Pleitegebiete und Gewinnzonen

Die Linke packt ein.
Die Linke packt ein.
Foto: WAZ FotoPool
Eine Anlayse der Landtagswahl in den 29 Bezirken. Wer abräumte und unterging.

Oberhausen.. Am Tag nach der Wahl ist die Zeit gekommen, die auch für Oberhausen überraschenden Ergebnisse zu analysieren. Die wichtigsten Erkenntnisse:

Die Wahlbeteiligung lag mit 57,2 Prozent nur geringfügig höher als das für eine Landtagswahl sehr schlechte Beteiligungsergebnis 2010 (56,9 Prozent). Die meisten Wähler suchten im Norden den Weg zur Urne. Die schwächste Wahlbeteiligung war in Stadtmitte-Süd und Lirich-Süd.

Am stärksten verlor die CDU: Im Vergleich zur letzten Landtagswahl vor zwei Jahren 6,6 Prozent im Stadtgebiet Oberhausen, im Vergleich zur Kommunalwahl 2009 rund 12,4 Prozent – und im Vergleich zur Rüttgers-Sieg-Landtagswahl 2005 sogar 14,2 Prozent. Es ist für die CDU das schlechteste Ergebnis aller Zeiten.

Es zeigte sich Erstaunliches

Die Piratenpartei wurde bei den entscheidenden Zweitstimmen (für die Partei) im Stadtgebiet Oberhausen viertstärkste Partei — vor FDP und Linkspartei; bei den Erststimmen (für den Direktkandidaten) sogar drittstärkste Partei vor den Grünen. Die Piraten verzeichneten den größten Stimmenzuwachs – mit einem Plus von 7,4 Prozent der Zweitstimmen im Vergleich zur Landtagswahl 2010.

Die SPD konnte zum ersten Mal seit 1985 bei Landtagswahlen wieder Stimmanteile hinzugewinnen. Sie legte prozentual zwar im Vergleich zur Landtagswahl 2010 (plus 3,12 Prozent) und 2005 zu, am deutlichsten sogar im Vergleich zur Kommunalwahl 2009 (plus 7,18 Prozent), doch bei den absoluten Stimmen zeigt sich Erstaunliches: Seit der Landtagswahl 2005 gingen im Stadtgebiet 4300 Stimmen für die SPD Oberhausen verloren (49.545 Stimmen 2005 zu 45.247 Stimmen 2012). 2005 gab es allerdings noch nicht die Möglichkeit, seine Stimmen als Erst- und Zweitstimme taktisch an verschiedene Parteien zu vergeben – jeder Wähler hatte 2005 nur eine Stimme im Land.

Die räuberischen Seefahrer

Viele Wähler machten ganz offensichtlich von dieser Wahltaktik Gebrauch. So waren die CDU-Kandidaten in beiden Wahlkreisen deutlich beliebter als ihre Partei. Spitzenreiter ist Simone Tatjana-Stehr: Sie lag 2997 Stimmen vor ihrer Partei. Ungewöhnlich für Kandidaten bei Kleinparteien: Auch die Piraten-Bewerber ergatterten mehr Erst- als Zweitstimmen. Ob die Wähler aus Taktik entschieden oder das komplizierte Wahlsystem nicht verstanden, lässt sich aus der Statistik nicht ablesen.

Gewinne und Verluste bei den Grünen. Die Partei gewinnt in 10 von 29 Wahlbezirken Stimmen hinzu, verliert in 19 Bezirken.

Die größten Stimmverluste für eine Partei gab’s in der Stadtmitte-Nord. Hier büßte die CDU 9,5 Prozentpunkte ein. Auch in Dümpten, Brücktor und Styrum verloren die Christdemokraten dramatisch. Die SPD sahnte in Sterkrade-Nord mit 6,5 Prozentpunkten mehr gegenüber der vorherigen Landtagswahl die meisten Stimmen ab. Vier Bezirke lassen sich zum Piratenland erklären: In Stadtmitte-Süd, Osterfeld-Mitte, Lirich-Nord und Lirich-Süd gewannen die räuberischen Seefahrer jeweils mehr als 9,5 Prozentpunkte hinzu.

Überdurchschnittlich viele Stimmen

Pleitegebiete: Es gibt Stadtbezirke, da könnten einige Parteien gleich einpacken. Die CDU erreichte im Brücktorviertel nur 13,7 Prozent. Die FDP kam in Klosterhardt-Nord nur auf 2,7 Prozent. Die Linke ging in Königshardt mit 1,5 Prozent unter.

Gewinnzonen: Die SPD räumte in Klosterhardt-Nord 56 Prozent ab. Die Piraten erzielten in der Stadtmitte-Süd mit 12,2 Prozent ihr bestes Ergebnis. Auch in dieser Kategorie zeigt sich das Drama der CDU: Der größte lokale Erfolg der Partei ist mit nur 22,9 Prozent der Zweitstimmen in Sterkrade-Nord. Grundsätzlich gilt: Der Norden ist für CDU und FDP stärkstes Gebiet. In allen anderen Bezirken dürfen die anderen Parteien auf überdurchschnittlich viele Stimmen hoffen.

22,7 Prozent und damit fast ein Viertel der Wähler gaben diesmal ihre Stimme per Briefwahl ab, so viele wie noch nie. Das Wahlbüro bezeichnet diesen Anteil als beachtlich, weil die Zeit zur Stimmabgabe per Post nur drei Wochen betrug. Ohne Briefwahl hätte es übrigens für die CDU noch schlechter ausgesehen. Das zeigt die Einzelwertung von Brief- und Urnenwahl. Bei der Briefwahl kam die CDU auf 22,4 Prozent der Zweitstimmen. Bei der Urnenwahl auf nur 16,2 Prozent. Auch die SPD profitierte leicht von Briefwählern.

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