Piraten segeln im Gegenwind

Nicht nur im Land, auch kommunal stecken die Piraten offenbar in einer Krise: Vor einigen Tagen drohte Daniel Düngel, Oberhausener Pirat im NRW-Landtag, mit der Auflösung des Arbeitskreises vor Ort, gestern schmiss der Pressesprecher Tobias Langenberg seinen „Job“.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen beiden Ereignissen? Der Frust auf lokalpolitischer Ebene ist offenbar groß, bestätigen die Piraten Andreas Ronig und Albert Karschti, wenn auch aus gegensätzlichen Gründen. Die angedrohte Auflösung des Arbeitskreises ist aus Ronigs Sicht ein Schuss vor den Bug der Freibeuter, der aufwecken soll: „Die Arbeit war nicht zufriedenstellend. Es wurde bisher zu wenig getan. Man hat sich zu sehr auf die Strukturen zurückfallen lassen. Das ist nicht die Art der Piraten.“

Albert Karschti bestätigt zunächst „organisatorische Probleme“ und eine gewisse Trägheit in der politischen Arbeit. „Es wurde zur Landtagswahl viel versprochen. Die ‘Versprecher’ müssen jetzt etwas tun.“ Doch zu den „Stammtischen“ trafen sich nur wenige aktive, andere agierten stattdessen nur ‘Online’, über E-Mails und Chat. „Wir müssen die anonymen Piraten mit den sichtbaren zusammenbringen“, fordert Karschti, „sonst sind wir eine gespaltene Partei“. Er hofft, dass die Piraten einmal wieder in die Nähe von 8 Prozent rücken.

Die Gründe für den Frust vor Ort sieht der Pirat und Ex-Grüne jedoch beim Landesverband angesiedelt. Ein handlungsfähiger Ortsverband sei man nicht, denn „die Ketten durch den Landesverband sind spürbar“. Ex-Pressesprecher Langenberg ist diplomatisch: „Ich wollte immer kommunalpolitisch aktiv werden. Die Piraten schienen eine zunächst unkomplizierte Möglichkeit dafür zu sein, etwas zu verändern.“ Doch nach knapp einem Jahr stellt er fest: „Im Moment ist sie keine Gruppe, die konstruktiv zusammenarbeitet.“

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