Pfarrer wegen Partnersuche im Internet beurlaubt

Thomas Schmitt

Oberhausen. Weil er gegen den Zölibat verstoßen und in einer Kontaktbörse für Schwule im Internet nach einem Partner gesucht haben soll, hat Bischof Franz Josef Overbeck den Oberhausener Pfarrer Bernward Mezger beurlaubt.

Für viele Gläubige kam die Kunde am Sonntag aus heiterem Himmel: Propst Bernward Mezger (51) soll nicht enthaltsam leben und auf einer Schwulen-Kontaktbörse im Internet Partner zum Sex gesucht haben. Daher wird er auf eigenen Wunsch von Bischof Franz Josef Overbeck mit Wirkung vom 14. August 2010 beurlaubt.

„Die Beurlaubungszeit wird ihm eingeräumt, um seine Lebenswirklichkeit im Dienst als Priester und die mit der priesterlichen Lebensform verbundenen Konsequenzen in Ruhe überdenken zu können“, heißt es in einer Erklärung des Generalvikars Hans-Werner Thönnes, die am Sonntag in den Gottesdiensten der acht Gemeinden der Propsteipfarrei St. Clemens verlesen wurde.

„Hexenjagd auf Schwule“

Für die unter akutem Priester-Nachwuchsmangel leidende Kirche sind schwule Pfarrer kein Problem, solange es eine Neigung ist und die Priester keusch leben. Tun sie dies nicht, sind sie als Pfarrer einer Gemeinde nach katholischem Denken nicht mehr tragbar.

Erst im Frühjahr sah sich der Halveraner Pfarrer Volker Ziegenhagen gezwungen, auf sein Pfarramt zu verzichten, nachdem bekannt geworden war, dass er sich auf der Online-Plattform „gayromeo“ anderen Männern zum Sex angeboten haben soll. Reporter einer Boulevard-Zeitung hatten Ziegenhagen mit Ausdrucken seines Auftritts im Internet konfrontiert. Homosexuelle kritisierten dies als „Hexenjagd auf Schwule“.

Homosexualität als Sünde bezeichnet

Nach Informationen dieser Zeitung soll Bernward Mezger den gleichen Weg gegangen sein – unter dem Pseudonym Turtur. Ausdrucke, die das belegen sollen, wurden bereits Anfang Mai bei einem Oberhausener Notar hinterlegt. Zusammen mit einer eidesstattlichen Versicherung, der Propst habe eindeutig sexuellen Kontakt gesucht.

Gleichzeitig wurde der „Fall“ Bischof Overbeck gemeldet. Der Bischof hatte erst im Frühjahr bei Anne Will Homosexualität als „Sünde“ bezeichnet und gesagt: „Das widerspricht der Natur.“

Mehrere Stellen nicht besetzt

„Ja, es gibt Anschuldigungen und Vorwürfe gegen Pfarrer Mezger“, bestätigte Bistumssprecher Ulrich Lota Anfang vergangener Woche. „Er ist aufgefordert worden, Stellung zu beziehen.“ Zu den Vorwürfen „in der laufenden Personalangelegenheit“ gab es kein Wort. Nur soviel: „Es geht nicht um ein Strafverfahren.“

Hatten es die Verantwortlichen im Bistum bis dahin nicht besonders eilig, so beschleunigten die Recherchen unserer Zeitung das Verfahren, am Sonntag folgte die Offensive mit der Verkündigung der traurigen, verklausulierten Botschaft in den Kirchen des Stadtnordens.

Verstoß schade der Glaubwürdigkeit eines Priesters

Vom Tisch ist vermutlich eine andere Personalie, die in Essen vorbereitet wurde. Pfarrer Ziegenhagen sollte nach unseren Informationen in Oberhausen als Krankenhausseelsorger eine neue Aufgabe finden. „Der Einsatzort von Volker Ziegenhagen ist meines Wissens noch nicht festgelegt“, sagt der scheidende Stadtdechant Michael Dörnemann. Richtig sei, dass in Oberhausen mehrere Stellen nicht besetzt seien.

Zu den Vorwürfen gegen Propst Mezger, der als Pfarrer der Großgemeinde St. Clemens mit rund 38 000 Katholiken zumindest ein geborener Kandidat für das Dechantenamt gewesen wäre, wollte sich Dörnemann nicht äußern. Zum Zölibat schon. „Der Zölibat ist eine wichtige Lebensform in der katholischen Kirche.“ Jeder Verstoß schade der Glaubwürdigkeit eines Priesters.

Folgendes Schreiben von Generalvikar Dr. Hans-Werner Thönnes wurde am Sonntag in den Oberhausener Kirchen verlesen:

... mit großer Betroffenheit wende ich mich heute mit einer Information an Sie, die sicher bei vielen von Ihnen Besorgnis und Verunsicherung auslösen wird.

Herr Propst Bernward Mezger hat aufgrund von Anschuldigungen, die ihn hinsichtlich der Erfüllung der priesterlichen Lebensform infrage stellen, unseren Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck gebeten, ihn bis auf Weiteres zu beurlauben.

Der Bischof hat der Bitte von Herrn Propst Mezger entsprochen und ihn mit Wirkung vom 14. August 2010 beurlaubt. Die Beurlaubungszeit wird ihm eingeräumt, um seine Lebenswirklichkeit im Dienst als Priester und die mit der priesterlichen Lebensform verbundenen Konsequenzen in Ruhe überdenken zu können. Ebenso wird der Bischof in dieser Zeit die gegenüber Herrn Propst Mezger erhobenen Anschuldigungen überprüfen lassen. Damit wird die Entscheidung des Bischofs über den weiteren Einsatz von Herrn Propst Mezger vorbereitet.

Um möglichen Missverständnissen vorzubeugen, weise ich darauf hin, dass sich die gegen Herrn Propst Mezger erhobenen Anschuldigungen nicht auf eine Straftat beziehen.

Der Vertreter des Pfarrers von St. Clemens, Herr Pastor Martin Cudak, wird während der Beurlaubungszeit die Leitung Ihrer Pfarrei übernehmen. Ihn wie auch die anderen Herren Pastöre und die pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter habe ich darum gebeten, Ihnen diesen Brief zur Kenntnis zu geben.

Verbunden mit der Bitte um Ihr Gebet für Herrn Propst Mezger verbleibe ich

mit freundlichen Grüßen

Dr. Hans-Werner Thönnes

Generlavikar