Oberhausens OB will gestalten und mitreden

Vor dem Wechsel: Daniel Schranz (CDU) im Rathaus Oberhausen.
Vor dem Wechsel: Daniel Schranz (CDU) im Rathaus Oberhausen.
Foto: Funke Foto Services
Daniel Schranz wird am 21. Oktober als neuer Oberbürgermeister in sein Amt eingeführt. Ein Porträt über den 41-Jährigen, der sich viel vornimmt.

Oberhausen.. Wenn Daniel Schranz am Mittwoch kommender Woche zum ersten Mal die Amtskette des Oberbürgermeisters tragen wird, dann ist er „der Neue“ an der Spitze der Verwaltung. Doch den politischen Rathausbetrieb kennt der 41-Jährige bereits seit 21 Jahren. Seit 1994 sitzt Daniel Schranz schon für die CDU im Oberhausener Stadtparlament und ist damit ein alter Hase in der Kommunalpolitik.

Sich für die Gemeinschaft, für das Gemeinwesen zu engagieren, gestalten, an der Verbesserung der Zustände arbeiten, „das wollte ich schon immer“, sagt der gebürtige Oberhausener und angesichts seines Lebenslaufs klingt das nicht nur nach einem guten Satz in einem Vorstellungsgespräch.

Sein Eintritt mit 16 Jahren in die Junge Union sei durchaus auch ein Akt der Rebellion in dieser SPD-regierten Stadt gewesen – wie es ein Journalist in der „Süddeutschen Zeitung“ geschrieben hat –, aber vor allem folgerichtig, findet Schranz: Die ehrenamtliche Arbeit für die katholische Jugendgemeinde der Marienkirche, wozu auch der Minis­tranten-Dienst gehörte, „das war neben der Schule mein Hauptlebensinhalt, meine Heimat“. Der Weg von da zur Jungen Union sei dann nicht weit gewesen. Und man müsse ja nicht immer den leichtesten wählen.

Mit dem Aktenkoffer zur Schule

Auch wenn er erstmal der einzige war, der diesen Schritt gegangen ist, „ein paar aus meiner Stufe, die politisch sehr heterogen eingestellt waren, sind danach mitgekommen“. Schon früh ehrgeizig oder mit missionarischem Eifer unterwegs? Nein, so sieht sich Daniel Schranz nicht, das „Gemeinschaftserlebnis war wichtig“ – und mit einem Aktenkoffer sind auch andere zur Schule gekommen. Das Streber-Accessoire fand seine damalige Schulkameradin und heutige Frau, Andrea Schranz-Hülskemper, bei ihm allerdings nicht so attraktiv, erinnert sich der künftige Oberbürgermeister mit einer Prise Selbstironie.

Was die berufliche Ausbildung betrifft, hatte Daniel Schranz nicht schon im zarten Teenager-Alter eine klare Marschrichtung, er hätte sich mehrere Dinge vorstellen können. Zum Beispiel Rechtswissenschaften, aber auch ein Theologiestudium wäre eine Option gewesen. Mit dem Ziel Priester zu werden? „Das war etwas, worüber ich nachgedacht habe, der Glaube war und ist mir sehr wichtig“, meint der dreifache Familienvater. Aber das Zölibat und die Maßgabe, sich als Kirchenmann bewusst nur für diesen einen gesellschaftlichen Bereich entscheiden zu müssen, haben ihn davon abgehalten.

Dass er nach seinem Wehrdienst schließlich in Düsseldorf Neuere Geschichte, Wirtschaftsgeschichte und Politikwissenschaft studierte, habe er auch einem Lehrer zu verdanken, der ihn für diese Fächer begeisterte. „Ich bin gerne zur Schule gegangen“ – was aber nicht heißt, dass der junge Mann in den Schuldienst wollte, er schrieb sich für den Magister-Studiengang ein. Ein Abschluss, bei dem andere Studenten gerne mal von besorgten Eltern oder Freunden gefragt werden „Und was machst Du später damit?“.

„Ein konkretes Berufsziel hatte ich nicht vor Augen, ich konnte mir vorstellen, an der Uni zu arbeiten, aber auch im öffentlichen oder gesellschaftlichen Bereich“, erklärt Schranz. Es ist ihm gelungen, beides, erst die Uni und später, nach einem Umweg über die Firma seiner Schwiegereltern, die Stiftungsarbeit. Einer mit Biss und guten Kontakten.

Ein „überzeugter Oberhausener“

Für seine politische Karriere hat Schranz keinen Ämter-Fahrplan, sagt er, aber für die kommunale Ebene „habe ich mich bewusst entschieden“. „Hier vor Ort kann ich die Konsequenzen des politischen Handelns direkt nachvollziehen, ich kann mit den Menschen in Verbindung bleiben.“ Allerdings: Die negativen Auswirkungen von Entscheidungen, die fallen einem eben auch direkt vor die Füße, weiß er.

Was Daniel Schranz nach eigener Aussage ebenfalls geprägt hat: Die Familie, der Großvater war Lokomotivführer, der Vater Steuerberater und Buchprüfer, die weit verzweigte Verwandtschaft, in der es viele Kinder gab. „Wir haben immer in den Gärten an der Mülheimer Straße gespielt.“ Die positiven Erfahrungen und die Menschen sind mit dem Ort verbunden, ich bin „überzeugter Oberhausener“, sagt Schranz.

Als einer, der als Kind noch den Widerschein des Hochofenabstichs am Himmel sehen konnte, den Niedergang der Großindustrien beobachtete und damit den Verlust von Arbeitsplätzen, will Schranz nun „daran mitwirken, dass die Stadt eine wirtschaftlich bessere Zukunft hat“. Ambitionierte Worte. Dass sie nicht nur Politikersprech sind, kann und muss der neue Oberbürgermeister jetzt unter Beweis stellen.

 
 

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