Oberhausens Werkstraße: klein, aber ziemlich berühmt

Foto: Volker Wilke
Die Werkstraße in der Ripshorst-Siedlung wird 100 Jahre alt. Bewegte Geschichte noch heute gut erkennbar. Als Filmkulisse gerne eingesetzt.

Oberhausen.. Dick lag die Asche auf dem Boden, der Ruß sorgte für einen grauen Schleier, die Bewohner waren in bescheidenen Verhältnissen lebende Arbeiterfamilien – einige wenige davon waren Familien der Werksmeister. Kinder spielten Fußball auf der Straße, in den Gärten gab es Obst, Gemüse und Nutztiere.

Bilder, so wie man sie aus „Das Wunder von Bern“ von Sönke Wortmann kennt, sind in der Tat die Bilder, die die Werkstraße über Jahrzehnte geprägt haben. Kein Wunder also, dass Wortmann sich die Werkstraße als Filmkulisse aussuchte. Im Vergleich zu heute eine völlig andere Welt.

Denkmalgeschützte Siedlung

Die Werkstraße ist eine der kleinen Erschließungsstraßen der denkmalgeschützten Siedlung an der Ripshorster Straße. Ihren Namen erhielt sie vor 100 Jahren, als Teile der damals eigenständigen Gemeinde Borbeck, zu der auch die gerade erbaute Werkssiedlung der Gutehoffnungshütte gehörte, nach Oberhausen eingemeindet wurden. Die Gutehoffnungshütte (kurz GHH), Aktienverein für Bergbau und Hüttenbetrieb, forderte die Eingemeindung ihrer Grundstücke, um mögliche Erweiterungen des Werkes auf dem Stahlwerksgelände oder Wohnungsbauten nur noch mit einer Gemeinde verhandeln zu müssen.

Zu Borbecker Zeiten hieß die Werkstraße noch Koloniestraße. Mit der Eingemeindung 1915 gab es aber in Oberhausen bereits eine Koloniestraße in Eisenheim (heute Werrastraße). So wurde aus der Borbecker Koloniestraße naheliegenderweise die Oberhausener Werkstraße – eine Straße mit direktem Zugang zum Stahlwerksgelände. Noch heute zeugt ein kleines Stahltor von der direkten Zugangsmöglichkeit – jenseits der großen Werkstore – für eine kleine auserwählte Schar von Werks- und Obermeistern der früheren GHH.

Ihr Alter sieht man der kleinen Privatstraße an. Die Vielfalt verschiedener Straßenbeläge und die frisch versiegelten Schlaglöcher weisen wie die Häuser auf eine abwechslungsreiche Geschichte.

Wechsel in der Architektursprache

Architektonische Baukunst, geprägt noch von Zeichen des Jugendstils, aber auch des Aufbruchs in der Architektur und Ingenieurkunst durch die Weltausstellung 1889 in Paris. Von 1910 bis 1927 wurden die zwölf Backsteinhäuser auf der Werkstraße erbaut.

Auffallend ist hier auch heute noch der Wechsel in der Architektursprache. Während die westliche Seite der Werkstraße noch Jugendstilelemente aufweist, fallen die sieben östlichen Häuser durch klare Linien und eine straffe Architektur auf: Gebäude ohne Ornamente, Säulen oder betonte Übergänge.

In seiner jüngsten Geschichte zu Beginn des 21. Jahrhunderts bekam die Werkstraße noch ein Langhaus aus Holz und Glas. Dies wurde im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Emscher Park durch die Architekten Hübner und Forster geplant – und wird heute als Gemeinschaftshaus genutzt. Vor rund 100 Jahren waren auf diesem Grundstück eine Kleinkindschule und ein Lebensmittelgeschäft gebaut worden.

1980 entstand eine Initiative aus ehemaligen Werksangehörigen und Studenten, die sich für den Erhalt der Thyssen-Siedlung an der Ripshorster Straße einsetzte und leere Siedlungshäuser besetzte. Nach jahrelangen Verhandlungen wurde 1998 die Genossenschaft Riwetho gegründet, die die Siedlung aus 22 Häusern mit 68 Wohnungen kaufte. In Eigenleistung wurden die Häuser modernisiert.

 
 

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