Palliativmediziner fordern bessere Betreuung Todkranker in Oberhausen

Marcel Sroka
Bei einer Podiumsdiskussion wurden die Versorgung  Schwerkranker aus mehreren Blickwinkeln beleuchtet.
Bei einer Podiumsdiskussion wurden die Versorgung Schwerkranker aus mehreren Blickwinkeln beleuchtet.
Foto: WAZ FotoPool
Anlässlich des 3. Ärztetag diskutieren Oberhausener Ärzte über die Versorgung schwerkranker Menschen in deren letzten Lebenstagen. Laut des Palliativnetzes Oberhausen könnten auch trotz des demografischen Wandels und der somit stetig älter werdenen Bevölkerung rund 80 Prozent der Todkranken zu Hause betreut werden.

Oberhausen. Den Lebensabend in den eigenen vier Wänden zu verbringen, das ist der Wunsch der meisten älteren Oberhausener. Doch die Realität sieht heute ganz anders aus: Nur zehn Prozent der Menschen in Deutschland scheiden zu Hause aus dem Leben, rund 88 Prozent dagegen in einem Krankenhaus oder einem Pflegeheim. Um dies zu ändern und kranke Menschen in ihren letzten Lebenstagen besser zu begleiten, hat die Oberhausener Ärzteschaft bei ihrem 3. Ärztetag am Samstag den Schwerpunkt auf die Palliative Versorgung in der Stadt gelegt. Rund 100 Ärzte versammelten sich im „Medikon“ im Gewerbegebiet Kaisergarten.

500 Oberhausener betreut

Palliative Versorgung heißt, schwerstkranken und sterbenden Menschen die bestmögliche medizinische, pflegerische, soziale und spirituelle Behandlung und Begleitung zukommen zu lassen“, erklärt Dr. Peter Kaup, Vorsitzender der Oberhausener Kreisstelle der Ärztekammer Nordrhein. Kaup ist selbst Palliativmediziner und Mitinitiator des Palliativnetzes Oberhausen, in dem sich Ärzte, Kliniken, Apotheken, Pflegedienste und weitere Einrichtungen organisiert haben. „Im vergangenen Jahr 2012 haben unsere Mitglieder fast 500 Oberhausener betreut.“

Doch werden die Herausforderungen in den kommenden Jahren und Jahrzehnten deutlich größer werden. „Der demografische Wandel sorgt schließlich dafür, dass die Oberhausener immer älter werden“, erklärt sein Berufskollege Dr. Christoph Gerhard. „Das heißt auch, dass wir deutlich mehr Mitbürger sehen werden, die im hohen Alter an mehreren Krankheiten leiden werden.“ Der Bedarf für die Versorgung todkranker Menschen in der Stadt sei weiter steigend.

Besseres Verständnis gefordert

Und darum müsse es ein besseres Verständnis für die Sorgen und Nöte todkranker Oberhausener geben. „Wir müssen mit dem Vorurteil aufräumen, dass palliative Versorgung erst in den letzten Lebenstagen eines Menschen einsetzt“, so Kaup. „Sterben wird von Medizinern oft noch als eigenes Scheitern verstanden“, pflichtet Gerhard bei. „Davon müssen wir uns aber lösen. Der Tod gehört zum Leben dazu.“ Darum müssten Oberhausener, bei denen etwa mit Krebs im Endstadium oder andere tödliche Krankheiten diagnostiziert werden, bereits bei der Behandlung sozial und auch spirituell versorgt werden.

„Wir könnten sicherlich 80 Prozent der Menschen, die an einer tödlichen Krankheit leiden, zu Hause versorgen“, sagt Christiane Mitzko, von der ambulanten Palliativpflege des St. Clemens Hospitale. „Somit könnten sie weiterhin in ihrem gewohnten Umfeld bleiben und in den eigenen vier Wänden leben.“ Je nach Krankheitsverlauf sei sogar noch ein Urlaub möglich.

Kaup ist insgesamt optimistisch: „Oberhausen mag vielleicht eine der ärmsten Städte des Landes sein, doch seine palliative Versorgung kann sich sehen lassen.“