seien mehrere Treffer erforderlich, um einen Angreifer zu stoppen (ich spreche nicht von töten).“ Er führt den Lesern vor Augen, dass andererseits ein Schnitt mit einem Messer genügt, um einen Menschen zu töten.

Einhandmesser sind in Deutschland verboten

Einhandmesser, wie der 39-Jährige eines dabei hatte, sind in Deutschland übrigens verboten. „In Übereinstimmung mit dem aktuellen Waffenrecht dürfen Messer mit einhändig feststellbarer Klinge nicht geführt werden“, heißt es bei Wikipedia.

Der Familie des Opfers, aber auch dem betreffenden Beamten gilt das ganze Mitgefühl Pfarrer Ulrich Samses. Als ehemaliger Polizeiseelsorger hat er erlebt, was der Gebrauch der Schusswaffe bei Polizisten auslöst. Er spricht von einem Schockzustand, in den die Betroffenen zunächst geraten. Dann setzten Schuldgefühle ein. „Da ist das Gefühl, mangelnde Professionalität gezeigt zu haben, selbst wenn aus Notwehr gehandelt wurde“, erklärt Samse.

Um den Menschen zu helfen, müsste man sie zunächst aus ihrer Schockstarre befreien. Dann müssten die Polizisten verstehen, dass sie in dem Moment keine andere Chance hatten. Samse: „Die Beamten dürfen nicht auf Dauer das Gefühl haben, versagt zu haben.“

Seelsorge nötig

Zu dem aktuellen Fall sagt Samse dann: „Hier ist eine Menge seelsorgliche Begleitung nötig - an der Familie des Opfers wie an dem betroffenen Beamten selbst.“ Fatal wäre eine einseitige Schuldzuweisung oder gar Vorverurteilung durch die Öffentlichkeit, ist der Pfarrer überzeugt.

Samse beklagt grundsätzlich einen Werteverfall der Gesellschaft und dass bei der Weise, wie wir miteinander umgingen, Konflikte nicht gelöst werden könnten, sondern eskalierten. Die Entwicklung einer fairen und konstruktiven Streitkultur sei längst überfällig,

 
 

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