Oberhausener testen im Olga-Park neue Sportart „Jugger“

Sieht angriffslustig aus, ist aber eine ganz friedliche Sportart: Jugger.
Sieht angriffslustig aus, ist aber eine ganz friedliche Sportart: Jugger.
Foto: Funke Foto Services
Die neue Feldsportart „Jugger“ ist ein Programmpunkt beim Oberhausener Ferienprogramm „Action Guide“. Mannschaft soll gegründet werden.

Oberhausen.. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als würden die Spieler wild aufeinander einschlagen. Dem ist mitnichten so: Die Hiebe bei „Jugger“, einer neuen Sportart, sind wie beim Fechten gezielt und eher symbolisch. Wer getroffen wird, kniet sich hin und signalisiert damit, dass er für ein paar Sekunden pausieren muss. „Wer schwer fair spielen kann, für den ist das Spiel nichts“, sagt Lukas Poersch. Er ist einer von vier jungen Männern, die das neue Spiel im Rahmen des Action Guides, des Ferienangebotes der Stadt Oberhausen, zur Zeit anbieten.

Sechs Interessierte haben sich dazu angemeldet, am Samstag treffen sich alle zum zweiten Mal im Olga-Park, um Jugger zu spielen. Nach einer Trainingseinheit im Zweikampf sind alle ziemlich aus der Puste. „Es ist wirklich anstrengend, wegen der vielen kurzen Sprints“, sagt Karsten (20) aus Osterfeld. Mitspieler Florian (20) aus Kleve stimmt zu. „Aber es ist ein schöner Sport, weil es ein Teamsport ist.“ Das bestätigt Karsten: „Als Einzelgänger kommt man hier nicht weit.“

An den Stirnseiten ihres 20 mal 40 Meter großen Spielfelds in einer Senke des Olga-Parks stellen sich die beiden Teams auf, je fünf Spieler nebeneinander. Jeweils vier Spieler sind mit gepolsterten Schlägern, den sogenannten Pompfers, bewaffnet, einer von ihnen zusätzlich mit einem Schutzschild. Der fünfte Spieler nicht. „Drei, zwei, eins, Jugger!“ ruft Hannah (20). Hannah spielt den Läufer, Qwik genannt. Während die anderen Spieler nach diesem Auftakt-Ruf auf die Mitte des Spielfelds zustürmen, bleibt sie zunächst hinter ihrem Team zurück. Max Gerke, einer der vier Organisatoren des Jugger-Spiels, rennt möglichst schnell in die Mitte des Spielfelds, um den Jugg, den dort liegenden Spielball in der Form eines American Footballs, mit seinem langen Pompfer zu Hannah zu schlagen. Sie nimmt ihn mit ihren Händen auf und spurtet damit in Richtung gegnerische Stirnseite des Spielfelds. Während sich ihre Mitspieler mit den vier Gegenspielern in der Mitte des Feldes ein kurzes Gefecht mit ihren Pompfers liefern, versucht sie, den Jugg ins Ziel zu stecken. Das nennt sich Mal und ist ein kreisrunder Behälter, der in der Mitte jeder Stirnseite steht.

Nächstes Treffen am Samstag

Aber Vincent Castor, ebenfalls vom Orga-Team, der Qwik des anderen Teams, macht ihr einen Strich durch die Rechnung. Er hält sie kurz fest, so lange, bis einer seiner Mitspieler ihr mit einem Pompfer einen Schlag versetzen kann. Dadurch muss Hannah den Jugg fallen lassen und pausieren. Vincent ergreift ihn, sprintet seinerseits die 40 Meter auf die andere Seite des Feldes und steckt den Jugg dort sicher im gegnerischen Mal ein: 1:0 für sein Team.

„Etwa eine Viertelstunde dauert ein Spiel“, berichtet Carsten Stepuhn, der vierte Organisator des Spiels. Die vier jungen Männer machen sich in ihrer Freizeit als Betreuer in der evangelischen Jugendarbeit in Oberhausen nützlich. Bei einem Jugendcamp in Siegburg haben sie das Spiel vor zwei Jahren kennengelernt. Seitdem ist es ihr Ziel, eine Jugger-Mannschaft in Oberhausen zu gründen. „Deutschland ist Urheber und Hochburg von Jugger“, sagt Stepuhn.

Den vier Jugendbetreuern gefällt der pädagogische Anspruch des Spiels: Es wird zwar gegeneinander gekämpft. Aber der Schlagabtausch ist rein taktisch bestimmt, der getroffene Gegner fällt nur für ein paar Sekunden aus. Ein Taktgeber am Spielfeldrand gibt das an. Was zählt, ist die Schnelligkeit der Hiebe – und die der Sprints über das Spielfeld, sobald der Qwik den Jugg ergriffen hat.

„Mir gefällt daran, dass man zusammenarbeiten muss, wenn man Erfolg haben will“, fasst es Niklas (14) aus Alsfeld zusammen. Seine Eltern haben ihn gebeten, sich in den Ferien eine Freizeitbeschäftigung zu suchen. „Beim Fußball gibt es halt Schwalben und vieles andere, was nicht zu Fairplay passt.“ Kommenden Samstag, 12 Uhr, findet im Olga-Park das dritte Treffen statt. Interessierte sind herzlich willkommen.

 
 

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