Oberhausens Linke will Bundeswehr aus den Schulen verbannen

Im Berufskolleg Wesel führen Jugendoffiziere der Bundeswehr ein Planspiel zur Wirtschaft und Politik durch.
Im Berufskolleg Wesel führen Jugendoffiziere der Bundeswehr ein Planspiel zur Wirtschaft und Politik durch.
Foto: WEIßENFELS
Bisher dürfen sogenannte "Jugendoffiziere" Kindern im Schulunterricht die Aufgabe der Bundeswehr erklären. Wenn es nach Oberhausens Linken geht, soll das nicht mehr möglich sein. Die Ratsfraktionen diskutierten in ihrer letzten Sitzung den möglichen Ausschluss der Bundeswehr vom Unterricht.

Oberhausen. Sollen Soldaten, sogenannte „Jugendoffiziere“, von Schulen eingeladen werden, um die Schüler im Unterricht über die Aufgabe der Bundeswehr zu informieren? Oder ist das eine zu starke einseitige Beeinflussung von Jugendlichen? Diese interessante Frage diskutierten alle Oberhausener Ratsfraktionen in ihrer letzten Sitzung, weil die Linksfraktion eine gemeinsame Resolution anstrebte, die Bundeswehr an Oberhausener Schulen auszuschließen.

„Jugendoffiziere vertreten einseitig die Sicht der Bundeswehr. Schulen werden dadurch instrumentalisiert, um bei Minderjährigen Akzeptanz für militärische Einsätze zu schaffen“, begründete Linken-Fraktionschef Yusuf Karacelik den Antrag. „Eine Militarisierung des Unterrichts soll es in Oberhausen nicht geben.“

Alle anderen Fraktionen im Rat, SPD, Grüne, FDP und CDU, argumentierten gegen ein Zutrittsverbot von Bundeswehr-Vertretern an Schulen – vor allem gerade deshalb, um den Schülern eine breite Debatte über die deutsche Sicherheitspolitik und die Funktion der demokratisch kontrollierten Bundeswehr zu ermöglichen.

Auftreten der Bundeswehr in der Kritik

Bei aller Kritik an der Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr verwahrte sich Grünen-Fraktionsvize Peter Pléw gegen Einschränkungen für Diskussionen für Jugendliche: „Die Schulen sind aufgefordert, neben der Bundeswehr auch Vertreter von Friedensorganisationen gleichberechtigt einzuladen, um Inhalte neutral zu vermitteln. Das wird auch gemacht. Von einer Militarisierung Oberhausener Schulen kann keine Rede sein.“

[kein Linktext vorhanden]Die Bundeswehr alleine neige tatsächlich aber zu einer allzu positiven Sicht ihrer Tätigkeit: „Bei der Nachwuchswerbung verkauft sich die Bundeswehr gerne als normaler Arbeitgeber, Kriegstote und traumatisierte Soldaten bei Einsätzen im Ausland werden nicht erwähnt.“

„Bundeswehr ist eben kein Staat im Staate“

CDU-Fraktionsvorsitzender Daniel Schranz sagte, die Bundeswehr sei ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft. „Deshalb soll sie auch nicht aus den Schulen herausgehalten werden. Jugendoffiziere glorifizieren keine Einsätze, sondern sie kennen genau deren Schrecken.“ Zudem sei diesen Offizieren nicht erlaubt, in Schulen Nachwuchswerbung zu betreiben.

FDP-Fraktionschef Hans-Otto Runkler: „Jede Schule kann selbst entscheiden, ob sie Jugendoffiziere einlädt oder nicht. Wir lehnen Verbote oder Bevormundungen ab, was an Schulen wie diskutiert wird. Die Bundeswehr ist eben kein Staat im Staate, sondern Teil der Gesellschaft.“ In die gleiche Kerbe schlug SPD-Fraktionschef Wolfgang Große Brömer: „Die Bundeswehr ist ein Parlamentsheer. Wir wollen einen demokratischen Diskussionsprozess an den Schulen.“