Politiker in Oberhausen lehnen Bettelverbot für Kinder ab

Andrea Micke
Erwachsene, die betteln, sind eher akzeptiert als bettelende Kinder, die in der Regel für Empörung sorgen.
Erwachsene, die betteln, sind eher akzeptiert als bettelende Kinder, die in der Regel für Empörung sorgen.
Foto: WR/Franz Luthe
In Oberhausen wurden vermehrt bettelnde Kinder beoachtet. Ein Bettelverbot für Kinder, das es in anderen Städten gibt, lehnen Politiker aber ab.

Oberhausen. Bürgern waren am Altmarkt Gruppen von Kindern aufgefallen, die dort bettelten. Das Jugendamt will ein Auge darauf haben, an die Eltern der Kinder herantreten und sich kümmern. Aber wie sieht die Politik das Problem? Sind Oberhausens Politiker für ein Verbot des Bettelns mit und von Kindern, wie es andere Städte wie Bottrop bereits verhängt haben?

An die Eltern herantreten

„Man muss an die Eltern herankommen und mit Beratung und Ansprache agieren“, fordert Wolfgang Große Brömer (SPD). In den 1990er Jahren habe es in der Stadt schon einmal eine Phase gegeben, in der Clans Kinder zum Betteln missbraucht hätten. Die seien aus Köln gekommen. „Man muss die Kinder schützen, an die Drahtzieher herankommen und denen klar machen, dass es nicht gewünscht und nicht zulässig ist.“ Bei einem bloßen Bettelverbot sieht Große Brömer die Gefahr, dass die Clans einfach weiterziehen.

Diese Befürchtung hegt auch Andreas Blanke (Grüne). Deshalb hält er andere Maßnahmen für sinnvoller als ein Verbot. „Es hört sich nach gewerbsmäßigem Betteln an, da sollte man zügig ein Auge drauf haben“, sagt er über die Kinder auf dem Altmarkt. Im Interesse und zum Schutz der Kinder müssten deren Familien angesprochen werden. „Das Kindeswohl steht aus unserer Sicht an erster Stelle“, macht Blanke deutlich. Deshalb müsste man an jene herantreten, die die Kinder zum Betteln bringen.

"Die Kinder sind die Opfer"

Daniel Schranz (CDU) ist der einzige Politiker, der auch ein Verbot in Erwägung zieht. Doch der OB-Kandidat differenziert. „Wenn es ein Armutsphänomen ist, sollte die Stadt gucken, wie kann ich den Menschen helfen“, fordert Schranz. Er selbst hat aber von Fällen gehört, bei denen das Betteln System habe. „Frauen und Kinder werden gezielt zum Betteln gebracht, zum Teil von Männern in dicken Autos“, wurde Schranz berichtet. In einem solchen Fall könne nicht mehr von einem Armutsphänomen die Rede sein. So etwas müsse die Stadt unterbinden, bis hin zum Verbot. „Am Centro war einmal ein richtiger Clan unterwegs“, sagt Schranz, „die haben da sofort einen Riegel vorgeschoben“.

Gegen ein Verbot ist wiederum Otto Runkler (FDP). „Die Kinder sind die Opfer“, sagt Runkler. Um ihnen zu helfen, müsse man herausfinden, wo sich ihre Eltern aufhalten. „Den Familien müsste man klar machen, dass das Betteln kein sozial akzeptables Verhalten ist“, fordert Runkler. Am besten sei es, die Familien so zu betreuen, dass Betteln überhaupt erst gar kein Thema würde.