Ohne Worte und Klischees

Immer wieder hebt Darstellerin Sabrina Padderatz die ausgestreckte Hand gegen die blendende Lampe. Eindringlich vermittelt die Marokkanerin diese Geste der Abwehr, des Selbstschutzes. Wogegen?, beginnt man sich unweigerlich zu fragen.

Das Theaterstück „Zwei Himmel“ ist voller solcher Bilder, in denen Flüchtlinge von sich erzählen, die einen hineinziehen in eine Welt deutlicher und ebenso häufig rätselhafter Symbole und Situationen.

Und die dabei oft erfrischend gut ohne die patinierte Kunstsprache auskommt, mit denen gewöhnlich solche ‘Schicksale’ präsentiert werden. Schnell vergisst man die weltordnenden Kategorien und blickt auf Menschen. Etwa auf Marvin Jasarevic, der sich an einer Stelle im Stück in eine Kaskade von gesungenen Tönen hineinsteigert. „Ich musste als Junge immer wieder Trompete spielen“, erläutert der Roma-Mann seine zwiespältigen Gefühle zum Instrument. Für nicht wenige der Darsteller bot die Entwicklung des Theaterspiels den Zugang zu schwierigen Erfahrungen, die Chance auf eine heilsame Distanz zum Erlebten.

Dabei hat das Stück am 6. Mai an einem Ort Premiere, an dem die Perspektivlosigkeit und das gesellschaftliche Randdasein von Asylbewerbern scheinbar in Beton gegossen wurde: Lange Zeit diente das Haus an der abgelegenen Ruhrorter Straße als Verwaltungsgebäude und Lager etwa für Karstadt. Später nutzte es die Stadt Mülheim als Heim für Flüchtlinge.

Adem Köstereli, Regisseur und künstlerischer Leiter im Auftrag des Theater an der Ruhr, arbeitet schon seit vielen Jahren mit Flüchtlingen aus Oberhausen und Mülheim zusammen und empfindet den Ort nicht als trostlos: „Wir haben während unserer Proben festgestellt, dass er wie für ein Theater gemacht ist, und viele Möglichkeiten für eine Inszenierung bietet.“ Àpropos: Im Anschluss an das Stück führt die Installation „Palimpsest“ auf inszenierte und verbliebene Spuren durch das geschichtsträchtige Gebäude.

 
 

EURE FAVORITEN

Warum sich die Polizei bei Fahndungen nicht direkt an die Öffentlichkeit wendet

Öffentlichkeitsfahndungen: Annika Koenig, Sprecherin der Polizei Essen, erklärt unter welchen Umständen die Polizei sich bei der Suche nach Tatverdächtigen oder Vermissten an die Bürger wendet.
Mi, 19.09.2018, 16.32 Uhr

Öffentlichkeitsfahndungen: Annika Koenig, Sprecherin der Polizei Essen, erklärt unter welchen Umständen die Polizei sich bei der Suche nach Tatverdächtigen oder Vermissten an die Bürger wendet.

Beschreibung anzeigen